Dienstag, 28. Juni 2011

Samos, Juni 2006/5.

28. Juni 2006, Mittwoch: 10. Tag, Waldtour, Strand

Während der vergangenen Woche wurde es mit jedem Tag wärmer und wärmer. Es ist langsam schon wirklich kaum auszuhalten und nachts schlafen wir total schlecht. Ab und zu werden wir wach und gehen auf den Balkon raus, aber die Luft bewegt sich überhaupt nicht. Manchmal stehe ich minutenlang im Windkanal (vom Treppenhaus) und dann gehe ich wieder ins "Kesselzimmer" zurück.
Wir stehen gegen 8 Uhr auf und um 10 Uhr fahren mit den Nachbaren zusammen mit unserem Postauto nach Agios Konstantinos (ich nenne es nur Blumendorf). Wo hier das Valeontates Tal sich an der Küste endet, ist ein Parkplatz. Hier sehen wir mächtige Stahlformen, und jetzt verstehe ich, wie die Betonwellenbrecher gemacht werden, die wir in Ormos Marathokapmos gesehen haben.



Zuerst gehen wir an der Asphaltstraße entlang in der knaller Sonne. Später zweigt ein Pfad in den Wald ab. Hier gehen wir immer entlang des Baches, der uns frische, kühle Luft spendet. Um das Bachbett herum und auch drinnen wachsen überall Oleander und fliegen duzende Libellen herum. Von den mächtigen Bäumen des Waldes hängen Lianen runter, manchmal fast undurchdringbaren Dschungel bildend. Hier denke ich oft an die Schlangen, hoffentlich treffen wir keine. 


Die Frische des Baches können wir nicht lang genießen, weil unser Pfad aufwärts geht und wir schwitzen sehr. In den letzten Tagen waren die Temperaturen über 40° Grad! Für mich ist diese kleine Wanderung ein großes Naturerlebnis. Mir fehlen die Worte, mit denen ich die Vielfalt der Natur beschreiben könnte. Später erreichen wir Privatgrundstücke, wo kleine Hütten stehen und Wein angebaut wird. Der Weg wird immer steiler und wir haben keine Bäume mehr als Sonnenschutz über unseren Köpfen. Dann kommen auch mehrere Abzweigungen und wir wissen nicht mehr, in welcher Richtung wir weitergehen sollen, so wenden wir uns. Abwärts nehmen wir einen anderen Pfad und er hört dann auf und wir müssen durch eine Wiese, die mit hohem, ausgetrocknetem Gras bewachsen ist. Hier fühle ich mich nicht wohl, da ich nie weiß, worein ich trete. Aber alles ist mit Thymian voll, es duftet so stark und große Schmetterlinge fliegen überall rum. Alles wirkt für mich so, als wenn ich im Paradies wäre. Wir müssen noch zurückkommen auf die andere Seite des Baches und so über den steilen Hang zum Bachbett runter und dann auf der anderen Seite wieder raufgehen. Wir waren nur 3 Stunden unterwegs, aber wir haben es in der größten Mittagshitze getan und sie hat uns total ausgesaugt. 


Auf dem Weg nach Hause kaufen wir Brot und essen Tütensuppe und griechischen Salat. Wir sind von dem Nichtschlafen, der Tour und von der pausenlosen starken Hitze total erledigt. Ich kann es gar nicht verstehen, wie kann eine so heiße Insel so grün sein?? Wir packen unsere Strandsachen zusammen und fahren zu viert zum Tsamadou Beach. Das Wasser wird langsam etwas wärmer. Von 15 bis 19 Uhr bleiben wir. Heute beißt mich eine Bremse (es sind wahnsinnig viele am Strand) und der Platz des Stiches an meinem Unterschenkel schwillt wie ein halber Tennisball an. Ich bin allergisch drauf, habe auch schon schlimmere Folgen gehabt, ich hoffe, daß es jetzt nicht so schlimm wird. Nach dem Strand bringen wir das Auto zurück und gehen mit unseren Nachbaren zum Abendessen. 
Es gibt in der Nähe ein "Schlachter" (Slaughter) genanntes Restaurant. Hier wird alles aus häuslich geschlachteten Tieren zubereitet. Im Innenhof sind die Tische und was ein bißchen morbid ist, daß auf den inneren Wänden Käfige hängen und darin unterschiedliche Geflügel, die später jemandem sein Abendessen werden. Ich bestelle Lamm auf samiotische Art. Als Vorspeise bestellen wir gemeinsam einen riesigen Teller warme Vorspeisen für vier. Es hätte schon gereicht ohne Hauptgang. :-) M. hat auch Lamm bestellt, aber von dem Spieß. Alles schmeckt gut. Nach dem Abendessen spazieren wir noch alle zusammen und ich kaufe paar Souveniers. Nachher sitzen wir noch ein bißchen auf dem Balkon, aber unsere Kräfte gehen langsam aus und heute halten wir nur bis halb 1 in der Nacht aus und gehen schlafen. 

29. Juni 2006, Donnerstag: 11. Tag, Erholung

Heute wollten wir uns ausschlafen und es haben wir auch geschafft, wir stehen erst um 11 Uhr auf. :-) Mein Bremsenstich hat einen Durchmesser von 10-12 cm und ist steinhart, rot und brennt.
Wir wollen erst am Nachmittag zum Strand, so gehen wir gegen 12 Uhr in der größten Mittagshitze zu spazieren. Wir waren bis jetzt noch nicht auf dem Hügel, welcher im Zentrum der Altstadt liegt. Es war natürlich keine kluge Idee in der starken Hitze darauf zu laufen, aber der Blick entschädigt uns für die Qualen. Man kann von hier das ganze Dorf, Kokkari sehen. Danach spazieren wir bis zur letzten Bucht, wo wir an dem ersten Tag gebadet haben, und steigen dort auf den Fels rauf, welcher die zwei Buchten von einander trennt. Auf dem kargen Fels wächst überall duftender Thymian und hier haben wir einen noch schöneren Blick auf das Dorf.



Unsere Unterkunft:



Wir werden hungrig. Unterwegs nach Hause setzen wir uns bei dem Gyrosladen, wo wir am ersten Tag es in Pita mitgenommen haben. Wir bestellen zwei Pitagyros und einen großen Teller Pommes dazu. Die Pommes sind mit Oregano bestreut, es finde ich eine geniale Idee, und werde es dann später auch zu Hause ab und zu verwenden. Es schmeckt gut und wir werden sehr satt damit. Dann haben wir in der Hitze keine Seelenkraft mehr zu dem, auf 2-3 km weit liegenden Tsamadou Beach zu laufen, so fahren wir mit Taxi. Es ist klimatisiert und kostet 2,70 Euro. Wir bleiben bis 19:15 Uhr am Strand und gehen zu Fuß zurück. Heute essen wir zu Hause, nur kaltes.
Wir kriegen von der Reiseleitung eine Nachricht, wo drin steht, daß unser morgiger Ausflug eine halbe Stunde früher anfängt und wir müssen in einen anderen Bus einsteigen. Später gehen wir spazieren und setzen uns in eine Bar, wo M. Ouzo mit Limo trinkt und ich einen "Kokkari Cocktail". Beide schmecken sehr gut. Hier kann man gratis das Internet benützen und weil gerade unsere Nachbaren auch hier vorbeispazieren und sich zu uns setzen, kann ich zum Internet. Wir gehen um Mitternacht nach Hause und gehen schlafen. 


30. Juni 2006, Freitag: 12. Tag, abenteuerlicher Schiffausflug

Wir stehen um 6:45 Uhr auf. Der heutige Tag ist gleichzeitig voll mit Pech und Glück. Es wissen wir aber noch nicht, als wir vor der Kirche stehen und auf den Bus warten. Heute ist der Ausflugstag nach Samiopoula. Wir werden mit dem Bus nach Pithagorio gebracht und von dort fahren wir mit einem kleinen Schiff auf die unbewohnte Insel, wo wir mehrere Stunden Strandzeit haben und Essen ist nicht dabei, so habe ich paar Sandwiches gepackt. Wir nehmen die Isomatten mit und wir erahnen noch nicht, was für eine Komödie dieser Tag wird. 
Der Bus kommt pünktlich, (bzw. ein Bus kommt in der besprochenen Zeit). Jeder steigt ein. Was komisch ist, daß keine Deutschsprachigen mit dabei sind, der Bus ist voll mit Tschechen. Aber es bedeutet noch nichts, da der Schiffausflug ohne Reiseleitung ist, konnte doch jeder ihn buchen. Der Bus biegt erst nach Vathi ab (es war aber auch bei dem anderen Schiffausflug genauso) und wir nehmen dort auch paar Leute auf. Hier steigen ganz viele Leute ein, dazwischen auch eine russisch sprechende Reiseleiterin, die erst auf englisch redet, und dann sagt auf deutsch, daß die paar deutschen Gäste, die auf den BBQ-Schiffausflug gehen, werden in Pithagorio aussteigen und die anderen fahren dann mit ihr weiter auf eine Inselrundfahrt. Die Organisation kommt uns ein bißchen chaotisch vor, aber hauptsach, daß sie wissen, daß wir in Pithagorio aussteigen.  Interessant ist es aber, warum hat sie BBQ-Schiff gesagt?  
Unterwegs nehmen wir noch Leute auf und sehen einmal den Bus von unserem Reisebüro, worin wir  einsteigen hätten müssen. Also wir sind im falschen Bus. Wir verzweifeln nicht, da wir auch nach Pithagorio fahren, dort können wir uns noch zu unserer Gruppe anschließen. Der Bus hält in Pithagorio oben an, eine Frau wartet dort auf uns, wir fragen: Samiopoula? Sie nickt. Wir gehen mit einer großen Gruppe Skandinaven in den Hafen runter und schauen nach unserem Schiff, aber wir sehen es nicht. Wir kommen alle zu einem großen Boot an und da sammelt der Kapitän die Tickets ein. Wir zeigen unsere und er sagt, es ist ein anderes Schiff, aber sein Ausflug ist viel besser, wir sollen mit ihm mitfahren, aber niemanden darüber was zu sagen, da dieser Ausflug fast das doppelte kostet, als was wir bezahlt haben. Wir wissen nicht, ob es Spaß ist und ob wir es mitmachen sollen, aber er treibt uns schon auf das Schiff. Also wir fahren mit dem BBQ-Schiff, wo wir heute gratis essen bekommen, und unsere Tickets gelten aber für eine andere Schiffahrt. Wir wissen nicht, ob es jetzt eine gute Entscheidung ist, mitzufahren, aber warum nicht? 
Nur Schweden sind dabei, wir fallen irgendwie aus der Reihe und ich fühle mich ständig, als ich was verbrechen würde, als ob wir Schwarzfahrer wären. Wir wissen nicht mal, wo wir hinfahren. 


Wir kommen schnell zu Samiopoula an, aber wir können nicht auf die Insel raus, wir ankern nur davor in der schönen Bucht und können von dem Schiff ins Wasser springen. Das Wasser kann ca. 6-7 m tief sein und so kristallklar und azurblau ist es, als ob wir in der Karibik wären. Nach halber Stunde fahren wir weiter und hier kriegen wir Mittagessen, was sehr lecker und ausgiebig ist. Wir verstehen es noch immer nicht, warum hat der Kapitän uns mitgenommen??
Dann dürfen wir baden. Hier ist das Wasser bestimmt 10 Meter tief und mit vollgefressenem Bauch ist ein Wunder, daß wir oben bleiben und nicht versinken. :-) Unsere Ausflugssemmeln kriegt heute der arme Hund, den wir jeden Tag in unserer Straße treffen. 


Dann fahren wir wieder ein Stück und halten später noch mal zum baden an und laufen ziemlich früh wieder in den Hafen von Pithagorio ein. Jetzt taucht die nächste Frage auf, wie kommen wir nach Hause? Ich finde nämlich nirgends den abgerissenen zweiten Teil unseres Tickets, welches für den Bus wäre. Wir gehen auf den steilen Weg von dem Hafen zu der Hautstraße auf und sind absolut ratlos, was wir tun sollen. Wir denken, wir werden mit einem öffentlichen Bus fahren müssen. Wir überlegen auch die Möglichkeit mit Taxi, aber es kostet ca. 20 Euro. Mittlerweile kommen die Schweden auch an und ich packe den ganzen Rucksack komplett aus und finde letztendlich die Bustickets in meinem Notizheft. Die Reiseleitung steigt nicht mit ein, aber sagt dem Fahrer Bescheid, daß alle in Vathi aussteigen. Dann sage ich mit der größten Natürlichkeit " und Kokkari". Der Fahrer schaut uns total komisch an und frägt, welches Hotel. Klar, wir gehören nicht auf diesen Bus, er mußte normalerweise nicht nach Kokkari, aber er muß halt die komischen zwei Touristen dahin fahren, weil sie Tickets haben, und die sind auch noch gültig! Endlich klappt doch alles, und der Busfahrer ist auch nicht böse. Wir freuen uns, daß wir daheim sind und lachen noch ganz viel über diesen komischen Tag. Wir duschen und gehen in die Bar, auf der Promenade, wo wir gestern Abend auch waren. Unsere Nachbaren sitzen schon dort, heute spielt nämlich Deutschland in der WM. Ich habe null Interesse für Fußball, ich verbringe die ganze Zeit mit dem Internet. Später sitzen wir noch gemeinsam mit W. und U. auf dem Balkon. 

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen. 

Sonntag, 26. Juni 2011

Samos, Juni 2006/4.

25. Juni 2006, Sonntag: 7. Tag, ein lockerer Tag

Den heutigen Tag widmen wir für die Erholung. Wir wachen gegen 8:30 Uhr auf und gehen später ins Dorf zu spazieren. Wir setzen uns in die Bar, wo wir schon einmal bei dem Meeting waren und der Frappé so gut geschmeckt hat. Wir setzen uns direkt neben das Wasser und genießen den Blick auf die bunten Häuser, Fischerboote und Blumenpracht.




Auf dem Heimweg schauen wir alle Souvenirläden an. Wir essen zu Hause mittag, nur was einfaches aus der Konservendose. Wir dösen ein bißchen, und dann machen wir uns in dem stärksten Sonnenschein auf den 2-3 km langen, teilweise steilen Weg zum Tsamadou Beach. 




Heute mieten wir Liegen mit Schirm (6 Euro). Wir faulenzen nur und genießen es sehr. Heute wellt sich das Meer nicht stark und das Wasser hat wunderschöne Azurfarben. Ich denke heute öfter darüber nach, daß wir im Urlaub immer nur rennen, da wir möglicherweise alles anschauen wollen und sind immer nur tot erledigt und es ist der erste Tag in diesem Urlaub, aber vielleicht insgesamt von allem, wo ich es richtig spüre, was die richtige Erholung bedeutet: wir tun nur baden, uns sonnen, Magazine lesen, faul liegen und nachdenken. Es ist so ein schönes Gefühl, ich denke, ich möchte für immer hier bleiben. :-) Wir bleiben bis halb 7 und dann spazieren wir ins Dorf zurück. 

Später gehen wir zum Abendessen, aber davor erst zum Autovermieter. Der Kerl erinnert sich nicht mehr an uns und macht ein Angebot statt 35, für 25 Euro/Tag für dass Auto. Er will nicht weitergehen, nur als er schon unsere Daten aufnehmen will, schwenkt M. das Papier vom Rollermieten vor seiner Nase, daß unsere Daten schon bei ihm sind, dann auf einmal gibt er uns das Auto doch für 20! :-) So mieten wir einen kleinen Hyundai Atos für drei Tage für 60 Euro. Nach ein bißchen überreden geht er noch darauf ein, daß wir das Auto schon heute Abend mitnehmen dürfen. 
Wir gehen in die Taverne Meltemi, wo es uns nicht so 100%-ig gut gefallen hat, aber war eine sehr große Auswahl an Speisen. Schließlich bestellen wir beide gegrillte Garnelen. 5 Stücke sind auf dem Teller und es kostet 13 Euro. Auf Teneriffa können wir von 26 Euro ca. 5 kg kaufen. :D In der anderen Taverne auf der Hauptsraße war es auch billiger, dort waren 6 Stücke auf dem Teller für 7,20. Dann kommt noch eine 4-köpfige englische Familie. Der Mann ist so dick, daß sein Hintern nicht auf den Stuhl passt, er kriegt extra einen größeren Stuhl! Die sind sehr laut und spielen sich hier auf wie die Könige. Er wird von den Kellnern gleich als "Mr. President" angesprochen und ab diesem Moment vergessen die Kellner alle anderen Gäste. Wir wollten doch heute einen romantischen Abend (statt gestern) haben, aber dafür bekommen wir diese lauten, eingebildeten Menschen und unhöfliche Bedienung. Zwei Geschenkeouzos bekommen wir noch zum Schluß, aber wir sind froh als wir weggehen. 
Der Ouzo schießt mir gleich in den Kopf, daß ich einen Spaziergang brauche, um wieder zu mir zu kommen. Heute spielen die Niederländer in der WM und die Bars auf der Hafenpromenade sind alle voll, da man auf Großbildschirm-Plasmafernseher es sehen kann. Es herrscht hier eine richtig gute Stimmung, gefällt mir, daß die Fans (egal aus welchem Land sie kommen) sich hier so friedlich zusamemnsetzen.  


Später sitzen wir wieder auf unserem Balkon und da wir feiern wollen, trinken wir Bier und Wein. Gegen Mitternacht kommen unsere Nachbaren heim und fragen irgendwas. Die Antwort zieht sich so lang :-), daß wir dann bis 2 Uhr in der Nacht draußen sitzen und tratschen und zig Biere runterrutschen lassen...   
Ab jetzt haben wir dann keine "einsamen" Abende mehr. :-)  

26. Juni 2006, Montag: 8. Tag, Ausflug mit Auto

Dieser Tag ist der Anfang der zweiten Woche. Wir sind nicht fähig um 7 Uhr aufzustehen, haben wir nämlich in der Nacht zu viel getrunken. Aber weil wir das Auto haben und für heute großes Programm geplant haben, um halb 8 müssen wir schon aus dem Bett. Ich bin schwindelig und das Duschen hilft auch nichts. M. kriege ich kaum aus dem Bett raus er möchte am liebsten auf den Ausflug pfeifen und ganzen Tag nur im Bett faulenzen. Na, gut geht dieser Tag los. Trotz allen schaffen wir es um 9:15 mit unserem "Postauto" loszufahren. :D 


Wir fahren nach Westen, Richtung Karlovassi. Dort fangen drei Wege in drei miteinander parallelen Pässen an, die zwischen dem Ampelos-, und Kerkis-Gebirge auf die südliche Seite der Insel führen. Heute wählen wir den westlichsten davon. Nach Karlovassi dauert die Fahrt nur halbe Stunde. Als wir nach dem Dorf abbiegen, sofort empfängt uns ein Pinienwald. 


Der Weg ist märchenhaft, ganze Zeit fühlen wir den starken Duft des Harzes und hören die ganz laute Musik der Zykaden. Der Waldweg dauert nicht lang, danach kommt ein hügeliges Gebiet. Wir sprechen andauernd über Schlangen, ob es hier wirklich so große gibt, da unser Nachbar gestern Abend eine Geschichte erzählt hat, laut der gestern bei einem Wanderausflug im Wald angeblich eine 2 m lange Schlange ihm von einem Baum auf die Schulter gefallen ist. Wir wollen auf Samos auch wandern, aber nach solchen Geschichten geht unser Mut weg. Ich möchte eine solche Schlange hier sehen, da ich noch nie eine in der freien Natur gesehen habe. Als hätte ich sie bestellt, sofort liegt eine (überfahren) vor uns auf der Straße. :-) Wir steigen aus und schauen sie uns an. Ca. anderthalb Meter lang ist sie. Ab dann erkennen wir in jedem Baumast oder Gießschlauch eine Schlange. :-) 


Auf dem Weg Richtung Lekka sehen wir viele große grüne Geckos über die Straße laufen. Wir halten im Dorf, Kastanea an. Der Dorfplatz befindet sich auf einer Terasse über dem Tal, hier steht eine unglaublich große Platane. Wir parken hier und laufen im Dorf herum. Mir gefallen die Dorfkirchen auf Samos sehr. Die sind überwiegend aus Naturstein gebaut und haben schöne Glockentürme und weiß-blaue Kuppeln. Diese Dörfer haben einzigartige Stimmung. Keine Spuren von Touristen sieht man hier und die Einheimischen schauen uns wieder so an, als wenn wir Marsbewohner wären. Sind aber sehr nett, jeder grüßt uns: Kali Mera.





Dann setzen wir uns am Dorfplatz auf die Betonringbank um die Platane und essen Sandwiches. Die Zykaden schreien so laut, daß man denken würde, wären hunderte auf dem Baum. Hier grabbelt irgendein Käfer unter meiner Hose hoch, und ich verstehe es nicht, wie er es geschafft hat, da ich nichts davon merke, nur als ich aufstehe und grabbelt was bei meiner Leiste. Ich werde fast ohnmächtig vor Angst und Ekel, da ich es nicht wissen kann, was da eigentlich drin steckt. M. lacht nur über mich statt zu helfen und ich stehe dort voll mit Panik, halte das Vieh fest zwischen meinen Fingern in der Hose, damit er nicht weitergrabbeln kann und werfe verzweifelte "Hilfe-Blicke" an M. 


Ich halte einen 4-5 cm langen harten Käfer fest und würde am liebsten es gar nicht wissen wollen, was es sein kann! Schließlich schaue ich rum, niemand ist da, ich ziehe die Hose aus und bin froh, daß mein Bewohner weg ist. :-) Aber danach habe ich noch stundenlang im Auto sitzend immer wieder daß Gefühl, als irgendwas in meiner Hose oder am Rücken grabbeln würde.
Üppige Vegetation begleitet uns ständig, ich gucke nur verzaubert, was hier alles wächst. 



Wir halten am Straßenrand an, wo 2 m hohe Diesteln blühen und Bienen von ihrem Nektar schlemmern. Unter der Straße ist ein Bachtal, wo alles mit riesigen, blühenden Oleandern und gelb blühenden Ginstern zugewachsen ist. Genauso wächst überall in Büschen der Rosmarin und Oregano. Alles duftet sehr intensiv.  Am Ende des Paßes sehen wir große Windräder am Hang. Wir erblicken die südlichen Küsten der Insel und das, im Hang liegende Dorf, Marathokampos. Hier halten wir als nächstes an. Das Dorf hat mehrere Kirchen. Es ist ein Erlebnis in den engen, kurvigen. labyrinthmäßigen Straßen, zwischen mit Blumen vollgewachsenen Gärten und schönen alten Häusern zu spazieren. 





Dann fahren wir zur Küste runter, nach Ormos Marathokampos. Es ist auch ein schönes Dorf, aber hier können wir kaum mehr die Mittagshitze ertragen. Wir spazieren nur ca. 10 Minuten, kaufen zwei Eiscreme und fahren weiter. 


Heute wollen wir den am äußersten liegenden, bewohnten Teil der Insel anschauen, wo die Straße aufhört.  Wir fahren durch die Dörfer Kampos und Votsalakia. Diese sind Urlaubsorte mit vielen Apartmenthäusern. Die zwei Dörfer sind zusammengewachsen und liegen langgezogen an der Küste. Beide besitzen lange kleinkieselige-sandige Küsten.


Dann sehen wir von der Straße den beliebten Strand, Psili Ammos. Danach geht die Straße schon bergauf. Zahlreiche Olivenbäume begleiten uns am Anfang, und dann wandelt sich die Vegetation in Pinien und Macchia um. Wir fahren immer höher und erreichen eine schöne Panoramastraße, von wo man den ganzen westlichen Küstenabschnitt einsehen kann. Wir sind schon im Kerkis-Gebirge, dessen höchster Punkt 1.433 m ist. Hier empfängt uns eine ganz andere Welt. Wenn wir aus dem Auto steigen, betäuben uns fast die starken und vielfältigen Düfte der Natur, eine Mischung aus Rosmarin, Thymian, Pinienharz und noch vielem anderen, wovon ich gar nicht weiß, was das ist. Der Duft von Samos. 




Schließlich kommen wir ins letzte Dorf, Drakéi an. Es steht hoch, oben auf dem Berg, besteht nur aus paar Häusern, es ist die Endstation der Insel. Es gibt hier nicht vieles zum Anschauen. Die Tavernen locken uns an, aber wir wollen jetzt hier nicht essen, da wir noch zum Strand wollen. Es gibt im Dorf eine Schiffsbauwerkstatt, in deren Hof wir ein halbfertiges Fischerboot sehen können. In der Nähe, unten an der Küste liegt eine winzige Siedlung, Agios Isidoros, wo nur Schiffbauer wohnen, aber wir finden den dahinführenden Weg nicht. 




Gegen 15 Uhr kommen wir zum Dorf, Limnionas an, welches einen sehr schönen Strand besitzt. In der Sonne kann man es keine Minute aushalten, ich schätze, es könnte so 50°Grad sein. Am Ende der Bucht spendet ein großer Baum Schatten, dahin gehen wir. Hier sind grobe Steine unter unseren Füßen, weiter ist der Strand sandig, aber dort gibt es keinen Schatten. Wir bleiben ca. 2 Stunden hier. Das Wasser ist eiskalt, wir gehen nur einmal kurz rein.
Auf dem Heimweg wählen wir jetzt von den 3 Pässen den Mittleren und kommen gegen 20 Uhr nach Hause.  Unser Abendessen ist heute eine Cremesuppe und griechischer Salat.  


M. schaut Fußball WM und ich gehe für eine Stunde in ein Internetbüro. Ja, es ist kein Café, nur ein kleines Büro mit 4 PC-s. Es ist sehr teuer, eine viertel Stunde kostet 1 Euro. Abends kommt heute kein Wind, es ist genauso heiß, wie tagsüber.  

27. Juni 2006, Dienstag: 9. Tag, Ausflug mit Auto


Heute stehen wir nur um halb 9 auf und um 10 Uhr fahren wir wieder in die selbe Richtung los, wie gestern. Unterwegs fahren wir auf den Berg rauf, in ein Dorf, das Ampelos heißt. Ampelos ist zauberhaft, so lieb, so ursprünglich und so viele Blumen schmücken es. In den Cafeterien des Dorfplatzes unter mächtigen Platanen sitzen nur alte griechische Männer. Ich möchte sie so gerne fotografieren, aber sie schauen mich mit stechendem Blick an und ich traue es mir nicht. Wir spazieren um das Dorf herum und schauen die Keramikwerkstatt an.






Dann fahren wir wieder nach Karlovassi und dort nehmen wir heute den dritten Paß. Wir können jetzt feststellen, daß der erste der schönste war, wo wir gestern durchgefahren sind. Der Weg schlängelt sich zwischen, mit Weintrauben eingepflanzten Hügeln. Lange kommt kein Dorf und dann erreichen wir  Kontaéika, wo wir aber nicht anhalten, sondern im nächsten Dorf, Platanos.




Dem großen Dorfplatz spendet eine alte riesige Platane Schatten. An allen Seiten des Platzes stehen die Stühle der Tavernen. Das Gesamtbild erinnert mich sehr stark an die Dörfer von der Insel Thassos. Oft fühle ich so, als Samos eine Mischung aus Korfu und Thassos, mit dem Baustil der Kykladen wäre. Die Stimmung ist allerdings sehr ähnlich wie auf Thassos. Gerade kommen in Platanos große Touristenbusse an und die Massen befallen den Platz und die Tavernen. Ich hätte auch Lust hier paar Stunden lang nur rumzusitzen und nur schauen. Hier gibt es auch diesen typischen halbkreisförmigen Brunnen, wie hier in jedem Dorf, aber hier versteckt er sich in einer Höhle unter einem Haus. 


Dann fahren wir in dem ausgebrannten Berghang über die Südküsten Richtung Pirgos. Die Aussicht ist atemberaubend. Rechts unten im blauen Meer reihen sich die Inseln: Samiopoula, Fourni, weiter weg Agathonissi, links begleiten uns die abgebrannten, wie Zahnstocher aussehenden Baumstämme des steilen Hanges. Aber unten wächst schon frisches Grün nach, diese zache Landschaft  kommt wieder zu sich. Wie man hier rings herum sieht, mußte hier in den Jahren 2000 und 2002 unfassbar großer Brand sein.

Ginster


Pirgos ist ähnlich wie die anderen Dörfer. Hier sind mehrere Keramikwerkstätten und ich könnte duzende Keramiken kaufen, wenn sie in unserer Wohnung noch Platz hätten. :-) Sie verkaufen auch Kräuter und Honig. Hier kaufe ich das beste Salatgewürz meines Lebens, was ich seitdem vermisse.


Von Pirgos führt ein einfacher Weg Richtung Pithagorio, aber wir biegen einmal falsch nach Süden ab und machen damit eine große Runde um die Umgebung, zum Schluß nochmal in Pirgos gelandet. :-) Diese Gegend  heißt Oros Bournias. Der Weg schlängelt sich wie eine besoffene Schlange in der hügeligen Landschaft und streift nur ab und zu kleine Dörfer. Überall wachsen mächtige Ginsterbüsche und schmücken die Gegend mit gelben, duftenden Blumen. Die kleine unbewohnte Insel, Samiopoula, liegt direkt neben uns. Das Panorama ist wunderschön. Später können wir auf die Kampos-Ebene, bis nach Pithagorio runterblicken, wo wir auch noch den Flughafen klar sehen können. Um das Dorf, Mili liegen endlose Orangenhaine, die Baumäste brechen fast von der Last der reifen Früchte, die teilweise schon faulend auf dem Boden liegen und spenden einen betäubenden Geruch der Umgebung. Von dem Weg bekommen wir einen wunderschönen Blick auf das Kloster Megalis Panagias.


Wonach dann wir wieder in Pirgos landen, fahren wir schon auf dem richtigen Weg nach Koumarades, wo auch ganz viele Keramikläden sind. Hier sehen wir drei Blaukuppelkirchen. Hier erreicht die Hitze ihren Höchtspunkt und wir flüchten nach paar Fotos ins klimatisierte Auto zurück. Langsam haben wir Hunger, es wäre schön was zum Essen zu finden und dann auf einem Strand zu liegen.






Das nächste Dorf ist Chora, welches früher die Hauptstadt der Insel war. Das Dorf ist groß, aber wir haben keine Lust mehr in der Hitze es anzuschauen, wir setzen uns am Straßenrand bei einem Gyrosbuffet und essen beide Gyrosplatte. Das Fleisch ist sehr zäh, aber alles hat einen göttlich leckeren Geschmack, und ist auch billig. 


Von hier ist der langgezogene Strand von Pithagorio nur einen Katzensprung weit entfernt. Es ist schon 16 Uhr als wir dort ankommen. Wir packen unsere Sachen unter eine Tamariske und gehen schwimmen. Das Wasser ist wunderbar: kristallklar, seicht und gar nicht so kalt, wie wo anders war. Der Strand ist ziemlich überfüllt. Der Flughafen liegt direkt neben uns und ab und zu sehen wir mächtige Vögel über uns fliegen. Wir bleiben nur bis 18 Uhr, wir wollen noch in Pithagorio spazieren und auf dem Heimweg im Lidl einkaufen.  


Wir packen zusammen und laufen schnell zum Zaun des Flughafens, weil gerade ein Flugzeug landet. Es ist total cool nur paar Meter unter einer großen landenden Maschine zu stehen. 

In Pithagorio finden wir keinen Parkplatz, bzw. nur in dem äußeren Parkplatz, aber wir haben keine Lust so viel zu laufen. Da wir Auto haben, kaufen wir im Lidl 3x6 Wasser und einen Haufen Dosenbier, Getränke und Obst. Die alte Frau Katerina, die Besitzerin unseres Appartments, verbringt ihren ganzen Tag auf ihrem Balkon mit Beobachtung. Sie springt sofort auf, als wir das Auto in die Einfahrt abstellen (dürfen normalerweise nur am Parkplatz hinter der Kirche, welcher ca. 100 m weit ist, parken). Sie beobachtet uns wie eine Eule von dem Baum und wir denken, sie kriegt bestimmt Panik, als sie es sieht, wie viele Sachen wir reintragen, sie denkt bestimmt, wir wollen hier nie ausziehen. :-)  

Ich packe aus und finde unsere Badehosen nicht. Mir fällt es schon ein, wir haben sie zum trocknen auf den Baum gehängt und in der großen Eile, daß wir das landende Flugzeug sehen, haben wir sie bestimmt dort vergessen. M. hat nur zwei Hosen, er braucht sie, und mir ist sie meine Lieblingsbikini, also bleibt nichts anderes übrig, wir müssen nach Pithagorio zurück. Wir duschen und wollen los. Unsere Nachbaren sitzen auf dem Balkon und wir erzählen ihnen was los ist, und fragen, ob sie mit uns nach Pithagorio wollen. Sie wollen. Ich packe noch die Taschenlampe ein, ich rechne damit, daß der Wind die Hosen schon lange vom Baum geblasen hat und wir müssen sie am Strand in der Dunkelheit im Sand suchen.


Aber unsere Lieblingsbadehosen hängen genauso auf dem Baum. Große Steine fallen von unseren Herzen.  Wir lachen nur über uns. Pithagorio ist zauberhaft, abends noch schöner als tagsüber. Die wunderschönen Yachten die tags rausfahen, ankern jetzt alle im Hafen, der mit Laternen so schon ausgeleuchtet ist. Die Promenade wimmelt von Menschen und wir setzen uns nach einem kurzen Spaziergang in die bequemen Sessel einer Bar. Ich trinke leckeren Frappé mit Eis drinnen und wir haben einen sehr angenehmen Abend mit unseren Nachbaren. Wir kommen erst um Mitternacht zu Hauese an und amüsieren uns noch bis halb 3 auf dem Balkon. :-)
Wir haben keine Lust morgen nochmal eine Inselrundfahrt mit dem Auto zu machen, wir haben sowieso schon fast alles gesehen. Nur die Heraion (antike Ruinen) haben wir noch nicht angeschaut, aber ehrlich gesagt interessiert es uns gar nicht. Nach den mehreren duzenden Ruinen von vorigem Jahr von dem Peloponnes wollen wir erstmal keine Ruinen mehr sehen. :-) Wir bräuchten eigentlich für morgen das Auto gar nicht mehr. 

Dieser Eintrag ist hier auf ungarisch zu lesen.