Sonntag, 2. Dezember 2012

Verpasst (Raureif)

Leider habe ich den gestrigen Raureif verpasst - zu fotografieren. Ich habe gearbeitet und als ich aus dem Auto stieg, sah ich um mich die Natur, wie eine Märchenwelt. Laub auf dem Boden mit Raureif, noch blühende Rosenköpfe mit Raureif - wunderschön, aber eigentlich schon gut bekannte, oft fotografierte Motive. Aber noch nie von mir! Wieder eine Herausforderung! Meine Kamera lag natürlich daheim. Ich habe es mir schon so oft überlegt, sie in die Arbeit mitzunehmen, schon wegen den Sonnenaufgängen, die ich ganz besonders erleben kann in der Frühzeit auf den kleinen Landstraßen, wo rechts und links nur Äcker sind und nach einem Nachtregen die Pfützen auf dem Asphalt in roter Farbe schwimmen...Nein, auch wenn ich die Kamera dabei hätte, hätte ich nie die Möglichkeit (hauptsächlich Zeit) um anzuhalten, auszusteigen und zu fotografieren. 
Aber gestern hat es mir richtig weh getan, es hat mich furchtbar geärgert...da sah ich in dem Garten von meiner Patientin eine alte wunderschöne Schmiedeeisenlaterne, hingen einige lange Spinnenweben darunter, ganz dick, schneeweiß, glänzend. Ich habe sie angefasst (obwohl ich normalerweise vor Spinnennetzen mich ekele) und es war wie die Saite einer Gitarre, ganz fest und interessant. Wie ein modernes Kunstwerk und wunderschön. Dann kam in dem nächsten Garten eine noch ältere und schönere Laterne, deren Rand leicht wellig geformt war. Auf den Wellen saßen winzige Raureifkristalle, die man einzeln sehen konnte. Dort ist schon fast mein Herz gebrochen, daß ich es nicht fotografieren kann. Und dann kam der Höhepunkt, eine Eibe, zwischen deren zwei Zweigen ein kleines dreieckiges Spinnennetz war. Dessen Fäden waren von dem Gewicht des dicken Raureifes schon nach unten gebogen und zwischen den Fäden waren von dem regnerischen vorigen Tag Wassertropfen fest gefangen. Diese waren gefroren und glänzten wie Diamanten und ich dachte, ich bin in einem Märchen gelandet. Dort war ich schon direkt wütend und ich wusste, am nächsten Tag wird es schon weg sein. 
Ich erzählte meiner Patientin mit großer Begeisterung meine Entdeckungen und sie sagte zu mir: "Und Sie sehen so was, solange andere Menschen nicht mal den Busch vor ihrer Nase merken?" Ja, ich sehe. Ich war immer ein Naturfan mit Begeisterung und ja, tatsächlich gehen die meisten Menschen neben diesem Busch vorbei, und fällt ihnen nie dieses Wunder auf. Schade für sie. Sie bleiben mit solchen Erlebnissen ärmer. 

Heute in der Arbeit habe ich von dieser Patientin erfahren, sie ging dann später in ihren Garten raus, und guckte nach, worüber ich so begeistert war und sie fand es und wurde genauso verzaubert. Sie erzählte mir heute mit der selben Begeisterung, wie wunderschön und einzigartig es war. Ja, leider verpasst und ich werde wahrscheinlich so was nicht nochmal im Leben sehen oder fotografieren können. Aber ich traue mich nicht meine Kamera immer dabei zu haben und wenn ich halbe Stunden bei den Leuten drin bin, sie in dem kaltem Auto zu lassen/oder mit reinzunehmen und dadurch endlose Erklärung machen müssen...So ist es. 

Dafür suche ich jetzt ein uraltes Bild von meinen für Euch aus (vielleicht habe ich schon gar einmal im Blog gehabt - ich weiß nicht mehr). Noch vor vielen Jahren mit einer einfachen Kompaktfilmkamera fotografiert. 


Und ich möchte euch paar Fotos von einer Bloggerkollegin zeigen - sie hat es geschafft, den gestrigen Raureif zu fotografieren. Ihr Blog ist noch weniger bekannt, so ist es auch eine gute Möglichkeit für sie, neue Leser zu bekommen. Guckt ihr bei calendulabine vorbei. 

Kommentare:

  1. Ich glaube, es ist uns allen schon so gegangen...da sieht man plötzlich ein richtig tolles Motiv...und dann hat man die Kamera nicht dabei...oder kann gerade nicht aus dem Auto steigen...oder ist sowieso schon viel zu spät dran auf dem Weg zur Arbeit...die professionellen Fotografen liegen oft stundenlang auf der Lauer...Ich wünsche dir einen schönen ersten Advent! LG Lotta.

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    1. Hallo Lotta, danke dir. Ich habe es mir auch überlegt, wenn diese Fotos für mich so wichtig wären, dann würde ich an meinem einzigen freien Tag auch um 6 Uhr aufstehen und mit meiner Kamera auf die Wege gehen, wo es in die Arbeit führt...aber ich bin kein Masochist, ich mag mich an dem freien Tag ausschlafen. ;-) Dir auch einen schönen Tag! LG

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  2. Das glaube ich dir dass du dich da geärgert hast^^ Deshalb habe ich immer eine kleine "Taschenkamera" dabei...im Fall der Fälle ;-)

    Allerdings ist dein "altes Foto" schon ne Wucht!!! So schön kann die Kälte und Nässe aussehen ;-)

    Euch noch einen schönen Adventsabend und liebe Grüssle

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  3. Hallo Flögi,
    also dieses Bild ist echt ne Wucht!!! Die Eiskristalle sehen ja fast aus wie Federn. Sehr gelungen.
    Nicht traurig sein! Die schönsten Momente lassen sich leider nie mit der Kamara einfangen. Irgendwann wird das schon klappen mit den Raureif-Bildern.
    Wünsche dir einen guten Wochenstart.
    VG Calendulabine

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    1. Danke für den Trost. Ich arbeite immer am WE, dafür ist oft der Montag frei, also morgen ist erst mein Wochenende! :-) Schönen Abend!

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  4. Hallo Flögi
    Danke für den Besuch und den Kommentar auf meinem Blog.
    Wie oft habe ich schon wunderschöne Sachen gesehen und meine Kamera nicht dabei gehabt. Ich ärgere mich dann auch, denn dieses Bild gibt es nie wieder.
    Vielleicht muss man einfach den Augenblick geniessen und dann dankbar wieder loslassen. Du wirst andere interessante Sachen sehen und die Kamera dabei haben.
    Die Welt steckt voller Wunder.
    Übrigens zum Fotografieren von Vögeln: Ich sage schon scherzhaft "Weg-flieg-vögel". Sobald man daran denkt einen Vogel zu fotografieren, fliegt er schon weg :-)
    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche
    Liebe Grüsse
    Angela

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    1. Hallo Angela, vielen Dank, daß du auch bei mir vorbeigeschaut hast und für den lieben Kommentar. Liebe Grüße

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