Mittwoch, 27. März 2013

Ostern in Ungarn - Update

Jetzt ist bald Ostern da, und ich habe im vorigem Jahr schon einen Eintrag über die ungarischen Bräuche bei Ostern geschrieben. Damals haben noch wenigere Leute meinen Blog gelesen, so mache ich dafür jetzt einen Update. 

Die Gläubigen halten vor Ostern eine 40-tägige Fastenzeit (von Aschermittwoch bis Ostersonntag). 
In der letzte Woche werden oft Osterumzüge mit Palmkätzchenzweigen in der Hand veranstaltet, als Erinnerung an den Einzug Jesus in Jerusalem. 

Karfreitag (in Ungarn heißt es Großfreitag) ist der Gedenktag die Kreuzigung Jesus. In vielen Kirchen werden an diesem Tag Passionsspiele veransteltet. In den 1700-er Jahren haben die Ungaren Züge mit Dornenkranz auf dem Kopf gemacht und haben sich dabei selbst gepeitscht, aber diese Züge hat dann die Kirche verboten. 

Früher wurde am Großsamstag ein Scheiterhaufen vor der Kirche gemacht und wurde das Feuer heiliggehalten. Mit der Flamme von diesem Feuer wurden dann die Kerzen der Kirche angezündet. Die Überreste des heiligen Feuers haben die Leute mit nach Hause genommen. Bei vielen Häusern lebte die Tradition, daß sie von Donnerstag bis Samstag kein Feuer angezündet haben und dann haben sie am Samstag mit der Glut aus dem heiligen Feuer es wieder angezündet. Über diesen Feuer wurde das feierliche Essen gekocht und die ausgekühlte Glut wurde dann ins Trinkwasser der Tiere getan und auf den Feldern verstreut. 
Genauso wurde das Wasser in der Kirche an diesem Tag heiliggehalten und damit die Menschen auch heiliggehalten -wahrscheinlich stammt von hier der Brauch des Begießens. 

Am Samstag wurden die großen Züge zur Erinnerung der Auferstehung Christi veranstaltet. 
Am Samstag Abend hört das Fasten auf und dann kommen die typischen Osterngerichte auf den Tisch:

Man hat in den Dörfern den geräucherten Schinken, gekochte Eier, Osterfladen und den Meerrettich auf einem Teller, der mit einem weißen Tuch verbunden war, in die Kirche gebracht, um es heiligzuhalten. 

Quelle des Bildes:  http://image.hotdog.hu/user/rydaa/magazin/5.jpg

Quelle des Bildes: http://kibetekintekavilagra.lapunk.hu/?modul=oldal&tartalom=555904

Das Begießen

Es ist kein kirchlicher Brauch. Früher haben die jungen Männer im Dorf mit dem Brunnenwasser die Mädchen begossen, oder haben sie sie einfach in einen Bach geworfen. Nachher haben die Jungs von den Mädels Speck, Schinken und gemahlte Ostereier bekommen. Heutzutage gießen die Männer mit Parfüm und die Mädchen geben heutzutage auch noch Geschenke, aber statt Ostereier Schokoeier oder Schokohasen.

Als ich Kind war, warteten wir Mädchen daheim, schön angezogen auf die Jungs. Die schönen, häuslich von meiner Oma bemahlten Eier und Schockoeier, Schockohasen standen schon auf dem Tisch in einer großen Messingschale. Dann kamen die Jungs, einer nach dem anderen und haben zuerst ein kleines Gedicht erzählt, wie zum Beispiel: 

"Ich war in dem grünen Wald,
habe blaues Veilchen gesehen, 
es wollte ausdorren,
darf ich gießen?"

Dann sagte das Mädchen ja, und bekam auf ihren Kopf, in die Haare eine große Portion von dem (meist billigen und stinkenden) Parfüm.

Dann haben wir die Jungs hereingerufen und sie haben dann Kuchen und was zum Trinken bekommen und zum Schluß, als sie gegangen sind, Eier, Schokolade und kleines Taschengeld. Das Mädchen hat für ihre Lieblingsmänner die schönsten Sachen gegeben. Bei Erwachsenen lief die Geschichte genauso, aber erwachsene Frauen haben dann zu dem Kuchen einen Schnaps gegeben und ein bißchen mehr Geld. So ist mit der Zeit diese Tradition ziemlich kaputtgegangen, da bei Mädchen ein Wettkampf entstand, wer mehr Besucher bekommen hat, bei den Männern ein Wettkampf, wer mehr Geld gesammelt hat und letztendlich haben die Mädels gehasst nach 20-30 unterschiedlichen Parfüms zu stinken und die Männer sind alle voll betrunken heimgegangen.

Ich weiß nicht, ob dieser Brauch noch in Ungarn lebt, ich lebe seit 10 Jahren in Deutschland und höre immer weniger von meinen Freundinnen darüber, daß sie überhaupt irgendwas mit Ostern zu tun haben wollten. Viele reisen weg, damit die Männer, die zu gießen kommen, sie nicht daheim finden.

In manchen ungarischen Dörfern war Tradition die Mädchen mit Gerte zu schlagen - beide Traditionen stammen aus uralten Fruchtbarkeitskulten.

Quelle beider Bilder:
  http://www.wellnessinungarn.de/2010/03/ungarische-tradition-zu-ostern-holloko.html


Das Begießen mit Wasser hat aber auch biblische Ursprünge. Zum Teil ist es eine Erinnerung an die Taufe Christi, zum Teil an die Legende, als die Juden die über die Auferstehung Christi jubelnden Frauen von Jerusalem mit dem Begießen mit Wasser zum Schweigen bringen wollten.

Kommentare:

  1. Ich bin ja null gläubig, daher kann ich mit solchen Bräuchen nicht viel anfangen. Aber interessant finde ich es schon. Wobei ich es schon etwas fragwürdig finde, Mädchen mit ner Gerte zu schlagen. Wusste gar nicht das die Ungarn sooo religiös sind. Wir machen quasi gar nix - außer ein bisschen Ostereier suchen mit den kids. Liebe Grüße, Nadine

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    1. Diese alten religuösen Sachen leben nicht mehr in der modernen Welt. Nur das Begießen. Ja, wie ich kenne sind Ungaren ziemlich gläubig (ich nicht!) :-) Liebe Grüße

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  2. Vielen lieben Dank Flögi dass du ihn nochmal hervorgerufen und uns ins Gedächnis zurückgerufen hast. So finde ich es immer wieder interessant von den verschiedenen Bräuchen zu lesen.

    Ich mag solche Traditionen und finde es auch klasse wenn sie beibehalten werden.

    Liebe Grüssle

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