Samstag, 29. Januar 2011

Teneriffa 2004/ Teil 2.

3. Tag, 25. Februar 2004. 

Das Programm des neuen Tages ist absolut wetterabhängig. Der Wettertest ergibt aber kein eindeutiges Ergebnis. Es ist warm, aber der Himmel ist bedeckt, manchmal guckt die Sonne heraus. Wir überlegen es uns sehr lang, was unser ideales heutiges Programm sein soll, bis wir uns endlich für den Loro Parque entscheiden.  Er ist ein gigantisch großer Tier- und Pflanzenpark, wo man einen ganzen Tag verbringen kann. Mich faszinieren hier (wie immer) mehr die Pflanzen als die Tiere, ich fühle mich wieder in einem riesigen botanischen Garten.  In diesem zwitterartigen Wetter ist der Loro Parque genau das ideale Programm, wenn es regnen würde, könnte man auch immer irgendwo reingehen...

Es ist schon nach 10 Uhr, als wir losgehen. Unten auf der Palmenpromenade kaufen wir die Tickets, die pro Person 20 Euro kosten. Dort steigen wir in die Bimmelbahn, die uns gratis zu dem Park liefert. Durch ein orientalisch wirkendes Tor treten wir in die Dschungelwelt ein. Beim Eingang kriegen wir eine Karte, auf der steht eine empfohlene Route. Verlaufen werden wir uns so nicht. Sofort nach dem Eingang liegt ein See mit goldenen Fischen, Koikarpfen und Flamingos und hinterher sieht man einen endlosen Palmenwald. Hier werden wir mit Papageien fotografiert und wenn wir später gehen, können wir das Foto kaufen. Der Pfad geht durch den Palmendschungel los. Am Anfang gibt es kaum was zu sehen, außer, daß ich in meinem Leben noch nie so viele Palmen auf einem Haufen gesehen habe. Bald gehen wir durch einen Tunnel in eine unterirdische Welt ein, wo ein wirklich märchenhaft echt wirkender Südpolargebietteil gestaltet ist. Hinter der Glasscheibe ist alles eisig, zwar schwimmen auch Eisschollen auf dem Wasser und unzählige Pinguine sind überall zu sehen. Wenn manche ins Wasser springen, dann können wir sie am besten direkt durch die Glasscheibe sehen, wie sie schwimmen und wenn sie Futter bekommen, wie sie sich über die Fische stürzen. Zwischendurch schneit künstlicher Schnee aus der Decke. Dann kommen wir zu einer riesigen Glasrolle, die mehrere Stockwerke hoch und gute paar Meter breit sein kann. In dieser schwimmen mehrere tausende silberne Fische rings herum, immer in einer Richtung. Es schaut super aus. 



Gleichwie wir von hier rauskommen, kommen wir zu dem Schauplatz der Robbenshow. Die Vorstellung ist sehr niveauvoll  und witzig. Nachher gehen wir bei Schimpansen vorbei und kommen gleich in einen dichten Dschungel an. Hier begleiten uns auf beiden Seiten des Pfades in großen Käfigen viele-viele verschiedene Papageisorten: kleine, große und alle haben andere Farben. Mich faszinieren hier weiterhin viel mehr die Pflanzen, als irgendwelche Tierarten, die in Käfigen sitzen müssen. Wir erreichen einen Teil, wo hausgroße Kakteen und Drachenbäume, dann Orchideen und besondere Palmenarten wachsen.


Wir können gar nicht alles anschauen, dafür reicht ein Tag nicht. So müssen wir auf einige Sachen verzichten.  Als nächstes gehen wir in ein Kino rein, wo ein erdgeschichtlicher Film von der Urzeit projeziert wird. Schließlich kommen wir zu dem Höhepunkt des Parkes an: zu dem Delfinbecken. Auf dem Weg zu dem Becken sehen wir weiße Tiger, die sich gerade sonnen. Auf die Delfinshow warten wir eine ganze Weile. Das Becken ist schön groß und hat unglaubliche azurblaue Farbe, es zieht mich so an, daß ich am liebsten sofort reinspringen würde und dann mit den Delfinen zusammenschwimmen würde. Die Sitzreihen sind wie in einem Theater angeordnet. Es ist der hochliegendste Punkt des Parkes, man kann von hier über die Palmen bis zum Ozean sehen. Papageien fliegen über die Palmen. Vier Delfine und zwei Trainer fangen die Show an. Ich genieße es (habe so was noch nie gesehen) aber ich finde es zu kurz. Nachher sehen wir nicht mehr vieles an, die Zeit ist unglaublich schnell weggeflogen und wir haben noch einen langen Spaziergang vor uns bis zum Eingang. Es ist schon 17 Uhr, als wir aus dem Park raustreten und entscheiden uns, zu Fuß zurückzugehen.



Nach einer Hausreihe folgt eine felsige, wilde Küste und dann der lange, breite schwarzsandige Playa Jardin. Ich verstehe sofort, warum er so heißt: "Garten", denn der hinter dem Strand liegende Teil ist so, wie ein Dschungel. Wahnsinnig üppig grün! Hier sehen wir mehrere große Hotelkomplexe mit riesigen Gärten. 


Wir spazieren entlang des Strandes in dem Sand, wir haben super Wetter, es wäre schön, jetzt hier zu baden, aber wir haben keine Badesachen dabei, und wahrscheinlich werden wir uns gar nicht zumuten ins Wasser zu gehen, da es sich hier ganz wild wellt. Andere Menschen hängen sich nur ihre Knöchel in den Ozean. Wir trollen uns weiter nach Hause, erst über die lange Steinmole von gestern, dann kaufen wir die Zutaten zu unserem Abendessen in dem Martianez-Laden ein. Schließlich schleppen wir uns erledigt über den Treppen auf unseren Berg auf. Heute haben wir eine größere Portion Garnelen und Sardinen gekauft. Wir bereiten alles ähnlich vor wie gestern, die Beilage ist nur Salat. Mit den Garnelen muß man lange rumwursteln, bis man sie aus ihren Panzern rauskriegt, aber die Arbeit lohnt sich, da sie göttlich lecker sind. Wir werden satt. Nur einen Nachteil gibt es, was nicht gerade angenehm ist: unser Mülleimer ist voll mit dem stinkenden Fischabfall  und das ganze Zimmer stinkt wahnsinnig davon. Wir müssen unseren Müll selber entfernen. :-) 

4. Tag, 26. Februar 2004

Die Nächte sind weiterhin sehr kalt. Ich verstehe es nicht, warum es keine Decke im Schrank gibt, in Griechenland gibt es immer, obwohl dort haben wir es noch nie gebraucht. Wir wollten schon bei der Rezeption welche bitten, aber irgendwie verschieben wir es immer auf später. So schlafe ich jede Nacht im Jogginganzug, aber ich friere mich so auch. Es gibt nur das Leinentuch und die Zierdecke. In der früh kratzt mein Hals. 

An dem dritten Morgen unseres Hierseins erwartet uns bewölkter Himmel. Es nieselt und ist auch ziemlich kühl. Es ist ein bißchen frustrierend. Wenn wir auch nicht baden wollen, aber zu den Ausflügen wäre auch besser ein bißchen Sonnenschein. Es ist schwierig zu entscheiden, was am besten zu machen in solchem Wetter ist. Schließlich entscheiden wir uns, daß wir mit dem örtlichen Bus nach dem nah gelegenen La Orotava fahren. Laut Reiseführer hält der Bus unten an der Küste an, wo die Palmenpromende sich endet. Es ist wirklich so und er kommt auch noch pünktlich. Das Tickert ist billig und wir fahren nicht mehr als 15 Minuten. La Orotava ist nicht klein, der Bus kommt in einen dreckigen Busbahnhof an. Wir haben zuerst absolut keine Ahnung, in welcher Richtung wir zu den Sehenswürdigkeiten los sollen. In dem dünnen Reiseführer gibt es keine extra Karte von dem Ort. Es fängt sofort an stark zu regnen. Prima! Wir flüchten unter meinem kleinen zusammenklappbaren Regenschirm zu einer Tankstelle in der Nähe. Dort kaufen wir solche Tenefiffa Landkarte, worauf auch die wichtigeren Städte mit dabei sind. Wir müssen hier zeitlang warten, bis der Regen aufhört. Dann gehen wir in die Altstadt, wo wunderschöne traditionell gebaute Häuser zu sehen sind. Manche haben den ganzen inneren Hof mit holzgeschnitzten Balkonen und Holztreppen voll und manche kann man als Museum besuchen. Unglaublich viel Arbeit mußte es sein, diese Balkongeländer so schön zu schnitzen und unter den Balkonen sind Kasetten, die auch einzeln mit unterschiedlichen Mustern ausgearbeitet sind. Überwältigend! Dazu kommt noch als Plus die tropische Vegetation dieser Innenhöfe. Das Gesamtbild ist sehr fesselnd. 




Wir spazieren zum kleinen städtischen botanischen Garten. Hier steht ein ganz alter, riesiger Drachenbaum, und total große Bananenpflanzen. Von denen hängen als Lüster über den Pfad die komischen und großen Bananenblüten runter. Wir sehen viele Strelizien, die mir sehr gefallen und deren Stammort ist Südafrika. Es fängt leider wieder zu regnen an. Alles ist total grau, zu fotografieren lohnt es sich gar nicht mehr, und es tut mir so weh, weil ich dann zu Hause auch keine schöne Erinnerungen von hier haben werde. 
Schließlich bin ich doch froh, daß wir trotz des schlechten Wetters den Vormittag sinnvoll ausnützen konnten.  Jede hier verbrachte Minute ist uns ein Schatz und wir wollen sie nicht verbummeln. Nach ca. 2 Stunden Aufenthalt in La Orotava fahren wir mit dem öffentlichen Bus zurück nach Puerto de la Cruz. Der Bus hält nicht dort an, wo es uns günstig wäre, sondern fährt zu seiner Endstation, zu dem großen Busbahnhof. Der liegt schon eher in der Richtung des Playa Jardins in einer Tiefgarage. Es ist sehr weit von unserem Hotel, wir müssen lang nach Hause spazieren. Der Regen hört auf. 
Wir essen eine Kleinigkeit zu Mittag und überlegen uns, was wir noch mit dem Tag anfangen könnten und wir gehen wieder auf der Küste zur Bushaltestelle runter und steigen in einen Bus, welcher die Besucher zu der Bananarea el Guanche genannten Bananenplantage gratis hinfährt. Den Eintritt finden wir hier etwas zu viel:  14 Euro/Person. Dieser Park erinnert uns auch eher an einen botanischen Garten, als an eine Bananenplantage, da man hier alles sehen kann, nur eben kaum Bananen. Wir laufen auf dem Pfad in dem ganzen Garten herum. Es hat einen großen Kakteengarten, hat extra einen Teil für Orangen, Strelizien, Palmen und Bananen.  Die wundervollen Pflanzen gefallen uns sehr gut.




Zum Schluß setzen wir uns in ein "Freilichtkino", wo wir in einem Fernseher einen Film von dem Bananenanbau anschauen können. Nachher kommen wir zu einer Souvenierbude, wo man alles kaufen kann, wie zum Beispiel Keramiken, Bananenlikör etc.. Wir können den Bananenlikör ausprobieren. Wir gehen ein bißchen enttäuscht von hier weg, da wir gedacht haben, wir kommen zu einer richtigen Bananenplantage, wo wir dann in dem "Bananendschungel" rumspaziert wären während über unseren Köpfen mächtige Bananensträuße hängen würden. Dafür, was wir hier gesehen haben, war der Eintritt zu viel. Der Bus fährt uns dorthin zurück, wo wir eingestiegen sind. 

Nachher gehen wir noch spazieren, heute aber nicht runter zu der Küste, sondern bergauf, in Richtung des  Botanischen Gartens. Später kaufen wir dort oben in dem großen Laden (Hypertrebol) ein. Hier gibt es auch Fischtheke, nur kleiner, als in dem anderen Laden. Wir essen zu Abend und denken nach dem morgigen Programm nach. Am Abend gehen wir zu dem am nahesten liegenden Autovermieter (Orcar beim Hotel Casablanca) und mieten sofort einen kleinen Wagen (Fiat Punto, welcher fast auseinander fällt) für drei Tage (tgl. 20 Euro). Die Angestellte ist sehr korrekt, schreibt alles genau auf. Prinzipiell dürften wir das Auto erst morgen früh mitnehmen, für die drei ganzen Tagen, aber das Büro öffnet erst nur um 8:30 Uhr, und wir möchten in dieser Uhrzeit schon unterwegs sein. Auf diese Erklärung gibt sie es uns einfach schon heute Abend. Wir fahren eine Proberunde, das Auto passt. Wir warten sehr aufgeregt auf den morgigen Tag.

5. Tag, 27. Februar 2004

Wir stehen früh auf, aber zu früh lohnt es sich nicht, da es Winter ist und es wird ziemlich spät hell und der Morgendunst löst sich sehr spät auf. Wir fahren um 8 Uhr entlang der Nordküste los. Es ist heute ausgesprochen kalt. Zuerst halten wir bei dem Aussichtspunkt Mirador de San Pedro an. Von hier kann man auf die große Bananenplantage runterblicken, welche zwischen der Straße und der Küste liegt. Nah zu der Küste stehen zwischen den Bananen Finkas (Grundstücke mit großen Häusern), deren schneeweiße Häuser mit ihren roten Ziegeldächern sich zwischen Palmen verstecken. Alles ist üppig grün, nicht nur die ebenen Teile, sondern auch die ganz steilen Felsen. In der Mitte der Bananenplantage ragt ein mächtiger Drachenbaum Richtung Himmel auf. Der Himmel ist wieder grau und bewölkt, wir werden heute auch keinen schönen Tag haben. Manchmal sehen wir von der Straße aus ganz kurz den schneebedeckten Gipfel des Teides. Interessant, daß er von hier eine ganz andere, dickere, rundere, flachere Halbkugelform hat, als von Puerto de la Cruz sehend.   


Bald kommen wir in Icod de Los Vinos an. Wie sein Name es erahnen lässt, hat diese Stadt was mit Wein zu tun. Diese Umgebung ist nämlich ein Weinanbaugebiet. In Icod gibt es mehrere Sachen anzuschauen, aber wir haben hier kein Glück. Zuerst haben wir ein Problem einen Parkplatz zu finden, es sind sehr enge und steile Gassen, alles vollgeparkt. Wir finden letztendlich ganz außerhalb, in dem Richtung Teide liegenden Viertel der Stadt einen Platz und spazieren zurück. Die Hauptattraktion von Icod ist der "1000 Jahre alte" Drachenbaum. Dessen Alter weiß wahrscheinlich niemand genau, aber Tausend klingt halt so gut. :D Wir sehen hier ganz viele Häuser mit Holzbalkonen. Gefällt uns hier gut. Endlich kommen wir wieder ins Zentrum, wo wir "den alten Drachen", den Drago Milenario sehen können. Er ist wirklich groß und interessant. Er steht in einem üppig grünen Garten, hat einen kräftigen Stamm und große dichte Krone.  Ein echtes Monstrum.


Der Garten, wo der Baum steht ist jetzt geschlossen, wir können zu dem Baum nicht näher. Auf dem Hauptplatz steht die schöne San Arcos Kirche und in der Mitte des Platzes ein riesiger Fikusbaum mit Luftwurzeln (so wie im bot. Garten in Puerto). Der Platz ist mit schönen Häusern umgeben. Wir könnten hier längere Zeit auch verbringen, aber es bläst starker kalter Wind und wir haben keine Lust mehr. Ah ja, das Schmetterlingshaus wäre auch noch hier, was uns auch sehr interessiert, aber den Entritt für 7 Euro finden wir zu viel und gehen nicht rein. Wir fahren weiter. 


Unsere nächste Station ist Garachico. Es ist ein Dorf an der Ozeanküste, wo die aus den Bergen runterlaufende Lava durch das Dorf in den Ozean gelaufen ist, und erschöpfte so interessante Naturlavabecken. Die schauen wir lange an. Hier wurde ein bißchen künstlich nachgeholfen und wurde ein Beckensystem mit Leitern und Brücken ausgebildet, wo man baden kann. In den Becken ist das durch Wellen aus dem Ozean reingebrachte Salzwasser, das kristallklar und eiskalt ist. Hier badet heute kein Mensch. Ich möchte sie gerne ausprobieren, aber es ist einfach zu kalt dazu. Im Sommer ist hier dieser Strand bestimmt ganz voll. Ich entschließe mich, wenn wir nochmal kommen, dann will ich hier unbedingt baden. Wir sehen in den Becken viele bunte kleine Fische. Sonst finde ich Grachico nicht zu interessant. Wir schauen in einen Laden ein wo man hunderte Gerümpel kaufen kann. Wir kaufen nichts, fahren wieder weiter. Nach Garachico kommt eine Abzweigung, wir fahren an der Küste entlang weiter.  

Das nächste Dorf ist Los Silos. Wir halten hier auch an und machen einen ganz kurzen Spaziergang um seinen Dorfplatz, den mächtige "Brokklibäume" zieren (da ich es nie erfahren habe, wie diese Bäume wirklich heißen, bleiben sie für uns immer nur noch "Brokkolibäume". Wären sie vielleicht die Loorbeerbäume?). Ab hier fängt eine Serpentinstraße an, welche sich ins Teno-Gebirge hochschlängelt. Wir fahren durch eine atemberaubende Landschaft. Alles ist unglaublich grün, die Felswände der Berge auch!  Zurückblickend sehen wir eine seltsame Formation in dem hinter uns liegenden Tal, es schaut so aus, als wenn  es ein Fußabdruck eines Dinosauriers wäre. :-) Kurz darauf, nach einer Kurve erschließt sich ein neuer Anblick vor uns.  Die Ebene kann man nicht mehr sehen, wir sind zwischen senkrechten Felswänden, und ich  kann mich nicht oft genug wundern: neben der schlängelnden Straße wachsen wild überall riesige Kakteen (es kann man schon als Kakteenwald bezeichnen) und Orangenbäume und Palmen. Auf einer Strecke führt die Straße durch einen echten Palmenwald. Hier halten wir auch an, ich muß es mir anschauen, ich schwärme nur, ich sage pausenlos, so was gibt es gar nicht, daß es die Wirklichkeit ist, es ist wundervoll. Ich bin so aufgeregt,  ich kann diese vielen Eindrücke gar nicht so schnell verarbeiten. Es sind die kanarischen Palmen. 
Diese Sorte gibt's nur auf den Inseln.  Sie schauen so aus, wie die Dattelpalmen, nur sie haben eben viel mehr Blätter, ihre Kronen sind so sehr dicht und die gelben Datteln hängen auf denen in riesigen Sträußen. Die Straße selbst gefällt mir auch sehr, weil der Straßenrand nicht die übliche Leitplanke ist, sondern reihen sich von schneeweißem Stein gemachten kleine Basteien ewig aneinander. Es ist total stimmungsvoll und von weitem sieht es so aus, wie eine kleine Chinesische Mauer. 



Wir sind schon vor dem berühmten Dorf, Masca, als wir wieder anhalten, weil hier eine noch dichtere Palmenoase neben der Straße ist, ein echter dichter Palmenwald, welchen ich bis jetzt nur in Filmen gesehen habe. Masca ist ein sehr kleines Dörfchen, es besteht nur aus paar Häusern und ist auch mit vielen Palmen umgeben. Wir halten hier nicht an. Hier beginnt die Macsa-Schlucht, eine wildromantische Klamm, wodurch man bis zur Ozeanküste runtergehen kann. Ich fühle sehr große Motivation, daß ich durch diese Schlucht durchwandern sollte, aber es dauert hin und zurück gute 6 Stunden, so kommt es jetzt gar nicht in Frage, aber es kann natürlich ein sicherer Anlass sein, daß ich später es sagen kann, ich muß auf diese Insel zurück, da ich noch in der Masca-Schlucht nicht war. ;-) Man kann über diese grünen Berge auch durch die graue Masse  durchsehen und zeichnen sich die Konturen der Nachbarinsel La Gomera in dem Nebel ab. Ich würde gerne auch dorthin mal ein bißchen rüberspringen. Es gibt auch Schiffsausflüge. Wieder ein Grund, auf die Insel noch einmal zurückzukehren.  

La Gomera erblickend habe ich jetzt in Gedanken jede einzelne Kanarische Insel eingeflogen. Die Sehnsucht hat mich sofort erwischt, ich möchte alle sehen. Ich entschließe mich hier in diesem Moment, wir werden alle nach einander bereisen. Mittlerweile führt die Straße durch Santiago del Teide schon auf den südlichen Teil der Insel. Bald gelangen wir an die Küste, zuerst bei Puerto de Santiago. Diese Stadt ist mir sehr abstossend. Häßlicher Baustil, die Häuser stehen stufenartig im Hang, die ganze Stadt schaut so aus, als wenn von der Küste aufwärts die Häusermassen selber riesen Stufen wären. Es wirkt so künstlich, so häßlich. In dem großen, künstlich herausgebildeten Hafen ankern hunderte Yachten. 



Es ist bestimmt die Zone der Reichen, aber es hat an sich keinen Charme, nichts bestechendes. Hier kann man ein Stück aus der Los Gigantes genannten Felsenwand sehen. Ab hier sind südlich die Urlaubsortschaften fast zusammengewachsen. Wir spüren die Grenze zwischen Playa de las Americas und Los Christianos nicht. Irgendwo zwischen diesen zwei gönnen wir uns auf dem schwarzsandigen Strand eine Stunde Erholung. Der Strand ist überhaupt nicht schön und er ist überfüllt. Das Wasser wird langsam tiefer, aber die Wellen haben es aufgewühlt und so schaut es aus, wie ein undurchsichtiges, schwarzes Abwaschwasser und es ist eiskalt, ich schätze, es kann nicht wärmer als ca. 16 Grad sein. Der Strand wird nicht mein Liebling, aber ich mußte  ihn unbedingt ausprobieren, erstmal im Leben im Ozean zu baden. Der Himmel wir immer schwärzer, und in der Ferne zucken Blitze am Himmel auf. Wir müssen uns auf den Heimweg machen. Jetzt sind wir an dem weitesten Punkt der Insel von Puerto de la Cruz. Auf der südlichen Autobahn schaffen wir die Heimfahrt in einer guten Stunde. Am Abend spazieren wir noch im Puerto und ich flehe, daß wir morgen nicht so schlechtes Wetter kriegen.

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

Donnerstag, 27. Januar 2011

Teneriffa 2004/ Teil 1.

Teneriffa: Februar 23. Februar - 3. März 2004.

Ganz plötzlich kam die Idee im Januar 2004, wie gut es wäre, ein bißchen aus dem Winter in den Sommer wegzufahren. Aber nicht zu weit weg, und nicht zu teuer. In diesem Zusammenhang kommen nur die Kanarischen Inseln in die Frage. Für drei Inseln hatte ich richtiges Interesse. Gran Canaria und Lanzarote wären für mich ein bißchen öde, ich sehnte mich nach Grüneren. M. war schon auf Gran Canaria und Lanzarote, er wollte auch schon was Neues entdecken. Wir überlegten es nicht zu lang, eine Woche später reservierten wir schon die Reise für Ende Februar. Ehrlich wäre März uns lieber gewesen, aber so passte es auch mit der Karnevalszeit. Es war sehr schwierig dort irgendwelche Unterkunft mit Selbstversorgung zu finden, die Kataloge baten alles mit HP oder AI an. Noch vor der Buchung habe ich mich schon nach den Sehenswerten der Insel gut erkundigt. Dort spürt man einen deutlichen Unterschied im Wetter und in der Vegetation zwischen der Nord- und Südküste. Die trockene, wüstenhafte Südküste ist ein Touristenparadies, mit prunkvollen Hotels und künstlichen Städten, die mir nicht mal ein bißchen gefielen. Da ich wußte, daß wir in diesem Urlaub nicht unbedingt am Strand sein möchten, entschieden wir uns, ohne große Sperenzien zu machen, für die Großstadt, der kühleren und regnerischen Nordseite, Puerto de la Cruz. 
Ich verbrachte die vor der Reise stehenden anderthalb Monaten in großer Aufregung. Es wird die erste Reise meines Lebens, wo ich über die geographischen Grenzen Europas fliege. Und wie wird es sein vom Winter in den Sommer zu fliegen? Wie vertrage ich den 5-stündigen Flug? Es passierte alles so schnell, ich konnte es kaum glauben, daß wir bald auf Teneriffa dürfen. 
Ich hatte einen großen Wunsch im Bezug auf die Reise, und zwar das, daß an dem Abflugtag hier in München ungeheueres schlechtes Wetter sein sollte, so richtiger zähneknirschender Winter, damit ich diesen Jahreszeitwechsel wirkungsvoll erleben könnte. Man würde denken, ich wäre bescheuert mit diesem Wunsch. Viele Hoffnung gab es aber nicht, daß wir in einem richtigen winterlichen Wetter wegfliegen, weil davor wochenlang nur mildes Wetter war. Na ja, wenn es nicht klappt, klappt es bestimmt heimwärts. Ich war mit ständigen Ängsten voll, daß das Wetter auf Teneriffa im Februar nicht so gut sein könnte.
 
Wir schreiben den 23. Februar 2004. Wir stehen um 5:00 auf, um 8:30 startet unsere Maschiene. Wir packen noch paar Kleinigkeiten zusammen, ich mache Sandwiches und gucke durch das Fenster raus. Ich glaube, ich habe mich noch nie im Leben so sehr über einen Schneefall gefreut, wie in dieser Früh: der Schnee schüttet stürmisch. Hurra, es wird doch eine „ausm Winter in den Sommer” Reise. Um halb 7 kommt M's Bruder uns abzuholen, er bringt uns an den Flughafen, aber ich schaue langsam diesen Schneesturm nicht mehr mit Freude sondern mit großen Sorgen an. Auf der Autobahn spüren wir die Kraft der starken Schneeverwehungen, so ist schwierig zu fahren. Wir kommen gut zum Flughafen an. Ich bin das aller erste Mal hier, auf dem riesigen Franz-Josef Strauß Flughafen von München. Gut, daß M. sich in dieser Flughafenmetropole so gut auskennt. Es wird die erste gemeinsame Flugreise unserer Beziehung, und der längste Flug meines bisherigen Lebens. Ich bin voll mit Spannung. Ich finde die Sitution lustig: ein junges Paar trottet, in Daunenjacke, mit Schal um den Hals, mit Rucksäcken und Isomatte unter der Achsel auf den Fluren des endlosen Terminals. Alles geht so schnell ab…zunächst. 
Wir sitzen schon drin in dem Magen des großen Vogels, aber um 8:30 passiert gar nichts. Nur die Zeit vergeht, bis endlich nach einer halben Stunde der Käpiten ankündigt, daß die Maschiene mit den aus Düsseldorf ankommenden Passagieren vor lauter Schnee nicht landen kann, wir müssen auf sie warten, weil sie zu uns umsteigen. Es wird Musik gespielt und die Zeit vergeht langsam. Nach anderthalb Stunden kommen unsere Düsseldorfer Mitflieger an. Wir sind erleichtert, daß wir nicht mehr warten müssen und ich warte darauf, daß die Maschiene aus ihrer Parkposition herausgeschoben wird. Weiterhin passiert nichts. Nach kurzer Zeit meldet der Pilot, daß wir noch warten müssen, solang, bis die Startbahn von dem Schnee vollständig geräumt wird, und da andere Maschienen auch auf den Start warten, müssen wir auch abwarten, bis wir die Starterlaubniss bekommen. 
Kurz darauf kündigt der Kapitän wieder an, daß wir die Erlaubniss zum Starten bekommen haben, die Fluggäste klatschen, die Maschiene wird jetzt herausgeschoben…aber sie bewegt sich gar nicht.  Die Räder sind im Schnee stecken geblieben, es wird jetzt erst angefangen sie auszuschaufeln. Es dauert wieder eine Weile, aber schließlich, nach 3-stündiger Gefangenschaft in dem Flugzeugbauch, werden wir herausgeschoben. Na, dann kommt noch das Enteisen. Die ganze Maschine wird mit einer pinkfarbigen Lösung abgeduscht, die die Fenster so dick bedeckt, daß ich während des ganzen Fluges kaum raussehen kann. Ich sitzte am Fenster und hasse sehr diese rosa Brühe. Nun irgendwann mittags gelingt es uns zu starten. Meine Stimmung ist auf dem Nullpunkt, da wir so gegen 14 Uhr schon auf Teneriffa gewesen wären, statt dessen wird es schon Abend und damit ist unser erster Tag schon versäumt, ist für nichts verschwendet. Aber ich habe mir diesen vielen Schnee gewünscht, habe ich auch bekommen, also dürfte ich keinerlei Wort darüber schimpfen. Der Flug ist angenehm, man kann Fernseh schauen, jedoch ohne Ton (Kopfhörer muß man extra kaufen). Die Zeit vergeht ungeheuer langsam. Mein Fenster wird erst klarer als wir schon über dem Atlantik fliegen, so sehe ich unter mir nur endlose Bläue.

Teneriffa hat zwei Flughäfen. Wir landen auf dem südlichen, obwohl der nördliche näher zu unserer Unterkunft wäre, aber angeblich der empfängt der nur Inlandsflüge. Während dem Sinkflug sehe ich von der Insel gar nichts, mein Fenster sieht auf den Ozean. Als wir aus der Maschiene aussteigen, warme, dunstige Luft kommt uns entgegen, der Himmel ist grau, bewölkt. Der Ablauf des Aussteigens, Passkontrolle, Gepäckausgabe verzögert sich so lang. Die Uhr muß mit einer Stunde zurückgestellt werden, so haben wir wenigsten doch eine Stunde von dem Tag gespart. Bis wir aus dem Flughafengebäude heraustreten, ist schon später als 18 Uhr. Vom Wetter spüre ich überhaupt nicht, daß hier sommerlich wäre, ein Digitalanzeiger zeigt 17 Grad an.  


Allerdings ist hier viel wärmer als in meinem geliebten Bayern. Wir gehen schnell rüber zu dem parkähnlichen, mit Palmen und tropischen Pflanzen eingerichteten Teil, wo die Busse stehen, erst paar Fotos zu machen. Mir bleibt dieses Foto nicht gerade alltäglich in Erinnerung: auf dem Gepäckwagen liegen die Koffer, oben darauf die dicken Winterjacken und die Isomatten, im Hintergrund aber Palmen. Wir haben Zeit genug, dieses Bild in uns tief einzusaugen und uns an diese Gedanken zu gewöhnen: ja, glaub es, du bist hier, in dem Sommer! Aber ich hoffe, daß hier „dieser Sommer” noch wärmer wird. Es dauert noch lang, bis alle Touristen vom Flugahafen rauskommen und die Reiseleitung uns laut Unterkünften in die verschiedenen Busse verteilt. 

Endlich fahren wir zu unserem letzten Ziel. Wir fahren auf der südlichen Autobahn Richtung Santa Cruz, ich sitze links neben dem Fenster. Wir reden nicht viel, ich glotze nur, und ich bin sehr aufgeregt. Ich habe den Eindruck, die anderen Leute wären schon paarmal hier gewesen, die starren mich an, wenn ich mal laut meine Freude zeige, denen soll es alles wahrscheinlich schon langweilig sein. 
Also rechts sind manchmal Bananenplantagen und der Ozean, und neben mir links eine geheimnisvolle Mondlandschaft. Mal rotes, mal beigefarbiges, mal weißes oder sandfarbiges Vulkangestein, rote oder schwarze versteinerte Lava – welche irgendwie während ihrer Versteifung Luft in sich geschlossen hat, und wo das Gestein von Erosion Löcher bekommen hat, dort klaffen riesige, höhlenmäßige Grotten – schmücken diese interessante Landschaft. Pflanzen gibt hier kaum zu sehen, wenn doch, nur Kakteen, kleinere stachelige Büsche. Diese Landschaft würde ich nicht als was Schönes bezeichnen, aber als überaus Interessant. Kurz vor der Hauptstadt, Santa Cruz de Tenerife, nimmt die Straße eine Linkskurve und die Landschaft verändert sich innerhalb Sekunden. Als wenn zwei Filme falsch zusammengeschnitten würden, mit unglaublicher Schnelligkeit fallen die grünen tropischen Pflanzen in unsere Augen, alles ist grün und mit üppiger Vegetation eingewachsen. Ich bin total aufgeregt, meine Augen suchen stets den Teide, aber die graue Wolken lassen mir ihn nicht erblicken. Langsam kann ich es nicht mehr glauben, daß dieser Vulkan so mächtig wäre, sonst müßte ich ihn doch schon sehen.  

Nun kommen wir in Puerto de la Cuz an. Die Leute steigen nacheinander aus dem Bus, wir sind fast die Letzten. Unsere Unterkunft (Carabellla) schaut von Außen sehr gemütlich aus, aber Innen…weiß ich gar nicht, wie ich sie beschreiben sollte. So fange ich damit lieber von Außen an. Schneeweißes, 4-stöckiges Gebäude, die holzgeschnitzen Balkone sind auf grün gestrichen. Der Eingang ist von einer Glasdecke überdacht, welche sich weit über dem Garten und Rattansessel ausdehnt. Die Rezeption und ihre Umgebung lässt uns noch nicht vermuten, wie unser billiges, kleines Zimmer aussehen wird. 
Nach dem Einchecken gehen wir gleich los unser Zimmer zu suchen. Es ist im Erdgeschoß, man muß es von außerhalb, von der Gartenseite betreten. Die Einrichtung ist das Übliche: längliches, schmales Zimmer mit zwei Betten und einem Tisch. In der Diele ist die kleine Küche, von dort öffnet sich das Bad. Die Betten schauen entsetzlich aus, sie scheinen uralt zu sein, und der Bezug ist so häßlich. Der in der Ecke stehende kunstlederne Sessel macht auch das Gefühl, als ob er von einer hierörtlichen Sperrmüllsammlung gerettet wäre. Dagegen ist das Bad der Gipfelpunkt der Unterkunft, mit großer Wanne, schönen Fließen und um das Waschbecken mit breiter Kunstmarmorplatte. Der Balkon? Ehrlich kriege ich dort den ersten Schock. Die große Glasschiebetür lässt sich nicht zumachen, so steht sie tags und nachts einen Spalt breit offen, und der Balkon selber ist ein kleines, tiefes Loch, unter der Bodenoberfläche des inneren Hofes. Also von dem Hof aus, haben wir ein Tiefparterre-Zimmer. Von dort führen paar Betonstufen in den Hof, wo ein mini Pool und Sonnenliegen (welche fast auseinander fallen) und ein Billiardtisch sich befinden. Wir haben auch einen kleinen Fernseher.  


Wir fackeln nicht lange, wir packen aus und wir brechen auf, das schon abendliche Puerto de la Cruz zu entdecken. Wir machen einen großen Spaziergang. Unser Hotel steht auf einem Hang, runter bis zum Ozean müssen wir durch arg steile Straßen und über hunderte von Treppen absteigen. Aber es stört uns nicht mal ein bißchen, weil unser Hotel wirklich in sehr schöner Umgebung liegt. Unten empfängt uns eine mit vielen Palmen geschmückte Küstenpromenade. Dort entdecke ich gleich den Badekomplex Lago de Martianez, aber ich sehe es so, als wenn kein Wasser in den Becken wäre. Darüber erzähle ich noch später. 
Wir spazieren durch diese Promenade, und dann durch stimmungsvolle schmale Gäßchen, wo uns das Flair des Karnevals berührt: die Straßen sind mit aus Glühbirnenreihen zusammengebastelten Figuren überspannt. Wir erblicken den ersten Drachenbaum. Er ist eine Art von Yucca-Palme, die angeblich nur auf den Kanaren einheimisch sind. Am Anfang der Treppen, die zu unserem Hotel führen, befindet sich ein großer Platz, wo das Martianez-Einkaufzentrum steht. Hier kaufen wir uns Lebensmittel und Getränke ein, und bis wir fertig sind, fängt es zu regnen an. Wir rennen mit den schweren Tüten von dem Regen flüchtend auf den Berg hinauf. Aber die Rennerei ist nutzlos, wir werden so auch pitsch naß und mir wird auch noch übel, so stark keuche ich.   
Ich wünsche mir in der kalten Nacht – wo ich mit dem dünnen Bettlaken und mit der häßlichen Zierdecke (Wolldecke gibt es nicht) mich zudecke – es soll morgen, wenn ich aufstehe wunderschönes Wetter sein. Erst glaube ich, wäre es genug in dem langarmigen Pyjama zu schlafen, aber später ziehe ich auch noch meinen Jogginganzug an und ziehe die Kapuze über meinen Kopf. Ich zittere von der Kälte die ganze Nacht. Es gibt einen Heizkörper, aber davon etwas Wärme zu bekommen, ist sowieso hoffnungslos.  

2. Tag, 24. Februar 2004

Ich hatte es nicht vor, zu früh aufzustehen, doch weckt mich der Ton der zusammenschlagenden Billiardkugeln. Über unserem „Tiefbalkon” spielen Jungen, sie selber sind auch nicht leiser, als die Kugeln. So stehe ich denn auf. Ich muß gleich rausgehen, ich muß es wissen, wie es mit dem Wetter ausschaut. Der Himmel ist blau, nur Quellwolken schwimmen darauf. Ich ziehe mich an und gehe wieder heraus, ich gehe über die paar Treppenstufen in den Hof herauf und es sticht der schneebedeckte Teide hervor. 


Versteift starre ich ihn an. Er ist nicht richtig weiß, sondern glänzt in dem Morgensonnenschein silberig, er lässt nur seinen Gipfel sehen, weil sein mächtiger Körper von einem grünen Hang verborgen wird. Der Hang, welcher von einem uralten riesigen Vulkan übriggeblieben ist, ist unbeschreibbar grün und es scheint so zu sein, als ob er mit einer scharfen Rasierklinge skalpiert wäre. Über seiner perfekten geradeaus Linie erhebt sich die schneebedeckte Gottheit: der Pico del Teide, der 3718 m hohe, seit langer Zeit schlafende Vulkan. Ich habe ihn schon auf zahlreichen Bildern gesehen, aber war auf keinem so weiß. Ich kann es gar nicht verfassen, die Verblüfftheit, den Taumel, worin eingesunken ich dort stehe und ich ihn verblüfft ca. 2 Minuten lang anstarre. Dann renne ich herein, wecke M. auf, und renne wieder mit dem Fotoapparat raus. M. steht immer schwierig auf, bei ihm geht es nicht so schnell. Er versteht es gar nicht, worüber ich mich so aufregen kann, ich hole ihn schlaftrunken, in einer Unterhose „auf den Hof” heraus (in normalen Verhältnisse sagt man, man geht in den Hof runter oder raus – denn in unserem Fall liegt der Hof gegen unser Zimmer oben) und bleibt auch mit aufgesperrtem Mund stehen. 
Der göttliche Berg ist ausgekrochen, der sich gestern gar nicht zeigen wollte, daß wir fast schon gedacht haben, daß er gar nicht exsistiert. Jetzt aber steht er dort mit geschwollener Brust, da er der Herr der Insel ist, er sieht in alle Winkel der Insel rein, wirft seinen achtsamen Blick auf uns. Ich glaube an keinerlei Gott, für mich existiert nur ein Gott und er wäre die Natur, deren mächtige vernichtende und bauende Kraft. Und ich kann jetzt auf dieser Insel 9 Tage lang die Gesellschaft dieser Gottheit genießen. Er ist so achtunggebietend, ist aber nur ein Berg, welcher dort oben thront, sich zwischen die Wolken räkelnd, in der Tiefe seines Magens siedet heute auch noch Magma. Ich habe das Gefühl während des ganzen Urlaubes, daß jemand uns beobachtet, jemand liest zwischen unseren Gadanken, und wenn wir nur ein enziges falsches Wort über sein göttliches Wesen uns sagen trauen, dann können wir was erleben, er könnte Feuerwolken und heiße Steinbomben auf uns werfen, wenn er gerade dazu Lust hätte. So bleibt nichts anderes, wir verehren ihn. Zwar würden wir ihm vielleicht auch noch ein Opfer bringen – wie es die tenerifischen Urbewohner getan haben – nur sollte er zu uns lieb bleiben. Ich weiß es so, der Teide ist ein inaktiver Vulkan, doch fühlt man in seiner Nähe, daß er jederzeit wieder ausbrechen könnte. 

Während des Frühstücks kommen wir darauf, daß wir gar nicht böse sind, daß wir so aufgeweckt worden sind, weil halbe Stunde später draußen sowieso gebohrt und gehämmert wird. Auf der Eingangsseite stehen Gerüste, dort wird gerade irgendwas an dem Haus renoviert. Die Arbeit beginnt jeden Tag früh, so können wir hier mit langem Schalf nicht rechnen. Wir haben beschlossen, daß wir den Tag mit einem Spaziergang anfangen. Gestern Abend in der Dunkelheit konnten wir die Stadt nicht so richtig entdecken. Wir machen uns auf den selben Weg, wie am vorherigen Abend. Aus dem Hotel kommend steht auf der rechten Seite die lange schneeweise Mauer des Hotels, dicht bewachsen mit alpenveilchen-farbigen Bouganvilleas. Als wir über die Straße blicken, sehen wir überall weiße Gebäude mit geschnitzten Holzbalkonen, mit roten Dächern, und zwischen den Häusern ragen schlanke Palmen in Richtung des blauen Himmels. Ganz weit unten, vielleicht einen Kilometer weit von uns sieht man den dunkelblauen Ozean. In dem blendenden Sonnenschein wirkt alles so scharf, berauscht mich der Anblick. Wir verstecken noch unsere schneeweißen Körper vor den Sonnenstrahlen, nicht daß wir gleich verbrennen. In der langärmigen Jacke ist trotzdem nicht so warm, ich kann es gerade vertragen, die Hitze ist nicht so strark, wie ich gerechnet habe. Auf jeden Fall ist es sehr merkwürdiges Gefühl hier barfüßig, in dünnen Klamotten zu spazieren, wogegen wir gestern noch in dicken Winterjacken eingewickelt, vor dem Schneestrurm ins Terminal geflüchtet sind. Unterhalb der Treppen ist der Platz mit dem Einkaufzentrum und der Palmenpromenade. Dann gehen wir zu der Küste, woher man weit entlag der nördlichen Steilküste sehen kann. Hier liegt ein kleinerer schwarzsandiger Strand, wo riesige, schäumende Wellen gegen die Küste prallen. Hier ist unmöglich zu baden, im Wasser stehen große Steine und Felsen, ich kann es mir gar nicht vorstellen, daß es hier jemand schaffen könnte, ohne irgendeine Verletzung ins Wasser zu kommen. Während unserer Erkundungsfahrt verwerfen wir diesen Strand als potenziale Bademöglichkeit. Dann gehen wir auf der Küstenpromenade weiter. Diese ist eine breite, gepflasterte, mit großen Plamen geschmückte Straße nur für Spaziergänger, links sind Bars, Restaurants, rechts der Lago Martianez. 


Dessen Erschöpfer, Cesar Manrique, Bildhauer und Architekt ist auf Lanzarote geboren. Seine Kunstwerke sind fast auf jeder Kanarischen Insel zu entdecken. Sein Grundprinzip war, daß man so bauen müßte, daß dabei der Lebensraum der Natur und des Mensches mit einander in Harmonie stehen soll. Er hat das Terminal des Flugahfens von Lanzarote geplant und noch zahlreiche Sachen: Aussichtspünkte, Badeanlagen, Heimatsmuseen, Kakteenparks, Festungen, Bildergalerien…usw. Also Manrique hat auch diesen Luxuskomplex für die Urlauber geplant. Zwischen den riesigen, als natürlichen Lagunen wirkenden, mit Meereswasser gefüllten Badebecken bilden tropische Pflanzen, grüne Inseln, Holzbrücken und Restaurants den Park. Wegen der Felsen und der Brandung ist der Küste von Puerto de la Cruz fast ungeeignet zum Baden, aber der Martianez Strand ist sehr beliebt. 

Von der Promenade kann ich in die Anlage reingucken, aber traurig und verzweifelt erkenne ich, daß in dem Becken, welche einen weißsandigen, tropischen Strand nachbildet, statt Wasser nur Bagger drin stehen. Der Gedanke macht mich völlig fertig, daß wir in der Stadt nirgends baden können werden und ich werde keine wunderbare, exotischen Fotos in der Anlage machen, wenn es gerade renoviert wird. Sonst ist es absolut typisch auf unseren Reisen, daß wo wir gerade sind, dort meistens genau die Hauptattraktion des Ortes renoviert wird und dadurch können wir sie auch nicht anschauen.  


Hier sehe ich erstmal in meinem Leben Kokuspalmen, die ganz anders ausschauen, als die von mir bis jetzt so gut gekannten Dattelnpalmen. Ich fühle mich so, als ich in den Tropen wäre, obwohl wir noch ganz schön weit von dem Äquator sind, und von der Staatsverwaltung anschauend sind wir noch in Europa, ganz genau in Spanien. Vielleicht war das der erste Augenblick, als sich in mir der Gedanke verfasst hat, daß ich nicht auf die weitesten Teile dieser Erde wegfahren muß, wenn ich hier, so nah, all diese Exotik finden kann, wovon  fast alle Menschen träumen, daß sie einmal im Leben dorthin fahren können. 




Die Martianez-Zone hinter uns lassend, kommen wir zu einer mit Lavafelsblöcken voll bedeckten Küstenstrecke, die von den wilden Wellen gepeitscht wird. Verblüfft sehe ich, daß hier solche Stahlleiter von den Felsen ins Wasser führen, wie in einem Schwimmbad, und paar Menschen versuchen auch ins Wasser zu kommen, was ich total lebensgefährlich finde. Dann wird die Küste steil und oben auf den Felsen ist hier alles mit Häusern zugebaut, hier biegen wir in eine Straße ein, wo die meisten Häuser den Baustil von den Kanarischen Inseln vertreten. Besonders charakteristisch sind die Holzbalkone, und auch die geschnitzten Fenster- und Türrahmen. Auf der Straße herrscht großer Betrieb. Auf dem nächsten Küstenstück stehen die Überreste – mit Basteien und Kanonen – der Festung von San Felipe. Wir schauen es an. Danach kommen wir zu einer winzigen Kieselbucht, wo ein paar Fischerboote auf  die Küste herausgeschoben liegen. Und hier beginnt eine endlose Mole, welche als Wehrdamm funktioniert. Es ist betoniert und an der Meeresseite liegen tonnenschwere, riesige Wellenbrechersteine. Wir spazieren hier auch durch. Hier spüren wir schon, daß die Sonne langsam zu Kraft kommt, aber starker Wind bläst, ich fühle weiterhin keine Hitze. Riesen Wellen stürmen gegen den Wehrdamm, malerischen weißen Schaum bildend. Wo sich der weiße Schaum mit dem Blau des Ozeans mischt, dort entsehen helle azurblaue Farben. Auf den mächtigen Steinwürfeln sonnen sich tausende von roten Taschenkrebsen. Ab und zu spült sie eine Welle unter, dann krabbeln sie wieder zurück. Meine Sinnesorgane sind nicht fähig diese Flut von Wundern dieses Erdteiles so schnell zu verarbeiten.
Danach gehen wir Richtung Zentrum weiter und kommen auf den Plaza del Charco an. In der Mitte stehen riesige Bäume, die ich vorher noch nirgends gesehen habe und deren Kronen erinnern mich an einen Brokkoli, also ab jetzt heißen sie bei uns "Brokkolibäume". :-) Auf dem Platz fliegen viele kleine grüne Papageie rum, nur so frei, wie auch noch nie gesehen. Ich denke ich bin im Paradies gelandet, obwohl ich in diesem Moment noch kaum was davon kenne, was mir diese Insel geben kann. Wir gehen weiter und erblicken den breiten, mit schwarzem Lavasand bedeckten Strand Playa Jardin, irgendwo hinter dem soll auch der Loro Parque liegen. 




Nachher kehren wir zurück und kommen auf einen anderen Platz an, wo die Kirche "Iglesia Nuestra Senora de la Pena de Francia" steht. Den Platz zieren kleine Drachenbäume. Deren Stämme schauen teilweise so aus, als hätten sie Ödeme. :D Von hier spazieren wir aufwärts und kommen dann zu dem Taoro Park als nächstes an. Es gefällt mir sehr gut mit seiner dschungelmäßigen Pflanzenwelt. Ich bin ein großer Pflanzenfan und in diesem Moment fühle ich es so, als ob die ganze Insel ein riesiger Botanischer Garten wäre. Ich sehe hier ständig für mich rätselhafte und unbekannte Pflanzen und ich bin voll mit Sehnsucht, sie alle kennenzulernen. 


Wir sind schon ganz schön kaputt, bis wir zum Taoro Park raufmarschieren. Aber für diesen Anblick lohnten sich die Anstrengungen: üppige Vegetation, Springbrunnen und man kann von hier die ganze Stadt bis zum Ozean sehen, wo die zwei Bläue vom Himmel und Wasser sich treffen. Hier treffen wir uns wieder mit einer neuen kaktusartigen Pflanze, deren Mitte ein 2-3 m langer Auswuchs in einem Bogen wächst und aussieht  wie ein Elefantenrüssel. :D Negativ ist, daß der Taoro Park stark nach Urin stinkt. Wir laufen in einer breiten, verkehrsreichen Straße, die dann über einen tiefen, ausgetrockneten Barranco führt. In der großen Kreuzung haben wir einen tollen Blick auf den Teide und auch auf unser Hotel. Mittags sind wir schon in unserem Zimmer, wir essen e3ine Kleinigkeit und möchten irgendwo baden. Aber wo? Der Lago de Martianez ist geschlossen, der Ozean scheint zu gefährlich zu sein und der Playa Jardin ist zu weit. 


So gehen wir dann zu dem "riesigen" Becken im Hof raus.  Aber dessen Wasser ist so was von eisig kalt, als ob hier in der Nacht Frost wäre. Ich schwimme einmal drin, aber es reicht dann für immer. Wir bleiben ca. 1 Stunde lang in der Sonne, aber wir merken es dann ganz schnell, daß unsere weiße Haut diese starke Sonne hier nicht gut verträgt. So planen wir schnell lieber ein Programm für den Nachmittag. 


Bald laufen wir rauf zu dem in der Nähe liegenden Botanischen Garten. Der Eintirtt ist billig. Ich finde den Garten nicht zu groß, aber ich sehe hier solche tropische Wunderpflanzen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Ich bin hier ganz verzaubert. Der Interessanteste ist der riesengroße Fikusbaum mit den gigantischen Luftwurzeln.  Der Baum ist bestimmt ca. 60 m hoch und seine hunderte Luftwurzeln sind zwischen paar Zentimeter und armdick, manche sind schon so dick, wie ein Baumstamm. Ich fühle mich, wie in einem Dschungel. Wir laufen um diesen Baum 3-4 mal herum und ich mache viele Fotos. Dazwischen wird der Himmel über unseren Köpfen schwarz. Wir schauen alles mehrmals gründlich an, es gefällt uns sehr hier. 


Es fängt zu nieseln an, wir gehen kurz heim, die leichten Jacken mitzunehmen. Wir endecken noch einen großen Supermarkt gegenüber des Botanischen Gartens. Aber wir gehen jetzt runter zu dem Martianez Supermarkt, wo die Glaspyramiden stehen. Hier kann man alles kaufen und uns gefällt hier besonders die große Fischtheke, wo wirklich große Auswahl ist und die Leckereien aus dem Meer sind sehr billig. Die Fischsorten kennen wir alle nicht, deshalb kaufen wir zum Ausprobieren 300 Gramm von den mittelgroßen Garnelen. Die sind unglaublich billig! Wir kaufen noch zwei kleinere Kraken und viele Getränke. Dann können wir uns halbtot über die vielen Treppen schleppen. Wir putzen die Tiere gemeinsam ab, und im Öl, mit vielem Knoblauch und mit von zu Hause mitgebrachten Oregano, braten wir sie kurz an. Man braucht nur Kleinigkeiten und es geht alles sehr schnell und wir haben schon ein himmlisches Abendessen. Die Beilage ist Reis und dazu Tomaten. Ich lege alles auf einen großen Teller, in der Mitte liegen noch vier Sardinen, die wir auch frisch gekauft haben. Alles schmeckt sehr gut und wir müssen feststellen, daß wir leider von allem zu wenig gekauft haben. Zu dem Abandessen trinken wir Sangria und es alles auf der mini Terasse, beim Kerzenlicht, in einer unvergesslichen Stimmung.


Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Unsere Wintertage

Gestern Abend war hier Schneesturm. Ich hasse den vielen Schnee in diesem Winter. Und ich bin schon drittes Mal krank in diesem Winter, es geht auch auf die Nerven. Aber in 19. Tagen fliegen wir nach Thailand und dort werde ich meine Batterien mit Sonnenschein aufladen, und wenn wir zurück sind, muß eigentlich der Winter schon vorbei sein. 

Unser Auto (es war aber in 2005)
Gestern Abend waren wir bei unserem Lieblingsgriechen, aber das Geschäft läuft momentan nicht so gut. Wir gehen schon seit 8 Jahren dahin und es war immer voll. Da es kein feines Restaurant ist, sondern eher eine Kneipe, haben die Gäste dort viel geraucht. Jetzt dürfen aber nicht mehr, und im Schneesturm mag niemand vor der Tüt stehen und draußen rauchen (außer meinem M.) und die Rauchergäste kommen nicht mehr. So kann dieses Nichtrauchergesetz Betriebe=Menschen kaputt machen. Ich bin damit nicht einverstanden, obwohl ich kein Raucher bin, aber mich hat es nie gestört, wenn in einer Kneipe neben mir geraucht wurde. Es war so normal. Übrigens geht mein Partner zu Hause auch auf den Balkon zu rauchen. 

Sonst planen wir unsere Urlaube für dieses Jahr ständig. Wir möchten im Juni eine Woche in die Berge, nach Südtirol oder zum Gardasee. Im Oktober wollten wir endlich mal auf Lanzarote (endlich, weil wir es schon seit ca. 6 Jahren planen und schließlich landen wir immer wieder auf Teneriffa :D), aber in der Arbeit wollen mehrere im Oktober weg, so würden wir es wahrscheinlich auf Anfang November verschieben. Wettermäßig soll es noch gut sein.

Dienstag, 25. Januar 2011

Vier zauberhafte Tage in den Dolomiten/2.

16. Mai 2006

Für heute haben wir einen Autoausflug geplant, um uns von den gestrigen Anstrengungen zu erholen. Unser Plan ist eine große Rundreise auf der folgenden Route: Predazzo, Lago di Paneveggio, Paneveggio Nationalpark, Passo di Valles, Falcade (es ist schon in der Provinz Veneto und nicht mehr in den Dolomiten), Cencenighe, Alleghe, Rocca Pietore, Paso di Fedaia unter dem Marmolada, Canazai, Fassatal und zurück. Aus dem Camping fahren wir zuerst im Travignolotal. Die Landschaft ist überwältigend schön. Das Wasser des Baches Paneveggio wird hier in einem grünfarbigen See aufgestaut, auf dessen Wasser die schneebedeckten Gipfel der südlich stehenden Bergen sich spiegeln. Nach dem See biegt die Straße nach links ab und hier treten wir in den Paneveggio Nationalpark ein. Ich fühle mich so, wie in einem Naturfilm von Kanada. Zwischen Tannen schlängelt sich der seichte, zartblaue, wilde Bach. Fast aneinander gereiht stehen die Rastplätze, mit gut ausgebauten Picknickplätzen. Überall stehen witzige Schilder, drei sind ganz typisch: Angeln verboten, Bootfahren verboten, Pilze sammeln verboten. :D


Ich habe andauernd das Gefühl als ob ich in Kanada oder Alaska wäre. Es fehlt nur ein Grizzly zu dem Flair. :D Wir fahren bei einem Hirschreservat vorbei. Die Landschaft fasziniert mich wahnsinnig. Der schlängelnde Weg steigt Richtung Passo di Velles an. Der Paß liegt auf 2306 m und die ganze Landschaft ist komplett schneebedeckt. Ich finde es super, daß man in solchen Höhen noch mit Auto fahren kann. Runterwärts von dem Paß kann man schon die bunten Dörfer des tiefliegenden, breiten Tal und die Gipfel des Monte Civetta's (3218 m) sehen. Zuerst fahren wir durch das Dorf Falcade. Wir halten hier für paar Minuten zum Fotografieren an. Hier sehen wir noch nie gesehene, merkwürdige Holzhäuser (oder Scheunen). 


Endlos sind die grünen, mit gelbem Löwenzahn gemischten Wiesen. Bei dem Dorf Cencenighe biegen wir nach Norden ab. Die Landschaft sieht hier ganz anders aus, als in den Dolomiten. Die Berge sind hier schon "alpenartig", sie bilden Ketten und keine Gruppen. Wir erreichen den grünen Speichersee, Lago d’Alleghe. Wir halten hier wieder eine kleine Fotopause. Kurz darauf kommen wir in einen engen Paß an, der zu dem Berg Marmolda führt. Ich glaube er wäre der höchste Berg der Dolomiten, mit seinen 3342 m, und unter dem liegt auch ein Speichersee. Je weiter nach oben wir im Paß fahren, desto spärlicher wird die Vegetation. Dann erreichen wir erneut die Schneegrenze und wir halten an einem Parkplatz an. Wir werden sofort auf Murmeltierpfiffe aufmerksam. Ich habe diesen unverwechselbaren Ton erstmal beim Großglockner gehört. Unsere Augen durchstreifen die ganze Gegend, vielleicht werden wir ein Murmeltier sehen. M. macht mir ein Zeichen, und ich schleiche mich still auf die andere Seite des Autos. Dann sehe ich was unglaubliches, ein Murmeltier steht genau neben dem Auto, ca. halber Meter weit von dem Straßenrand bei seinem Loch und  guckt uns direkt in die Augen. Atemzurückhaltend schleiche ich mich näher und fotografiere es.  


Das Murmeltier erschreckt sich von dem Geräusch der Kamera und läuft sofort in sein Loch rein. Wir sehen es nicht mehr. Ich bin total fasziniert von dem Erlebnis. Das Murmeltier war nur einen Meter weit von uns und hat sich auch noch fotografieren lassen. Ich glaube, es ist der Gipfelpunkt unseres heutigen Ausfluges. Nur für die gestrige Wanderung und heutiges Murmeltier lohnte es sich schon hierher zu fahren und nachts im Zelt zu erfieren. :-) 
Wir kommen auf den höchsten Punkt des Paßes an. Häßliche Skilifte verschandeln die Landschaft.  Es ist eine Frevel so was hierher zu bauen. Das Wasser des Lago di Fedaia's (wir sind auf 2047 m!) ist noch teils zugefroren. Die Eisstreifen liegen wellenförmig auf seiner Oberfläche. Es spiegeln sich der Himmel, die Berge...traumhaft schön! Gegenüber, oben ragt der schneebedeckte Gipfel des Marmoladas. 



Es wäre hier ein echtes Wanderparadies, wenn wir in schneefreier Zeit hier wären. Von hier führt eine kurvenreiche Straße nach Canazai runter. Es ist ein wunderschönes Dorf, welches – denke ich – das touristische Zentrum der Gegend sein könnte, weil zahllose Mengen,  schöner und schöner, in tiroler Stil gebaute Hotels sich an einander reihen. Trotzdem ist alles ausgestorben. Auch ein riesiger Campingplatz steht auf der linken Seite der Straße. Er ist auch geschlossen. Ich denke jetzt wieder, wir haben sehr großes Glück mit unserem familiären Camping. Die Besitzerin hat es uns auch gesagt, daß hier die Skisaison bis Ende April dauert und danach macht jeder zu. Die Leute hier halten ein Monat lang Erholungspause oder renovieren, wenn es nötig ist und dann am Anfang Juni, wenn die Wandersaison beginnt, machen sie erst wieder auf. Also das ist der Grund dafür, daß wir alles geschlossen und ausgestorben vorfinden und keine Seele auf den Straßen treffen. Gegen Mittag fahren wir ins Fassatal weiter, nach einem entsprechenden Rastplatz suchend, wo wir unser Mittagessen vorbereiten können. Aber wie viele Tische und Bänke es früher überall gab, so wenige finden wir hier. Endlich merken wir am anderen Ufer des Baches einen idyllischen Platz und dort räumen wir unsere ganze Campingausrüstung aus. Wir kochen eine Konzerve und essen gemütlich hier. 


Die Sonne wärmt uns hier angenehm auf, es ist fast 20 Grad. Da jetzt noch früh am Nachmittag ist, wollen wir noch nicht in unseren Campingplatz zurück, lieber fahren wir nach Canazei zurück, wo die Straßen zu dem Paß Pordoi und Paß Sella losgehen. Wir wählen den Sellapaß. Wir landen erneut in einem Märchenland. Zuerst schlängelt sich die Straße wild aufwärts, dann eine geradere Strecke rennt fast in die Wände der 3000-er Sella-Gruppe rein. 


So ragen diese steilen Felsen mit ihren aufrechten, flachen Wänden aus dem Boden auf, als ob sie mit einem Axt so regelmäßig gespaltet wären. Die Vegetation ist auch faszinierend, der ganze hügelige Boden ist von irgendwelchen rosafarbigen Blumen (Erika?) wie teppichartig bedeckt und über denen die niedrigen Latschenkiefer. An einer Stelle steigen wir aus, und wir sehen mindestens zehn Murmeltiere auf einmal, aber während einem Augenblich verschwinden sie wieder. Wir hören nur überall ihre schrillen Pfeifsignale. Hier kann ich sie leider nicht fotografieren. Ich glaube, ich könnte hier einen ganzen Tag mit Murmeltierbeobachtung verbringen. Die Straße schlängelt sich mit Haarnadelkurven in Richtung Sasso Sella aufwärts.  Kurz vor dem Paß öffnet sich ein zauberhaftes Panorama auf die senkrechten, etwa 1000 m hohen Wände des Sass Pordoi (2950 m). Es ist ein beliebter Ort für Felsenkletterer. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie dort irgendjemand raufklettern kann. Diese Wand ist so steil und glatt, wie ein auf seine Schärfe gestelltes Papierblatt. Am höchsten Punkt des Sellapaßes halten wir eine kurze Pause. Hier sind kleine Ziegen, die unbedingt auf uns klettern wollen oder fangen an unsere Reißverschlüße zu kauen. Witzig.   


Von hier kann man den Sasso Lungo (auf deutsch: Langkofel – 3181 m) sehen. Er liegt noch auf der Seite des Rosengartens, aber nördlich davon. Hinter ihm erstreckt sich das Val Gardena (Grödnertal). Was soll ich noch sagen? Es ist ein riesiges Erlebnis hier zu stehen und so viele Schönheiten zu sehen. Ich bin total "aufrotiert" (aufgepumpt) von der Aufregung. (In Ungarn sagt man umgangsprachlich "ich bin aufrotiert" oder "ich rotiere mit Tausend" es bedeutet was ähnliches, daß ich turbo aufgeregt bin, so sehr, daß ich schon fast elektisiert bin, ein unruhiger, aufgeregter Zustand.) Von hier fahren wir schon zu unserem Lagerplatz zurück. Nach dem Abendessen haben wir keine Lust wieder so früh ins Zelt zu gehen, wir würden noch gerne irgendwo ausgehen, aber wo hier, wo alles tot ist? Wir fahren niergendwohin, sondern sitzen in der 8 Grad Kälte draußen vorm Zelt und als es anfängt zu dämmern, gehen wir mit einer Taschenlampe entlang des Baches aufwärts im Tal zu spazieren. Wir laufen absichtlich schnell, damit uns warm wird. Ca. 2 km weit laufen wir am wildromantischen Bachufer, als wir zu einem Bauernhof kommen und dann gibt es keinen Weg weiter. So gehen wir zurück. Was soll ich sagen, mit unserer großen "Abendwanderung" haben wir auch nicht viel Zeit verbringen können. Dann duschen wir, und weil wir nach dem Duschen die schöne Körperwärme nicht verlieren wollen, müssen wir schon wieder ganz früh in die Schlafsäcke. Aber wir unterhalten uns noch ganz lang. 

17. Mai 2006

Gestern konnten wir keinen praktischen Ausflug für heute herausfinden. Es gibt so viele schöne Sachen in der Nähe, daß man sich kaum entscheiden kann und wir müssen daran denken, daß wir zu hoch wegen dem Schnee nicht wandern sollen, so ist es noch schwieriger noch eine Talwanderung zu finden. So fahren wir wieder durch das hübsche Dorf Moena zu dem Tal des Durons, welches paralell mit dem Vajolettal liegt. Wir wollen durchs Valle di Duron laufen, dann auf irgendeinen Berg so weit auf, bis wir die Schneegrenze erreichen. Unsere Wanderung geht aus der von Pozza nördlichen liegenden Siedlung, Campitello di Fassa (1448 m). Der Wandepfad beginnt genau so wie der andere im Vajolettal: unmittelbar entlang des Baches, am Anfang mit steiler Steigung und dann durch den Wald. Danach kommen wir in das hochliegende, breite Tal an. Das Tal ist unübersehbar lang, sehr breit und hier ist nicht mehr ähnlich zu dem paralellen Tal. Häufig stehen Holzhütten (Scheunen) neben der Piste, hier herrscht ein starker Jeepverkehr und wir treffen auch viele Haustiere. Die Anfangsstrecke war am steilsten, wo wir während kurzer Zeit 400 Meter Höhenunterschied schaffen mussten. Nachher, ab einem Sofos genannten Ort (1794 m) ist das Gelände fast ganz eben. Das Tal umarmen von rechts und von links hohe Berge. Der Bach ist angestaut, überall haben sich kleinere Moorböden gebildet.  



Rechts von der Piste auf einem grünen Hang grasen Kühe. Zwischen dem Gras wachsen überall weiße und lila Krokusse und bilden so manchmal zusammenhängende Blumenteppiche. Wo anders wachsen in Gruppen die unglaublich blauen Enziane, die ich erstmal in meinem Leben hier sehe. In den Hängen spielen in einander hängend, rollend Murmeltierfamilien. Sie rollen sich runter, und dann laufen wieder den Hang rauf. Wenn ich näher zu denen will, zu fotografieren, verstecken sie sich sofort in ihre Löcher. 


Im Durontal, (laut meiner Schätzung von der Karte) kann der Weg ca. 8 km lang sein bis zu seinem Endpunkt, wo es von Bergen abgeschlossen ist. Da wir unterwegs noch hunderte Murmeltiere sehen (oft auch 10-20 in einem Hang), und ich überall minutenlang sie beobachte und fotografiere, dadurch gehen wir kaum  vorwärts, es wird schon nachmittag 3 Uhr, bis wir zum Ende des Tales kommen. Aber ich bereue es nicht, da ich die Gesellschaft der Murmeltiere sehr genieße. An einer Stelle überlegen wir uns, daß wir Richtung Antermoia Gipfel gehen sollten, aber dort könnte auch viel Schnee liegen. Unterwegs sehen wir auch zwei Hirsche in dem Freiem, als sie zu einem Bach zu trinken runtergehen. Für mich sind es alle unvergessliche Erlebnisse. Schließlich entscheiden wir uns so, daß wir ganz bis zum Ende des Tales laufen, und von dort noch weiter nach oben, solange wir können. Je weiter wir gehen, desto mehr Murmeltiere gibt es um uns herum und desto weniger ängstlich sind sie. Vielleicht eben deshalb, weil hier in dieser Zeit kein Mensch auftaucht. In diesem Jahr können wir wahrscheinlich die ersten Touristen sein, und diese Murmeltiere kennen vielleicht die Menschen nicht als Feind, deshalb beobachten sie uns genau so interessiert, wie wir sie. Ein Tier steht bei seinem Höhleneingang und schaut uns minutenlang an, und ich auf einem Fels sitzend kann ihn aus ca. 2-3 m fotografieren. Es steht mir Fotomodell und macht solche Gesichter, als ob er nur dauernd über mich lachen würde:


Am Ende des Tales beginnt ein steiler, kurvenreicher Pfad nach oben. Immer mehr Schnee liegt rum. Dann kommen wir auf eine Hochebene an, wo überall dicker Schnee liegt. Und wo aber kein Schnee mehr liegt, dort gibt es bis zum Knie langenden Matsch. Interessante weiße und gelbe, haarige Blumen wachsen hier, ich glaube, es sind Küchenschellen. Wir sind jetzt oben auf dem Passo Duron (Duron Paß) und oft in den Schnee bis zum Knie einsinkend, schaffen wir es bis zum  Sella di Cresta Nera (2204 m) genannten Ort. 


Ab hier gibt es nur Schnee und es wäre zu gefährlich oben drauf zu laufen. Wir müssen bei jedem Schritt Obacht geben, da es oft ganz matschig ist und könnten wir ausrutschen, wäre auch möglich, daß wir mit einer Schlammlawine runterrutschen. Am Ende des Paßes ragen die Roßzähne - die zu den Vajolet-Türmen ähnlichen stacheligen Felsformationen Richtung Himmel  - auf.  Wir würden gerne bis dahin gehen. Aber es ist bei solchen Verhältnissen ausgeschlossen. Zwischendurch hören wir öfter Donnern, aber nicht vom Himmel, sondern von der gegenüberliegenden Felswand, wo Lawinen runtergehen. So was "live" anzuschauen, ist wieder ein großes Erlebnis. Hier geht es nicht mehr weiter. Rechts führt ein Pfad zu der Seiser Alm (Alpe di Sius), runter Richtung Grödnertal. Wir wenden uns. Es ist schon 4 Uhr, als wir zuerst auf einer Bank unsere Sandwiches essen.
Jetzt müssen wir im Tal die ca. 8 km zurücklaufen, es ist schön die Landschaft von anderer Perspektive auch zu sehen. Auf dem Rückweg gehen wir viel schneller, aus mehreren Gründen: wir schauen nicht mehr so lang alles an, und halten auch nicht bei jedem einzelnen Murmeltier an, und wir beeilen uns grundsätzlich, da wir noch das Lebensmittelgeschäft vor dem Schluß erreichen wollen. Von dem Tag kann ich nichts mehr schreiben. Wir sind mit unserem Camping zufrieden und genießen jeden Moment des Zeltens.

18. Mai 2006

Leider müssen wir zusammenpacken und uns auf den Heimweg machen, obwohl wir den Campingplatz und auch die Umgebung sehr gerne gemocht haben.  In den vergangenen 4 Tagen ist hier nicht viel passiert, es ist ein französisches Paar mit Zelt und ein holländisches Paar mit Wohnmobil gekommen. Der Campingplatz "hallt noch immer von der Leerheit" (man sagt es in Ungarn umgangsprachlich so: irgendwas "hallt von der Leerheit") Ehrlich, hat es uns letztendlich gar nicht gestört, daß alles so ausgestorben war, weil wir die Menschenmassen immer vermeiden und nicht mögen, und so war es in den Bergen viel stimmungsvoller, natürlicher, die Natur ohne Menschen zu erleben (wie in den Naturfilmen). Ich glaube, ein Monat später hätten wir nicht mehr so viele Murmeltiere sehen können und sie hätten uns zu sich nicht mehr so nah gelassen. 
Es ist eine große Auswahl von Wegen, die nach Hause führen, wir entscheiden uns für den Sellapaß, damit wir durch das Val Gardena fahren können um es zu entdecken, ob es sympatisch wäre für eine andere Reise hierher. Das Grödnertal ist aber so was von unsympatisch...nicht daß es in sich nicht schön wäre, aber es ist eine Sammelstelle von dem Massentourismus und so was hassen wir. Alle Siedlungen bestehen nur von "sterilen" Hotels,  alle Hänge des ganzen Tales verunglimpfen hunderte Skilifte. Hier ist die Landschaft alpenartig und nicht so interessant, wie in den Dolomiten die Felsgruppen sind, hier sind nur ganz normale Berge, langweilig.  Es ist ein riesen Unterschied zwischen Fassatel und Grödnertal. Als ob Meilen zwischen denen liegen würden. 
Bei Chiusa (Klausen) schließen wir uns der Autoban an. Wir wollten noch unterwegs Bressanone anschauen, aber bis wir dorthin kommen, haben wir keine Lust mehr. Wir fahren nach Hause. In  Innsbruck essen wir zu Mittag, und nachher fahren wir in einem großen Sturm, der uns bis nach Hause begleitet. 

Nächster Tag höre ich im Radio, daß ein Bruno genannter Braunbär um die Gegend von Garmisch-Partenkirchen herumstreift. Es wird gesagt, er käme aus Südtirol. Also, so viel von meinen Gedanken nachts in dem Zelt oder bei einsamen Wanderungen :D......Südtirol erwartet uns zurück!  :)


Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen.