Dienstag, 25. April 2017

Ungarn - Ausflug nach Tihany -Teil 1. (und Erdhörnchen)

Auch an diesem Tag war noch sehr kalt, aber wenigstens nicht mehr regnerisch und nicht mehr so windig. Zu dem Plattensee fährt man grob 100 km aus Budapest aus, über Autobahn eine Stunde. Tihany, ein berühmter Abteiort am Plattensee, liegt noch von dort, wo die Autobahn aufhört, 40-50 km entfernt auf Landstraßen zu erreichen. 

Mein Mann will in Ugnarn jedes Mal wenigstens einmal eine gute Fischsuppe (Fischersuppe = von Fischer gemachte Suppe) oder Fischpaprikasch auch genannt, essen. 
Dafür hielten wir in Balatonfüred an. 
So eine Suppe, wenn richtig gut angefertigt ist, besteht von mindestens drei Fischsorten: wie Karpfen, Zander und Wels und auch von Fischrogen. 
Die Suppe an sich ist nicht scharf, aber wird gerne scharf gegessen, deshalb bekommt man in jedem Restaurant dazu eine scharfe Paprikapaste, oder scharfe Paprikaschoten hingestellt, die man dann selber dosieren kann. (Achtung: danach nicht ins Auge langen!!!)


Es ist eine dicke Suppe, mit vielen Fischstücken drin, dazu ißt man immer Weißbrot und da es traditionell in einem kleinem Gulaschkessel serviert wird, ist mindestens ein halber Liter, also man wird damit auch als Hauptspeise sehr satt. 

Nach dem Essen fuhren wir weiter. Wir suchten bestimmte Naturschutzgebiete, bzw. Nationalparks auf, von denen ich wusste, daß dort Ziesel (Erdhörnchen) leben. Erst liefen wir entlang Wiesen los und dachten, es ist absolut hoffnungslos dort was zu finden. Wir sahen öfter ein Rohrweihepaar ziemlich niedrig über diesen Wiesen zu kreisen. Das Männchen hat viel weiß in seinen Geflügel, das Weibchen ist eher braun. Wir haben vorher noch nie so einen Vogel gesehen.






Auf einmal sah ich gut 50 bis 70 Meter weit ein mini Köpfchen aus dem Gras auszustehen.
Der erste Ziesel!!!
Er war viel winziger, als ich ihn mir vorgestellt habe. 
Wir haben uns ins Gras gesetzt und beobachtet und auf einmal sahen wir, daß eigentlich haufenweise Zieselköpfchen aus dem Gras nach oben und unten gehen, in alle Richtungen, wo wir hinschauen. 
Auch mein großes 600 mm Teleobjektiv  hat hier für das winzige Tierchen nicht so richtig ausgereicht.






Jetzt wussten wir schon, worauf das Rohrweihepaar jagt.





Danach sind wir zu einer zweiten Stelle weitergefahren, 
worüber ich von anderen Naturfotografen als Geheimtipp erfahren habe,
daß dort die Ziesel absolut menschenunscheu sind und man zu denen ganz nah gehen kann. 

Wir hielten bei einem Lavendelbetrieb - da auf der Tihany-Halbinsel seit 1920 Lavendel traditionell angebaut und für mehrere Produkte verarbeitet wird. 
Hier gingen wir jetzt nicht rein, unser Interesse zog uns zu der Wiese zu den süßen Zieselchen.


So schaut ein ganz typischer und traditioneller ungarischer Zieh- (oder Galgen-) brunnen aus. 
Alte ungarische Dörfer hatten im Dorf wenigstens einen solchen Brunnen, aber noch typischer sind die auf den Weiden, als Tiertränke. Dafür stand immer neben ihnen so eine längliche Tränke, wo die Viecher trinken konnten.


Dann sah ich meine ersten zwei Ziesel. Ich habe mich für den einen entschieden und folgte ihn so lang, bis ich zum Schluß bis ca. 3 Meter Abstand zu ihm geschafft habe. Er mümmelte gemütlich sein Grünzeug und futterte so gierig, daß die Szenen schon echt voll lustig waren.


Da ich seit meinem letzten Fotokurs alles im manuellen Modus einstelle und fotografiere,
fiel ich hier in den Fehler, daß ich das gar nicht eingerechnet habe, daß diese Tiere während Mümmeln sich ständig ein bißchen bewegen. Für Bewegung habe ich da nichts eingestellt, gar nicht mitgedacht. Es war ein großer Fehler! Von ca. 100 Bildern sind höchstens 5 scharf geworden.
Ich komme damit nicht klar, welche Verschlußzeit und ISO-Wert man dazu einstellen muß.
Es tat mir schmerzhaft leid, als ich meine Bilder an dem PC zu Hause sah und mehr als die Hälfte davon löschen musste. Allerdings die besten erwischten, süßesten Szenen waren auch alles nur Schrott. Also, ich muß unbedingt nochmal dorthin.

Übrigens bin ich seitdem völlig zieselverliebt!! 😍💓💔

Freitag, 21. April 2017

Stürmischer Ausflug zu dem Velencei See (Naturlehrpfad und Abendessen)

Velence (spich: "Welenze") ist das gleiche Wort wie auf Ungarisch Venedig heißt. Und so heißt der See auf deutsch übersetzt "Venediger See". :-) 
Der Velencei See ist Ungarns drittgrößter natürlicher See. 1/3 Teil von seinem 26 km2 Gebiet besteht von Schilfen. Der See ist sehr seicht, hat eine Durchschnittstiefe von 1,60 m. Der See war in den '80-er Jahren ein absoluter Lieblingsbadeort von den Budapestern und viele hatten dort Wochenendhäuser.
Die umliegenden Schilfe bieten viele Lebensräume für Zugvögel und viele Gebiete sind davon Naturschutzgebiet. 
Der See ist Europas wärmster See, in den Sommermonaten erreicht sein Wasser bis zu 26-28 C Grad. 

Wir warteten sehr lang zu Hause, daß der Regen aufhört und fuhren erst gegen 14:30 Uhr zu dem See, der von Budapest über Autobahn innerhalb einer knappen halben Stunde erreichbar ist, los. 
Wir suchten gezielt die Ortschaft, Dinnyés, über die eine andere ungarische Bloggerin, die in Rosenheim lebt, gerade vor paar Wochen gepostet hat, und dort ein Naturschutzgebiert mit einem Lehrpfad vorgestellt hat. Nach diesem Schreiben habe ich diesen Ort direkt besuchen wollen.

Erst hielten wir bei einem Aussichtsturm an, wo uns aber der eisige Wind fast von oben weggeblasen hat, so konnten wir die Blicke auf das sumpfige Schilf nicht lange genießen.


Ich weiß nicht genau, was mit diesen Schilftürmen passiert, aber ich vermute, die werden für Hausdächer aufgehoben und bearbeitet.







An dem Anfang des Lehrpfades ist ein Bauernhof, wo man die ganz typischen ungarischen Graurinder sehen kann (in deutsch nennt man sie auch "Steppenrinder").









Der Himmel war so schwarz, daß wir Angst hatten, daß wir in jedem Moment Hagel um den Hals bekommen können und die Kälte kann ich euch kaum beschreiben. 
Auch eine kleine Schafherde haben wir gesehen und erneut solche Schilfhaufen, wie schon vorher. 
Als wir dann die Sümpfe erreicht haben, und dort drei Beobachtungstürme gesehen haben, waren wir sehr enttäuscht, da dort Schilder hingen, daß es höchst geschütztes Gebiet ist und der Eintritt ist verboten. Wie hat so ein besessener Naturfotograf Chance, selten vorkommende Vögel zu fotografieren??

















Herumgelaufen auf dem Pfad kamen wir dann im Ort zu der Hauptstraße an und mussten noch dieser entlang laufen. 
In Ungarn hat jedes Dorf das selbe Sysytem. Zwischen den Häusern  und der Straße läuft immer ein Wassergraben und daneben stehen fast 90% immer Kirschbäume auf der Straße. Die blauen Handdruckbrunnen hatte früher jeder Ort mehrmals in den Straßen. Diese gehören zu den Gemeinden und jeder Mensch darf davon sich Wasser holen. In heutigen Zeiten haben sie zu große Kosten und werden leider deshalb teilweise entfernt. Aber man findet noch viele davon. 
Als ich Kind war und meine Sommerferien am Dorf bei Omas Schwester, die meine Patentante war, verbracht habe, spielten wir Kinder oft mit diesen Brunnen herum. 
Die haben immer diese blaue Farbe.



Das ist hier ein "Pulihund" - so heißt die Rasse. Er ist ein ungarischer Schäferhund (gibt es auch in weißer Version, aber schwarz ist ganz typisch). Die Haare sehen immer so aus, wie von einem Rastamenschen. :-) 
Fast jeder Dorfhof hat so einen Hauswächter:


Auch ganz typisch sind Höfe, die man mit landwirschaftlichen Elementen dekoriert und die Kirschbäume (auch viel Sauerkirsche dazwischen) sind in jedem Hof ein Muß!
Viele haben in ihren Gärten eigenen Handkurbelbrunnen oder sogar manchmal noch alten Hebebrunnen (darüber in nächstem Bericht) oder eben Autos aus den '80-er Jahren stehen. :-) 
Leider sind viele Höfe verlassen und wie überall auf der Welt, werden diese Dörfer immer weniger bewohnt, da sich dort keine Arbeitsplätze bieten und die Jugend zieht sich in die größeren Städte oder sogar nach Ausland.



Die Zeit ist schnell verlaufen und wir mussten schon uns eilig auf den Weg zu unseren Freunden machen, zu denen wir eingeladen waren. Auf demWeg sahen wir diesen Bussard auf dem Strommast.


Auf die Frage, was sie uns kochen sollten, antworteten wir beide, daß wir lieber von der guten Paprikawurst essen möchten, die der Vater unseres Freundes selber herstellt. Dazu hat seine Frau Kurkumabrot gebacken (hier jetzt geflochten, damit besser aussieht). Es war alles so sehr lecker.