Mittwoch, 5. Januar 2011

Klettersteig Riffelscharte

Wanderungen im Wetterstein Gebirge/4 Tage/1. Teil

Wir bereiten uns schon seit Monaten seelisch auf die Berge vor, d.h. wir sehnen uns schon so sehr danach, aber die Wettervorhersagen prognostizieren nur Regen. Deshalb schauen wir schnell lieber nach Last Minute Reisen und in Gedanken reisen wir schon durch halb Europa: Lissabon, Mallorca, Korfu, Nizza, Barcelona, Kroatien...wir finden so kurzfristig nichts, und ganz ehrlich, wollen wir auch nichts anderes, als unsere Berge! Ich habe mich diesmal extrem viel mit den Vorbereitungen beschäftigt, da wir jetzt Klettersteige machen wollen, habe viel nachrecherchiert, was man braucht, wie man es macht, was sind die Regeln, habe aus dem Internet Fahrpläne und Preise der Seilbahnen zusammengesammelt, habe die Klettersteigsets bestellt. Wie könnte ich was anderes machen, wenn ich nur diese Sachen in meinem Kopf habe?? Also, wir müssen in die Berge!!

Vorsichtshalber (wegen dem Wetter) wollen wir statt zelten diesmal lieber eine Unterkunft buchen, aber wir haben ab 20. Juni frei und unsere Lieblingsunterkunft in Oberau hat nur ab 21. Juni eine freie Wohnung. Also, dann buchen wir es ab 21. für 4 Tage und die anderen 2 Tage davor werden wir in Grainau im Camping verbringen. Ist doch kein Problem. Am 19. arbeiten wir noch und sofort nach der Arbeit fahren wir los.   München – Grainau: nur 50 Minuten Fahrt. Das Wetter ist perfekt. Während einiger Augenblicke stellen wir unser Zelt in dem gut bekannten Campingplatz auf und bis am späten Abend sitzen wir draußen und trinken Bier. Es ist immer ein Gefühl, als ob wir in unserem erträumten Garten sitzen würden. (In dieser Zeit wohnen wir noch zu Hause in einer Dachwohnung, ohne Balkon, mit Dachfenster, mit Aussicht nur auf den Himmel, einen Balkon vermissen wir sehr.) Wir genießen unseren großen Garten hier und den Blick auf die geliebten Berge. Ich bin wegen der morgigen Tour sehr aufgeregt und deshalb kann ich kaum schlafen. 



20. Juni 2007 Hammersbach – Höllentalklamm – Höllentalanger – Riffelscharte – Riffelriß - Hammersbach

Wir stehen um 6:30 Uhr auf. Frühstücken in aller Ruhe, kochen Kaffee und Tee, und extra Tee für die Thermoskanne. Ich packe Sandwiches, und es wird doch ziemlich spät, 8:15 als wir in Hammersbach am Parkplatz stehen, unter dem faszinierenden Scheitel des Vorderen Waxensteines.

Auf dem unterem Bild kann man rechts die Alpspitze, links den Vorderen und Hinteren Waxenstein sehen, zwischen denen liegt die Höllentalklamm und weiter oben das Höllental, wo wir rauf müssen, und dann werden wir auf der anderen Seite (Bild ganz rechts) des Waxensteines runterkommen. 



Wir kennen schon die erste Strecke der Tour. Der Parkplatz in Hammersbach liegt auf 740 m, von dort geht der Waldpfad neben dem Bach los. Man spürt den eisigen Hauch des Wassers. Wir kommen nach einer Stunde zu dem Eingang der Höllentalklamm an. 


Jetzt kostet der Entritt pro Person 3 Euro. Die Klamm ist beim zweiten Mal genauso faszinierend, eine wahnsinnige Formation. Es fällt sofort auf und lässt uns nachdenken, daß die mächtigen Schneeblöcke (die vor 3 Jahren zwischen den Felswänden hier gehangen waren) nirgends zu sehen sind. Es war damals die selbe Jahreszeit und gab genauso viel Schnee im Winter. Trotzdem wäre der heuerige Schnee so viel schneller weggeschmolzen, als vor 3 Jahren? Oder ist es irgendwie mit der globalen Erwärmung im Zusammenhang? Ich kann diese Klamm nicht beschreiben, es muß man einfach sehen. Sie ist die Schönste von allen, die ich bis jetzt gesehen habe. Der ausgebaute Weg durch die Klamm ist schön lang, ich mache sehr viel Fotos und damit vergeht auch etwas zu viel Zeit.





Als wir aus der Schlucht rauskommen, müssen wir die ganzen steilen Pfade bekämpfen. Nachher vermisse ich auch die zusammenhängenden Schneefelder, die hier vor 3 Jahren gelegen haben.   

Wir haben uns bis jetzt maximal mit 4 Menschen gertoffen, vielleicht weil kein Wochenende ist. Bei der  Höllentalanger Hütte sitzt nur ein chinesisches Pärchen und sie essen ihre Sandwiches. Wir halten hier auch eine halbstündige Pause und essen. Zwischendurch wandern einige "Schäfchenwolken" auf den Himmel, die mir Gedanken machen, weil in den Bergen kann das Wetter sich sehr schnell ändern und es wäre zu gefährlich auf dem Klettersteig ins Gewitter zu kommen. Es ist nicht gerade der symaptischste Gedanke, daß wir, uns an die als Blitzableiter dienenden Stahlrasten gebunden klettern. Das breite, vom Gletscher formierte Höllental wird ganz oben von steilen Felswänden abgeschlossen (siehe untere Bilder).


Höllental von oben:

Alle Wegweiserschilder, die wir hier finden, wollen uns ausgeschlossen nur auf die Zugspitze schicken und nirgends steht die Riffelscharte darauf. Ich bin ein bißchen besorgt, daß wir den richtigen Weg nicht finden und wir landen irgendwo oben auf dem Gletscher. Aber zum Glück finden wir schließlich doch ein Schild, worauf die Riffelscharte zu lesen ist. Es wird unser Weg sein. Um uns überall Alpenwiesenblumen, Wasserfall rauscht ein Stück weiter zwischen den Felsen, die klingelnden Glöckchen der grasenden Schafherden hört man und die Aussicht auf das Gletschertal ist traumhaft schön. Nur für diesen Blick lohnte es sich schon hierher zu kommen. Wo das erste Stahlseil erscheint, ziehen wir uns die Klettersteigsets an und binden wir uns an den Seil fest. Aber zu unserer großen Enttäuschung hört die Ferrata nach paar Metern auf und es bleibt ein sehr steiler, schmaler, sich schlängelnder Pfad aufwärts. Ich spucke fast meine Lunge aus, meine Oberschenkelmuskeln zittern dauernd, ich fühle mich so, daß ich es nie auf den Berg auf schaffen werde, aber ich kämpfe hart. Ich weiß, daß ich zu wenig Kondition habe, aber meine Willenskraft ist dagegen viel größer. Auf einmal erblicken wir die ertsen freilebenden zwei Gämse in unserem Leben. Wir schauen sie ganz lang an (und sie uns auch). Ein bißchen weiter oben, unter einem Felsvorsprung liegt auf dem Gras ein großkörperiger Steinbock. Leider für meine Kamera zu weit, ich habe zu schwachen Zoom dazu. Mittlerweile kommen wir zu einem holprigen, ebenen Teil an, und nachher einen Berg umgehend steigen wir noch mehr weiter nach oben. Endlich stehen wir hier oben, auf dem Hohen Riffel, ca. 2236 m hoch, wenig unterhalb der Riffelspitzen. Wir gehen ganz auf den Rand des Felsenriffes und unter uns liegt Garmisch-Partenkirchen und der türkisfarbige Eibsee.

Auf dem unteren Bild habe ich unseren Weg vom oberen Ende des Höllentals bis zur Riffelscharte gezeichnet (das Bild habe ich später von der Alpspitze fotografiert):

Ein Stück vom Eibsee:
Auf dem Hohen Riffel, unten der Eibsee:





Nach paar Fotos und kurzer Pause gehen wir entlang der Felswand abwärts los. Hier ist endlich der Klettersteig, wonach wir uns gesehnt haben, was wir so gerne ausprobieren wollten. Steiles, aber nicht schweres Gelände, gute Übung für uns Anfänger. Und das Panorama ist doch fenomenal. Nach dem langen Klettersteigstück kommen wir zu einem Geröllhang an. Durch diesen führt ein endloser Weg. Ich hasse es so sehr, man kann kaum auf den Beinen bleiben, bei jedem Schritt rutscht das Geröll unter den Füßen, und manchmal wir selber mit. Ich falle auch zweimal auf den Arsch! :-)




Mir tut schon alles weh, ja wir sind schon seit 8 Stunden unterwegs. Zuerst gingen wir 1460 m Höhenunterschied aufwärts, und jetzt 600 m bis zum Riffelriß runter. Nach dem Geröllhang mündet sich der Weg in einen Latschenkieferwald und führt uns in eine ganz andere Richtung, wie es sein sollte. Ich habe irgendwie keine Kraft/Lust mehr bis zum Eibsee runterzumarschieren, jeder Schritt tut mir weh. Jedoch finden wir mit einem kleinen Umweg die Station Riffelriß der Zugspitzbahn. Es ist die Stelle, wo der Zug aus dem Magen des Berges rauskommt, und es ist sehr interessant, daß der Ausgang mit aufzugstürähnlichen riesigen Toren gesperrt ist. Die kleine Zahnradbahn kommt minutenpünktlich, wie es im Plan stand. Es ist der letzte Zug und wir schaffen es eben gerade. Die Klettersteigausrütung ist noch auf uns. Wir fallen auf die Sitze und ziehen die Ausrüstung aus und trinken eine ganze Thermoskanne Tee. Die Leute gucken uns an. Wir fahren damit bis nach Hammersbach und es kommt kein Mensch, der unsere Fahrkarten sehen will. Wir wissen nicht, was zu tun ist, da oben auf dem Berg es keine Möglichkeit Tickets zu kaufen gab. Wir dachten, es wird einen Schaffner geben, bei wem wir sie kaufen können. Letztendlich sind wir jetzt schwarz gefahren, wollten es aber wirklich nicht, aber als wir in Hammersbach aussteigen, kaufen wir bestimmt nicht nachträglich die Karten, die übrigens für uns zwei auf der Strecke 9,5 Euro gewesen wären. Mit schlechtem Gewissen gehen wir weg, wir glauben, wir hätten die Karten im Voraus kaufen sollen. Wir fallen tot erledigt ins Auto und in dem selben Moment beginnt es zu donnern und blitzen und wahnsinnig zu regnen. Wir kaufen in dem Laden gegenüber dem Campingplatz ein. Wir müssen leider im Zelt sitzen und hoffen, daß der Regen langsam aufhört. Aber der Wind ist so stark, er schlägt das Wasser bei den Lüftungsöffnungen rein, so rinnt langsam überall Wasser rein. Ich verstehe es nicht, da dieses Zelt schon auch schlimmeres überstanden hat. Sommergewitter hören meistens schnell auf, es wäre  unsere letzte Hoffnung, aber es sieht gar nicht so aus, als ob es aufhören wollte. Weil immer mehr Wasser reinläuft und wir können es gar nicht mehr stoppen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie soll ich hier schlafen. Wenn unsere Schlafsäcke auch naß werden, die trocknen sehr schwer und da wir morgen zur Unterkunft gehen würden, wo würden wir dort unsere nassen Sachen und das Zelt aufhängen? Rausgehen können wir nicht, vor dem Zelt ist schon ein Sumpf entstanden, wir sind aber hungrig und das Essen ist im Kopfferraum. Das Campinggas würden wir nicht wagen im Zelt anzuzünden, also alles ist sinnlos. Wir diskutieren ca. 1 Stunde lang darüber, wie es weiter gehen soll, und dann kommt die Entscheidung: wir fahren nach Hause! Als Möglichkeit fällt uns auch ein, was wäre, wenn wir zum schlafen heimfahren, und das Zelt hier lassen und morgen Vormittag kommen wir wieder und dann wird schon das Zelt trocken sein und dann räumen wir es zusammen? Aber was ist, wenn es morgen weiterregnet, dann hat es wieder keinen Sinn. Wir haben die Nacht im Camping schon bezahlt. Wir haben die Schnauze voll. Wir räumen (erstes Mal in unserem Leben) das Zelt im gießendem Regen zusammen. Natürlich wir selben werden auch bis zu Unterwäsche durchgenässt und die vielen nassen Sachen können wir nicht ordentlich einpacken, wir schmeißen nur alles ins Auto, wo noch Platz ist.  Es passt so kaum alles in den kleinen Corsa rein. Um 22 Uhr sind wir daheim, und hier sind von irgendeinem Regen keinerlei Spuren zu sehen! Ärgerlich! Wir hängen die nassen Sachen im Keller auf, räumen die Campingausrüstung weg und schlafen ganz bequem in unserem guten Bett.  :-)
(es geht weiter...)

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen.

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