Dienstag, 31. Januar 2012

Tansania - Erholung und ab auf den Meru

10. Januar

Wir stehen um 8 Uhr auf und haben uns gut ausgeschlafen. Das Frühstück ist gut und genug. Das Rührei sieht auf jeden Fall sehr komisch aus, da hier die Eier kein Gelb haben und so ist es ganz hell. Es gibt auch Käse, was mich sehr freut. Beim Frühstück stellt sich ein Reiseführer von Diamir Reisen vor, er hält sich jetzt hier auf und er ist so freundlich, er würde uns paar Sachen von der Bergtour erzählen. Wir treffen uns nach dem Frühstück am Pool und unterhalten uns ziemlich lang. Er gibt uns viele plus Infos und beantwortet einige unklare Fragen. Er empfiehlt uns für unsere Sporttaschen feste Schutzhüllen (wegen Regen und Schmutz) und besorgt die auch gratis und auch eine 2 Liter-Thermoskanne für den Gipfeltag (für 10 Dollar Miete). 



Heute ist es leicht bewölkt, aber die Sonne hat eine wahnsinnige Kraft auch durch die Wolken. Wir verbringen den Tag am Pool mit Erholung und Schwimmen und beobachten dabei sehr viele unterschiedliche, bunte Vögel, die zum Trinken oder Baden zu dem Pool kommen, dazwischen auch Kolibris, die wunderschön sind. Ich warte schon mit meiner Kamera auf sie, aber sie sind schnell, wie ein Blitz, leider schaffe ich sie nicht zu fotografieren. Am späten Nachmittag beginnen wir unsere zusammengruppierten Sachen für die Bergtour einzupacken. Es ist irgendwie gar nicht so einfach und dauert auch lang. 


Wir kaufen paar Wasser im Hotel für die ersten zwei Tage unserer Tour (Es ist sehr witzig: wir gehen ins Restaurant und sagen "seven water please", und beim Abendessen bringen wir 7 leere Flaschen zurück. Die  Bedienung starrt uns an und frägt mit großen Augen, ob wir alle 7 Wasser getrunken haben. :D) und gehen nachher wieder zum Pool und bewundern ständig die Vögel. Nach dem Duschen können wir schon kaum erwarten, daß es Abendessen gibt, unsere Mägen knurren schon. Heute schmeckt das Essen auch gut und mich erinnern die Geschmäcker an Thailand, nur ein bißchen milder. Wir werden wieder satt und probieren heute anderes Bier aus, aber das Serengeti schmeckt  uns am besten. Wir nehmen wieder Bier zum Zimmer mit und sitzen noch länger auf der Terasse und schlafen dann wieder sehr gut. 



11. Januar 

Bei dem Frühstück sehen wir die drei älteren Deutschen, die spät am Abend angekommen sind und wir wissen, daß sie heute auch auf den Meru losgehen. Aber wir werden gegen 9 Uhr abgeholt, sie um 10, so denke ich, wir gehen nicht zusammen. Nach dem Frühstück räumen wir unsere vier großen Gepäcke in einen Raum ein, welcher extra dafür dient und auf die Empfehlung von dem Reiseführer hin, lassen wir alle unsere Wertsachen hier in den Safe sperren. Auf den Berg nehmen wir nur so viel USD mit, was wir dann als Trinkgeld verteilen müssen. Paar Schwarze sitzen schon vor der Rezeption auf dem Boden mit Küchenausrüstungen - wir vermuten, sie werden unsere Träger und der Koch sein. Als sie unsere zwei Sporttaschen ins Auto werfen, fragen sie sehr überrascht, ob wir wirklich alles dabei haben, da die Gepäcke zu leicht seien. Wir haben wirklich alles dabei und wir fühlen selbst unser Gepäck nicht wenig. Um halb 10 fahren wir los. Der Eingang des Arusha Nationalparkes liegt von der Lodge nur ca. 1 km entfernt.


Der Mount Meru von seiner offenen Kraterseite

Bei dem Parkeingang dauert die Registration einige Zeit und dann schließt sich unser Guide uns an und wir fahren noch ca. 6-7 km über eine Schotterpiste zu dem Momella Gate. Unterwegs sehen wir auf einer Wiese Tiere: Giraffen, Zebras und Warzenschweine. Wir halten hier zum Fotografieren an. Es sind unsere ersten Tiere, so lösen sie bei uns eine kleinere Euphorie aus und ich kann noch nicht erahnen, daß bei der Safari wir die Tiere von viel näher fotografieren werden können.




Oft sehen wir auch Affen. Bei dem Momella-Tor kommen viele Autos gleichzeitig an und wir werden zu einem Platz geschickt, wo Plastikstühle stehen. Dort sollen wir warten. Wie lange und worauf, sagt uns keiner. Hier wird auch eine Kartonbox uns mit unserer Mahlzeit in die Hand gedrückt, wonach plötzlich hier Affen erscheinen und versuchen an die Boxen zu kommen und daraus was auszuklauen. Der eine springt von einem Baum fast auf meinen Kopf und schafft dabei die Packung Taschentücher aus meiner Hosentasche zu ziehen. Er läuft damit auf den Baum um packt die Papiertücher schnell und professionell aus und versucht sie zu essen. Als er es merkt, daß es kein Futter ist, schmeißt er sie auf den Boden und versucht weiterhin an unsere Lunchbox zu kommen. Hier unterhalten wir uns mit einem jungen Paar aus Frankfurt, die gerade auf einer 7-tägigen Safari waren und jetzt steigen sie auch auf den Meru. So, mit der Unterhaltung und mit der ständigen Wache wegen den Affen, vergeht die Zeit schnell. Letztendlich sitzen wir hier fast 2,5 Stunden, was uns sehr ärgert.



Der Dieb ist ein Weißkehlmeerkatze
Hier sitzt er so, wie ein Pinguin :-) 

Wir werden nur zum Schluß aufgeklärt, daß wir eigentlich warten müssen, weil heute zu viele Gruppen da sind und dazu aber zu wenig Ranger. Der Ranger ist Pflicht, er muß dabei sein, deshalb werden die kleinen einzelnen Gruppen ewig aufgeteilt. Hier bricht langsam in mir alles zusammen, was ich bis jetzt von dieser Tour mir vorgestellt habe und was eigentlich gestern noch der Reiseführer von Diamir nur verstärkt hat. Wir haben eine private Tour nur für uns gebucht. Es hat gestern der Kerl auch so bestätigt, daß es bedeutet, wir müssen uns niemanden anpassen, wir sind hier die Cheffen, wir diktieren das Tempo und die Guides wissen es sowieso, man soll langsam laufen (pole, pole), um sich an die Höhenunterschiede und den Sauerstoffmangel besser gewöhnen zu können, also wir können viel anhalten, sollen viel fotografieren, bei dem Ranger nach der Flora und Fauna nachfragen...usw. Und so wollten wir es auch, aber jetzt steht ein Ranger vor uns und sagt, es werden insgesamt drei Gruppen unter seiner Leitung laufen, es wären wir zwei, ein schweizerisches-schwedisches Ehepaar, und die drei älteren deutschen Männer aus unserer Lodge. Jede Kleingruppe hat natürlich dazu extra seine Guides und Träger. Die Träger laufen schon früher auf dem kurzeren Weg los. Wir so, auf  den längeren Weg, welcher weniger steiler ist, als der kurze. Jetzt sind wir wegen dem Ranger eine Gruppe geworden und müssen uns immer an ihn anpassen. Und dem ist alles egal, er ist uninteressiert und gelangweilt. Seine Arbeit wäre eigentlich uns vor den freilebenden wilden Tieren zu schützen und Informationen von der Flora und Fauna des Parkes zu erzählen. Wir könnten uns auf dem Weg evtl. bis zu der zweiten Hütte mit Elefanten und mit Büffeln treffen. Aber unser Ranger redet nichts, er läuft einfach vor der Gruppe, ihn stört es gar nicht, wenn wir 200-300 Meter zurückbleiben. Uns könnte schon lange ein Büffel zertreten, er würde es gar nicht merken. Die drei älteren Männer (ich kann ihr Alter überhaupt nicht einschätzen, aber sie haben schon graue Haare, vielleicht so gegen 60, bißchen über 60) galoppieren vorne so, als sie Dynamit in den Hintern geschoben hätten und es nervt uns sehr. Wir laufen normalerweise viel langsamer und jetzt dürfen wir auch rennen wegen ihnen. Also wir marschieren mit dem schweizer Paar hinten in der 40 Grad Hitze.





Am Anfang laufen wir zwischen stacheligen Büschen und ziemlich kurz darauf kommen wir in einen Regenwald an, wo auf den Bäumen Farne und Flechten wachsen und runterhängen. Wir hören Vögel und sehen oft Affen auf den Bäumen springen. Der Weg ist nicht zu steil, aber die Hitze selbst strengt uns sehr an.  Wir gehen auf den längeren Weg aufwärts, welcher eine Schlaufe unter dem Krater des Berges schreibt. Der kürzere Weg ist dagegen viel steiler.


Den oberen Teil der Tour konnte ich auf dem oberen Bild nicht anzeichnen, da er auf der äußeren Bergseite verläuft. Dazu das Bild nochmal aus dem Flugzeug:  



Der Wald ist so wunderschön und wir sehen einmal ganz besondere Affen, die schwarz-weiß sind und mächtige weiße Schwänze haben (Mantelaffen). Dann erreichen wir die bekannte Würgefeige. Diese Würgefeigen greifen andere Bäume an und bewachsen sie mit ihren Luftwurzeln und würgen sie tot. Hier handelt es sich um zwei solche Bäume, die dann in der Mitte komplett zusammengewachsen sind. Unten bildet sich ein Tunnel, wo  sogar auch ein Auto durchpasst. Hier halten wir Brotzeit.

Mantelaffe




In der Lunchbox gibt es Hühnchenkeule, Obst und Kekse. Ab hier wird der Weg ein bißchen steiler und irgendwann erreichen wir den Krater und gehen an dessen innerer Ebene weiter. Insgesamt nach 4,5 Stunden kommen wir genau um 17:20 Uhr zu den Miriakamba Hütten an (2.500 m).






Hier bekommen wir die ersten positiven Überraschungen, weil hier alles viel besser ist, als wir es uns vorgestellt haben. Ich habe im Internet auch sehr wenig Infos über diese Hütten gefunden, so blieben einige Sachen ungeklärt. Deshalb schreibe ich jetzt sehr detailliert von allem, da ich möchte, daß ich jemandem anderen helfen kann, wenn er/sie nach Infos diesbezüglich sucht.
Hier gibt es mehrere längliche Hütten, wie Militärbaracken. Es geht ein langer Flur durch das Haus und an dessen beiden Seiten öffnen sich je 5 Zimmerchen mit zwei Stockbetten drinnen. Jede einzelne Gruppe bekommt ein Zimmer für sich, die man auch absperren kann.




Gerade kommen wir an, sofort drückt unser Bediener vor unsere Nase eine Waschschüssel mit heißem Wasser. Hinter den Hütten stehen einige Waschbecken im Freien und dort sollten wir uns waschen. Es  ist für mich alles zu hektisch, da wir unsere Sporttaschen noch gar nicht haben, dann müssten wir noch nach unsere Waschartikel suchen und so lang wird das Wasser kalt. An der Beckenreihe waschen sich schon einige Männer und mich würde es auch nicht stören mich dort ein bißchen auszuziehen, aber ich nehme einfach die Schüssel ins Zimmer mit. Es gibt hier auch zwei Duschkabinen, aber dort läuft nur sehr kaltes Wasser. Es gibt auch ordentliches englisches WC.
Also ich nehme die Schüssel mit und ich ziehe mich im Zimmer komplett aus und wasche mich mit einem Einweglappen vom Kopf bis Fuß durch und dann macht es M. genau so und nachher kann ich es ruhig sagen, ich fühle mich sauber und frisch. Wir packen einige Sachen auf die oberen Betten aus und unten werden wir schlafen. Die Matrazen sind gut hart, aber der Bezug ist ekelhaft dreckig, da sind einige Flecken darauf, wo man einfach nicht nachdenken darf, woher sie kommen.
In einer Hütte ist der Speisesaal, da gehen wir jetzt rüber. Hier gehen bei einer hinteren Tür Holztreppen zu einer Aussichtsterasse, wovon man die ganze Momella-Ebene - mit den Seen - und den Kilimanjaro sehen kann.  Es ist ein wunderschönes Panorama.



Die Momella-Seen und der Kili


Zuerst bekommen wir Tee und Popcorn. Wir treffen H. und J., das Paar aus Frankfurt und unterhalten uns ein bißchen von der ganzen Tour. Dann stellt unser Guide einen zweiten Guide vor, was uns überhaupt nicht gefällt, weil bis jetzt kein Gerede darüber war und es geht alles nur um das Trinkgeld. Es ist ein empfindlicher Punkt, aber ich muß davon auch sehr detailliert schreiben, da es uns auch nicht einfach war und mein Schreiben hilft vielleicht anderen.

Wir haben schon vor der Reise eine Liste bekommen, wo es darauf steht, wem man wieviel Tringeld geben muß. Es ist nämlich nicht fakultativ, sondern Pflicht! So steht z.B. auf dem Zettel, dem Guide muß man täglich pro Gruppe zw. 10-15 USD geben, und genauso stehen die alle anderen Personen auch drauf, also die Träger, der Koch, der Bediener und der Ranger und wenn es gibt, auch der Assistentguide. Wenn wir alles nach diesem Zettel machen würden, sollten wir zum Schluß insgesamt (ohne 2. Guide) 170 USD ausgeben! Selbst die Tour hat 800 USD/Person gekostet. Was mit diesem vielem Geld wird, kann man nicht wissen, nur vermuten, daß der größte Teil davon wahrscheinlich die Nationalparkverwaltung sich einsteckt. Die einzelnen Personen bekommen davon sehr wenig, darunter die Träger angeblich gar nichts, sie leben von den Trinkgeldern. Denen gebe ich auch sehr gerne was, da sie die härteste Arbeit leisten und es auch oft ohne ordentliche Ausrüstung, viele haben nicht mal ein paar Sportschuhe. Sie laufen unglaublich schnell auf den Berg hoch. Also, ich denke so, ich gebe gerne was jemandem, wem ich will, aber daß hier es so genau vorgeschrieben ist, gefällt mir überhaupt nicht. H. erzählt, daß auf ihrem Zettel auf der 7-tägigen Safari täglich zw. 11-15 USD stand und sie wollten sparen, haben nur 77 USD dem Guide gegeben, der dann totbeleidigt war und redete mit ihnen kein Wort mehr.


Unser Abendessen ist Brokkolicremesuppe, Kartoffeln, Gemüse und panierter Fisch, alles ist lecker. Wir sind sehr überrascht von dem Essen, daß es so abwechslungsreich und viel ist, wir haben wirklich mit schlimmerem gerechnet. Wir wussten nicht, ob wir überhaupt hier Geschirr und Besteck bekommen werden, deshalb haben wir unser Campinggeschirr mitgenommen. Zuerst nehmen wir unsere eigenen Plastikbecher mit und die Schwarzen sind dann total beleidigt, daß wir nicht aus ihren Bechern trinken. Also empfindliche Seelen haben sie auf jeden Fall. :D Es wird so viel Essen vor uns gelegt, daß wir nicht mal die Hälfte davon essen können. Aber sie drängen es ständig "wir sollen viel essen, wir brauchen Kraft".

Nach dem Abendessen gehen wir erneut auf die Aussichtsterasse. Es ist stockdunkel, wir setzen uns kurz auf den Holzboden und gucken die Sterne. Man sieht so viele davon und so stark, daß man denkt, dieser Himmel gehört gar nicht zu dieser Erde, wir sind wo anders. Und die scheinen so nah zu sein, daß man dachte, man könnte sie mit seiner ausgestreckten Hand erreichen. Es ist überhaupt nicht kalt hier. Alles ist so perfekt, ich bin total ruhig und glücklich, habe keine Sorgen mehr wegen irgendwas. Ich freue mich auf morgen. Gegen 21 Uhr legen wir uns hin. In der Hütte ist es auch nicht kalt und ich koche fast in meinem Schlafsack. Ich habe ein bißchen zu viel angezogen und ich habe so einen Hitzeanfall, was bei mir der Lariam, nach seiner Einnahme an dem dritten Tag immer verursacht, Hitze und Schlaflosigkeit. Man könnte sowieso nicht schlafen, da die Baracke der Träger neben uns ist und sie feiern, sie toben, sie schreien bis Mitternacht. Nachher schaffe ich doch 5 Stunden zu schlafen. Wir haben tagsüber uns zum Trinken gezwungen, damit wir die 4 Liter pro Person schaffen und dank diesem kann ich die ganze Nacht immer wieder aufstehen und pieseln gehen.  

Montag, 30. Januar 2012

Tansania - die Ankunft

Vorwort

Es gibt keinen Mensch, wer in sich schon nicht in seinem ganzen Leben den Wunsch hätte, um nur einmal auf den Kontinent treten zu dürfen, den man für ganz anders hält, als die anderen Kontinente. Wer sehnt sich nicht dahin, wo angeblich alles so anders wäre, wo Tiere leben, die nirgendwo anders gibt, die aus den Urzeiten zurückgeblieben sein sollten, wo angeblich schon selbst die Luft anders riecht, was man sofort fühlen kann (zeitgenossene Romane :D), als man aus dem Flugzeug austritt und wo man in der ersten Sekunde verliebt sein sollte in dieses Land. Wer wollte diesen mysteriösen Spirit nicht einmal in seinem Leben spüren?? Jeder Mensch - und unter denen bin auch ich. 
Aber ich reise nach Afrika ohne diese dramatischen Erwartungen, ich erwarte einfach was neues, schönes und viel Abenteuer.

Über unsere Vorbereitungen habe ich schon geschrieben, so kann ich mir jetzt diese Zeilen ersparen und sofort mit dem Bericht anfangen.

8-9. Januar 2012


Wir fahren am Sonntag Nachmittag um halb 4 zum Flughafen los. Wir haben unseren netten Nachbar um einen Transfer gebeten, da wir 4 Koffer und 2 Rucksäcke haben - und er einen großen Kombi. :D In München fällt gerade Schneeregen. Unsere ganzen Sachen wogen daheim auf der Hauswaage 58 kg, was kein Problem wird, da bei Ethiopian Airlines pro Person 46 kg erlaubt sind. Bei dem Check-in läuft alles ziemlich schnell und problemlos. Ich fühle mich ein bißchen erkältet, was ich jetzt aber überhaupt nicht brauchen kann, also nütze ich die gratis Dienstleistung von der Lufthansa aus und gieße in mich pausenlos den heißen Tee. Es scheint zu helfen, ich fühle mich schon besser und glücklich und sorgenlos (gelogen, da ich mich fast krank mache von den Sorgen um die Koffer) machen wir uns auf den Weg unserer größten Reise. 
Zuerst müssen wir in Frankfurt umsteigen. Hier haben wir genügend Zeit. An dem mächtigen Flughafen dauert es eine gute halbe Stunde bis wir in endlosen Fluren endlich zu unserem neuen Gate ankommen. Wir sind hungrig und essen in einem Mc Donald's noch Abendessen. Die Zeit vergeht ziemlich schnell und wir können schon in die große Boeing 767 Maschine der Ethiopian Airlines einsteigen. Es ist ein bißchen anders, als sonst. Die Sitze sind bunt bezogen und breit und was uns sehr freut, es gibt sehr große "Beinfreiheit". Die Flugbegleiterinnen haben fast alle schöne Gesichter, aber keine hat ihre Haare zusammengebunden, wie es in den anderen Flügen gewohnt ist, alle haben total struppelige Haare. :-)


Wir fliegen pünktlich los und um 23 Uhr gibt es warmes, ausgiebiges und leckeres Abendessen. Dann brennt noch bis 00:15 Uhr das starke Licht und dann könnte man schlafen - was wir sitzend sowieso nie können. Ich stelle meine Uhr zwei Stunden nach vorne und laut der neuen Zeit um 4 Uhr werden die Lichter wieder eingeschaltet. Also es war kürzer als 2 Stunden, wo man hätte schlafen können. Dann kommt das Frühstück, was nur ein Muffin ist mit Tee oder Kaffee ist. 
Wir landen beim Sonnenaufgang in der ethiopischen Hauptstadt, Addis Abeba. Der untere Teil des Himmel ist rot, man sieht arabisch wirkende Gebäude aus der Stadt und die Umrisse eines Vulkans in der Ferne. Es riecht nach Gülle. So viel von dem besonderen Duft in der Luft, was man beim Aussteigen schon fühlt. :-) 


Wir werden mit dem Bus zum Gebäude gefahren, und am Eingang steht ein Mann, der jeden einzeln frägt, wohin er geht. Dort werden wir gruppiert und müssen warten, bis alle ankommen. Manche dürfen über die Treppen hoch, und wir werden wieder auf den Beton des Flugplatzes rausgeschickt und mit einem Bus zu einem anderen Gebäude gefahren. So lernen wir den internationalen Flughafen von Addis Abeba nicht kennen, sondern wir landen in dem Gebäude für die Inlandsflüge, welches sehr alt und sozialistisch wirkt. Hier gehen wir in einem engem Treppenhaus zu Fuß auf und kommen in einen Warteraum an, wo es Plastikstühle, ein sehr komisches Buffet, eine Raucherecke und einige mini Souvenierläden gibt. Die Toiletten sind entgegen meiner Erwartungen überraschend sauber.



Da wir in der Nacht nicht geschlafen haben, sind wir jetzt sehr erledigt und die Minuten scheinen Stunden zu sein und die mehr als drei stündige Wartezeit zieht sich wie Kaugummi, geht einfach nicht vorbei und ich hasse es so sehr. Ich kann mich nicht wach halten und mein Kopf kippt sitzend ständig nach vorne. Neben uns fangen die zwei schönen Verkäuferinnen des Souvenierladens zu essen an. Sie setzen sich auf den Boden, nehmen einen Topf vor und essen daraus irgendein Reisgericht mit der Hand. M. starrt sie an und sie merken es, und bieten ihm lächelnd was von dem Essen an. Er winkt nein zurück und hält die ganze Szene für irgendeinen bizarren Traum. Es gibt ein elektrisches Anzeigenschild, wo unser Flug via Mombasa drauf steht. Es war aber nirgends so geschrieben, wir sind gespannt, wie es wird. Es gibt ein einziges Tor, wo die Sicherheitskontrolle abläuft und man sollte dann erst dahin gehen, wenn ein Flughafenangestellter rumläuft und laut schreit: "Kilimanjaro Airport, check in". Wir müssen unsere Schuhe ausziehen, die extra durchgeleuchtet werden und uns werden alle unsere Feuerzeuge weggenommen, die sonst nirgendwo ein Problem bedeuten. M. ist deshalb sehr wütend. Ich habe nur um unsere Reisemedizin Sorgen gehabt, daß sie es evtl. wegnehmen, aber es hat keiner Interesse daran.

Von hier gehen wir in einen kleineren warmen Warteraum, wo wir wieder ewig warten müssen und mit hängenden Köpfen schlafen. Wir sind total erledigt.
Wir steigen dann in eine steinalte Boing Maschine ein, worüber ich kaum glauben kann, daß sie noch fliegen kann. Es wackelt, quietscht alles. Die mächtigen, sesselähnlichen Stühle sind mit geschmacklosen buntem Bezug bezogen und haben keinen Halt. Wenn man sich hinsetzt, sinkt man tief rein und die Lehne geht von sich selber nach hinten und kommt nie mehr zurück. Ich fühle mich, als wenn ich in einer Filmkulisse wäre aus den 60-70-er Jahren. Es sind wenig Fluggäste, die Maschine ist vielleicht nur viertel voll.


Hier dösen wir ein bißchen und sind überrascht, als das warme, leckere Mittagessen serviert wird. In Mombasa landen wir doch nicht. :-) Kurz vor der Landung sehen wir den Kilimanjaro und den Mount Meru, bzw. nicht zu viel von denen, da die Fensterscheiben völlig zerkratzt sind. Der Kili wirkt als ein flacher Zwerg gegen den Meru, den wir direkt umfliegen und dadurch können wir schon an seinen äußeren Kraterrand unseren späteren Tourweg uns gut vorstellen. Es wird jetzt spannend.

Mount Meru

Wir landen auf dem Kilimanjaro International Airport und marschieren von der Maschine zu Fuß zu dem Flughafengebäude. Es empfängt uns eine trockene Hitze. Rechts stehen mächtige Flammenbäume, die ich immer als ein Wahrzeichen von Afrika mir vorgestellt habe (aber später sehen wir kaum welche mehr). Wir kommen in einen kleineren Saal an, an dessen Eingang ein Mann die Impfpässe nach Gelbfieber Impfung prüft (prüft bedeutet hier: er schaut mal darauf, ob wir ein gelbes Heftchen in unseren Händen haben und das war's). Wir haben schon unser Visum, wir müssen nur ein Formular für die Einreise ausfüllen und gleich kommen schon die Gepäcke auf dem kurzen Band. Alle unsere 4 Koffer kommen, unverletzt, unberührt nach einander. Ich bin so froh, daß ich um M's Hals springe. Draußen wartet ein schwarzer Mann auf uns, mit dem Schild "Meru View Lodge" in seiner Hand. Da stehen noch einige, die die Touristen schnappen wollen, und trotzdem, daß sie es sehen, daß uns schon jemand abholt, stürmen sie wie verrückt auf unsere Koffer los und wollen alles tragen. Man kann gar nichts tun, es ist halt so und zum Schluß halten sie ihre Hände fürs Trinkgeld auf. In dem Chaos denken wir gar nicht daran, ein bißchen Geld zu wechseln.

Wir sitzen dann wie betäubt in dem nicht klimatisierten und deshalb eben mit viel Durchzug und Staub durchgegangenen Auto und versuchen es zu glauben, oder besser gesagt, zu verarbeiten, daß wir wirklich in Afrika sind. Es ist zwar nicht schwierig es sofort zu realisieren, da man sofort viele Schwarze an den Straßen sieht, die Frauen sind typisch afrikanisch angezogen und tragen meistens irgendeinen Eimer auf dem Kopf. Kinder spielen draußen, magere Tiere laufen rum, Schirmakazien und typisch afrikanische Vegetation begleiten uns, und rechts steht der Meru dort und ich gucke ihn, wie eine Hypnotisierte an. Wir schwitzen schon sehr und sind sehr durstig, können kaum erwarten, daß wir ins Hotel ankommen.



Die Meru View Lodge haben wir per Internet gebucht und zwar darum gerade die, weil sie einen deutschen Besitzer (oder Pächter?) hat und wir mögen bei unseren Reisen die Buchung, den Briefwechsel lieber auf Deutsch, als in einer Fremdsprache, und noch lieber ist es uns, wenn wir das Geld auf ein deutsches Konto überweisen dürfen, als irgendwo ins Ausland. Es macht  uns einfach beruhigter, da ist das Vertrauen größer. Wir haben auch die Meru-Tour bei ihm gebucht, da er mit einheimischen sich auskennt und da denken wir, er wird mehr Erfahrungen haben, als irgendein Reisebüro aus Deutschland.  

Als wir ankommen, werden wir mit frisch gepressten Fruchtsäften empfangen, und kriegen wir sofort unseren Bungalow, der wirklich sehr gemütlich ist. Es gefällt uns hier. Wir duschen sofort und dann suchen wir nur nach Badesachen und springen gleich in den Pool rein. Bei dem Pool sind wir allein, es ist total harmonisch und angenehm. Später legen wir uns ein bißchen hin, aber ich schlafe nicht ein, trotzt daß meine Augen zukleben, ich bin zu aufgeregt. Ich fange an die Koffer auszupacken, und lasse M. noch ein bißchen liegen. Da wir große Angst hatten, daß vielleicht ein Koffer verloren geht, deshalb haben wir unsere Sachen komplett geviertelt und von jedem was in einen anderen Koffer gelegt, so müssen wir jetzt alles auspacken, damit wir unsere Bergsachen zusammengruppieren können. Es ist ein Megachaos und das Zimmer scheint fast zu klein zu sein dazu, daß wir es mit dem Inhalt von vier Koffern auf einem Bett schaffen könnten. :-) Aber wir schaffen es. Die Bergsachen stehen getrennt und die Koffer müssen wieder eingepackt sein, sie bleiben nämlich hier und die Bergsachen kommen in zwei Sporttaschen. Später lässt es sich bestätigen, daß wir etwas zu viel mitgenommen haben, aber wir konnten wirklich nicht gut ausrechnen, was wir alles auf dem Berg brauchen könnten.








Dann ist schon Zeit für das Abendessen. Das kleine Restaurant ist echt nett eingerichtet und es gibt ein Drei-Gänge-Menü. Der Kellner ist auch sehr freundlich und höflich. Alles ist sehr lecker und so ausgiebig, daß wir das Dessert schon ablehnen müssen. Wir nehmen zum Schluß zwei Biere auf die Terasse unseres Häuschens mit und sitzen noch ein bißchen draußen. Diese Stimmung - den tropischen Garten, die Töne, den fetten Vollmond mit seinem starken Licht - könnten wir noch lange genießen, aber wir sind sehr erledigt. Bevor wir schlafen gehen, richten wir das Mückennetz ordentlich um das Bett und sprühen es innen noch mit Mückenspray ein. Wir schlafen ungestört, supergut.