Mittwoch, 2. Oktober 2013

Leben auf dem Bauernhof

Ich suche die Tochter und schreie vor dem Stall ihren Namen. Die Antwort kommt aus dem Stall: "Ja, hier.". Ich trete in den Stall rein und sehe erst mächtige Kühe und dann, ganz hinten, am Ende der Reihe hockt die Tochter vor einem Kuhhinterteil und zieht gerade bei den Beinen gefangen das Kalb halb raus. Neee, Geburt ist irgendwie nicht das, was ich gerne anschaue. Nicht weil es mich ekelt, oder so was, sondern ich finde es einfach unerträglich brutal. Ich habe schon als Lernschwester paar im Krankenhaus gesehen und fand es immer einen Horror.
Ich sage noch ganz leise vor mir: "Ich bräuchte eine Unterschrift." Sie antwortet: "Ich kann jetzt nicht."
Ja klar, das sehe ich auch und drehe mich um und flüchte aus dem Stall aus...


Hier habe ich in diesem Bauernhof eine Patientin, eine nette alte Dame, so komme ich jeden Tag für eine halbe Stunde in eine andere Welt. Für mich, Stadtmädchen ist diese Welt so entfernt und interessant. Ich stelle immer hundert Fragen zu der alten Dame und höre die Geschichten interessiert an. Am Bauernhof ist das Leben hart und es gibt nie Urlaub. Ca. 40-50 Kühe...die Milch wird verkauft...man muß das Heu für seine Vieher selber anbauen...und tausend Sachen noch. Es ging echt durch meinen Kopf, daß ich die Tochter frage, ob ich hier einen Tag verbringen kann, was lernen kann und davon eine tolle Reportage für den Blog hole. Aber ich war nicht mutig genug, und eigentlich wer hat Lust dazu, wirklich einen harten Tag dort zu verbringen?



Ich sehe jeden Tag diese Boxen im Hof, oben aus dem Badfenster, wenn ich die nette Omi wasche und habe dabei ein privates Kino für mich. In diesem Sommer sind wöchentlich 1-2 Kälber auf die Welt gekommen. Den Grund habe ich nicht ganz verstanden, warum man sie von dem Muttertier bald trennen muß, aber die süßen kleinen kommen gleich in diese Boxen und werden dort erst stärker und dann gehen sie in einen Stall, wo dann die jungen Tiere sind. Die männlichen werden, wenn sie ca. 100 kg erreichen, verkauft, die weiblichen bleiben, sie geben Milch und bringen neue Kälber auf die Welt. 






Kommentare:

  1. Sehr schöne Bauernhofimpressionen...Ist ja mal ganz interessant! Auch für mich Stadtmenschen :)

    LG

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    1. Danke und ich finde auch interessant. LG

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  2. Tolle Bilder vom Bauernhof . Die kleinen Kälbchen sind sooo süß .
    Liebe Grüsse Heike

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    1. Danke, ja die kleinen sind megasüß, aber eigentlich sehr ängstlich und unfreundlich. LG

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  3. Ich bin zwar geb. aus Köln aber habe in meiner Kindheit d.h. vor meiner Schulzeit sozusagen auf einem Bauernhof verbracht. Meine Omi (Österreich) wohnte gegenüber von einem und da war ich immer zu finden. So hat es mir tierischen Spaß gemacht. Bei mir kam die Milch noch aus der Kuh und ich habe auch Geburten gesehen....für mich war es ein Traum.

    Später dann auf dem Land gewohnt gabs auch Tiere, aber keine Landwirtschaft. Dennoch einige Landwirte im Bekanntenkreis habe ich auch noch viel mitbekommen, und es ist wirklich nicht einfach.

    Eines könnte ich mir jedenfalls nicht wirklich vorstellen...ein Leben in der Großstadt mit all der Hektik, dem Verkehr und ohne eine Kikerikie am Morgen *gg*


    Toll geschrieben und echt superniedliche Fotos...ach, das wäre auch so ein Punkt, ich könnte kein Tier großziehen und dann schlachten. Würde ich keinen Bissen runterbekommen^^

    Liebe Grüssle

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    1. Hallo Nova, es ist mir komisch, wie nah die Großstadt (München) und so Umrandungsdörfern einen mächtigen Unterschied zeigen können. Da bist du gerade noch an der Stadtgrenze und siehst so was...Liebe Grüße

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