Dienstag, 7. Januar 2014

Sprachkentnisse, Sprachen lernen damals...

Um diesen Post zu schreiben hat mich Tinis Blogeintrag bewegt. Warum? Weil englisch ist heutzutage eine Sprache, die (fast) jeder kann, fast Pflicht ist zu können und ich, und noch zig tausende Ungaren von meinem Alter können diese wichtige Sprache nicht und es hat einen interessanten Grund, worüber ich jetzt Lust habe zu schreiben. Ich habe auch ein bißchen im Internet nachrecherchiert, daß ich keine falschen Infos hier schreibe, aber ich würde damit anfangen, woran ich mich aus meiner Kindheit erinnern kann. 

Wir lebten in einer sozialistischen Welt. Nach dem II. Weltkrieg, noch 40 Jahre lang!! waren russische Soldaten in Ungarn stationiert, und die damalige Sowjetunion wollte Ungarn auch zu einem kommunistischen Land ändern. Solange man vor dem Weltkrieg in den Schulen noch deutsch, englisch und französisch lernen konnte, wurden diese Sprachen nach dem Weltkrieg einfach aus dem System gelöscht, da Ungarn der sowjetischen Großmacht dienen wollte, wurde die russische Sprache zu lernen in den Schulen zur Pflicht gemacht. Man hat in dieser diktatorischen Welt einfach keine andere Wahl gehabt, auch wenn es bei vielen Jugendlichen starke Gegengefühle aufgeweckt hat, öffentlich wagte niemand dagegen zu demonstrieren. 

1989 wurde erst dieses Gesetzt abgeschafft und bis dahin musste jedes Kind schon ab der Grundschule russisch lernen und hatte in den Schulen offiziell keine andere Möglichkeit gehabt andere Sprachen zu lernen. Die Eltern konnten teure Privatstunden für ihre Kinder bezahlen, wenn sie wollten. Die Familien waren aber nicht in der Lage große Gelder um eine Fremdsprache zu lernen auszugeben. Also das Durschnittskind hat nur russisch gelernt.  - Wie ich auch damals. 

Wir haben 3-5 mal in der Woche Russischstunde gehabt und alle haben diese Sprache gehasst, weil es einfach Pflicht war und man grundsätzlich das nicht mag, wozu man gezwungen wird. Ich selber habe die Sprache kaum gelernt, nur so viel, daß ich gerade durchkomme und trotz den ganzen Jahren könnte ich jetzt kein einziges Wort auf Russisch sprechen. Aber ich habe noch Glück gehabt. Ich bin in eine Spezialgrundschule gegangen, wo man Musik und Deutsch, in erhöhter Stundenzahl lernen konnte, so lernte ich schon in meinen jungen Jahren ziemlich lang, neben dem Russischen auch Deutsch und Musik. Englisch hat man damals nirgends lernen können, und es war eigentlich fast eine unbekannte Sprache für uns. Über das Schulsystem könnte ich auch ganz viel erzählen, weil es komplett anders war, als hier in Deutschland bekannt ist, aber in diese Richtung möchte ich jetzt nicht ausweichen. Zurück zu den Sprachen. Wir haben Ende der '80-er Jahren eine politische Umwandlung erlebt und wo dann das Pflichtlernen des Russischen abgeschafft wurde, kamen rasch neue Sprachen in Sicht. Damals ging ich gerade in die Fachmittelschule (erkläre ich bald, was das war) und hatte als Auswahl englisch oder deutsch zu lernen und weil ich schon deutsch konnte und mochte, wollte ich lieber dabei bleiben, für eine ganz fremde neue Sprache war ich nicht mutig genug. 

Fachmittelschule war eine Schule, was Jugendliche zwischen ihren 14. bis 18. Jahr besuchen konnten und mit 18. Jahren mit einer sogenannten Fachabitur absolviert haben. Es bedeutete, daß der Schüler hier vier Jahre lang einen Beruf gelernt und ausgeübt hat, daneben aber auch Gymnasiumfächer gelernt hat und zum Schluß hat er dann von fast jedem Fach ein Abitur machen müssen. Trotz das diese Schule von den Gymnasien nicht so anerkannt war oder nicht hart genug gehalten wurde, fand ich es eigentlich super, da man doch "zwei Fliegen auf einen Klatsch getroffen hat": Beruf mit Abitur absolvieren konnte. Ich habe selber so mein Examen als Krankenschwester absolviert (das hier in Deutschland leider nicht anerkannt wird). 

Erst in den '90-er Jahren kamen etliche Sprachen in Sicht (fehlten aber dazu die ausgebildeten Sprachlehrer) und ich habe immer für Englisch Interesse gehabt, als großer Rocker (heavy metal Fan) in den '90-er Jahren habe ich die Texte der Rockschallplatten mit Hilfe eines dicken Wörterbuches immer für mich übersetzt. So lernte ich viele englische Wörter und kannte durch die Musik ihre Aussprache. Trotzdem habe ich nie, was mit der Grammatik der englischen Sprache gelernt, und so, auf diese autodidaktische Art, habe ich leider nie mehr erreicht, als tausende englische Wörter einzeln zu verstehen können, aber nie fließend die Sprache sprechen können. 

Was ich erzählen wollte, ungarische Menschen, die gleich alt wie ich sind, sprechen überwiegend gar keine!!! Sprache, außer ihrer Muttersprache, oder haben später etwas dazugelernt, aber was man nicht in der Schule gelernt hat, konnte man später nur in sündhaft teuren Nachmittags/Abendkursen von eigener Kraft (und nach "der Größe" der eigenen Geldbörse) lernen, deshalb konnten es sich viele einfach nicht leisten. 

Solange bis in Deutschland fast jedes Kind, schon als Kind!, ziemlich gut englisch spricht, ist es ganz normal, daß Ungaren, die zwischen den '40-er und '90-er Jahren jung waren kein Englisch können! 

Ich schäme mich oft genug dafür, und im Urlaub ist auch immer M., der sprechen muß. 
Meine aller peinlichste Schandaktion habe ich auf Mauritius "veranstaltet", als wir auf die Insel angekommen sind und nach dem langen Nachtflug in der früh noch auf unser Zimmer warten mussten. Ich saß neben den Frühstückstischen in dem Freien mit unseren Koffern, M. war noch in der Rezeption und jemand sagte mir was auf English, ich habe es nicht verstanden und meine automatische Erklärung war dafür: "I don't speak english, I'm hungarian". Es war nämlich für mich ganz selbstverständlich, daß es andere Länder auch wissen würden, daß Ungaren nicht englisch können, also das schützt mich und wäre dann vielleicht nicht so unangenehm. In meiner naiven Art habe ich damit nie gerechnet, daß die Welt Ungarn gar nicht kennt, die wissen nicht mal, daß es so ein Land gibt, noch weniger wo, oder was dort mit Sprachen im Sozialismus los war. Dann sagte er zu mir so was ca. "Ach, bist du hungrig (=hungarian=hungry), kannst du gerne was von dem Frühstück nehmen". Gott, war es mir so was von peinlich, daß ich am liebsten unter die Erde gesunken wäre vor lauter Schande. Seitdem traue ich mir eigentlich kaum ein Wort englisch zu sprechen. 

Noch paar Fakten dazu von einem Studium, was ich auch im Internet gefunden habe: 
1994 konnten nur 11,8% Prozent der Menschen über 14 Jahre behaupten, daß sie wenigstens Grundkenntnisse von einer Sprache besitzen, damit sie sich mündlich und schriftlich wenigstens ein bißchen äußern können und nur 3,6% entsprachen für die normale europäische Erwartung: zwei Sprachen sprechen zu können....aber diese Anteile wurden dann mit den Jahren viel besser. Am häufigsten wird Deutsch und danach Englisch gelernt.

Kommentare:

  1. HAHAHA, entschuldige, dass ich so laut lachen muss, aber ich finde den "Vorfall" überhaupt gar nicht peinlich sondern superwitzig. Und wenn überhaupt jemand sich peinlich berührt fühlen sollte, dann doch wohl derjenige, der Dich falsch verstanden hat: "Ich kann kein Englisch, ich bin hungrig." Wie logisch ist das denn bitte? :D
    Ich finde, in der heutigen Zeit muss man sich überhaupt gar nicht schämen, kein Englisch zu können. Wie Du bereits gesagt hast, es können viele Leute kein Englisch. In Deutschland können es nur die Jüngeren, sobald Du 50+ schaust wird es da schon sehr mau, und auch bei vielen Jugendlichen ist das Englisch nicht so toll. Manche lernen es wie Du durch Musik (oder TV), was meines Erachtens eigentlich eine tolle Möglichkeit ist. Grammatik ist nicht so wichtig, denke ich, Englisch wird gottseidank auch gut verstanden, wenn man lediglich die Wörter aneinanderreiht, weil eben sehr viele Leute genau wie Du nur Wörter und keine Grammatik kennen. Hast du schonmal Inder sprechen hören? ;)
    Also: Bitte nicht schämen, mutig sein und drauflosplappern, ich bin sicher, jeder wird es als völlig selbstverständlich hinnehmen, dass Du kein Englisch kannst. Du gehörst zur Mehrheit.
    Danke für diesen Ausflug in Deine früheren Jahre, fand ich mal wieder sehr interessant.
    LG /inka

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  2. Sorry liebe Flögi, auch ich musste lachen, aber auch verständlich, denn der hat dich dann ja nicht verstanden bzw. wusste damit nix anzufangen. Allerdings hätte es dir nicht peinlich sein müssen. Es ist eine witzige Erinnerung, Solche Missverständnisse können passieren, und niemals solltest du deshalb dann nicht mehr englisch sprechen. Einfach versuchen drauf loszubabbeln...es wird immer positiv aufgefasst. Gerade wenn man aus dem Ausland kommt.

    Hier auf der Insel ist es aber auch so mit der Sprache. Es ist noch gar nicht so lange her dass sie in den Schulen angefangen sind Englisch zu unterrichten. Selbst junge Leute können es noch lange nicht alle, und alte Menschen sowieso nicht. Noch schlimmer finde ich allerdings die Erwartungshaltung von einigen Touristen die sich aufregen wenn sie in Deutsch nicht verstanden werden. So nach dem Motto: Hier machen soviele Deutsche Urlaub, hier müsst ihr das lernen... Nein, so ist es ganz und gar nicht, hier wird Spanisch gesprochen, und wenn man sich mit Händen und Füßen verständigt, der Wille da ist, dann wird es mit Freundlichkeit und Lächeln belohnt.

    Ich hatte Gott sei Dank in der Schule eine supertolle Englischlehrerin. Oft verflucht danke ich heute dafür dass wir soviele Vokabeln pauken mussten, soviele Tests schreiben mussten und der Druck enorm war. Trotzdem: obwohl eine Weltsprache wird sie noch nicht überall gesprochen.

    Liebe Grüssle

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  3. Schon faszinierend wie unterschiedlich die Schulsysteme sind vor allem auf Sprachen bezogen.
    Selbst zu meiner Schulzeit in Deutschland waren die Unterschiede total hoch. So konnten viele Freunde auf anderen Schulen wählen zwischen Latain, Spanisch, Italienisch, Französisch etc. (Englisch war Pflicht) ... bei uns MUSSTEN wir Französisch wählen... es gab nichts anderes. Wirklich schade.

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  4. Ich verstehe zwar Deine Pein. Nicht englisch sprechen zu können, stelle ich mir in der Tat auch sehr doof vor. Aber schlimm ist daran nix. Die Spanier und Franzosen waren bis vor ein paar Jahren auch extremst schlecht oder gar nicht erst der englischen Sprache mächtig. Und in der Provinz Katalonien ist Spanisch bis heute erste Fremdsprache. Das finde ich z.B. echt schräg. Außerdem wird Schulenglisch echt überbewertet. Ehrlich gesagt spreche ich diese Sprache auch erst richtig, nachdem ich längere Zeit im Ausland war und in Australien gelebt habe. Heutzutage lernen die kids Englisch schon in der Grundschule. Find ich gut. Da saugen die das noch auf wie die Schwämme. LG, Nadine

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  5. Hallo ihr Lieben, ich bin erstens total überrascht, daß so viele zu diesem Thema schreiben und sich die Mühe genommen haben, es zu lesen. Ich dachte, man liest so langen, trockenen Eintrag nicht so gerne, daher dachte ich, hier wird kein Mensch was dazu schreiben. Super seid ihr! Ja klar, ist die Geschichte auf Mauritius auch lustig gewesen, aber mir war es trotzdem peinlich, daß der Angestellte dachte, ich komme an, und jammere schon, daß ich hungrig bin und bin auch noch so unverschämt, daß ich gleich nach Essen bitte. :-) :-)
    Es gab schon Situationen, wo ich mich mit meinem furchtbaren Englisch doch ganz gut klar gemacht habe, z.B. in Mexiko, wo wir bei den Amis aus Colorado gewohnt haben und ich bin ein Mensch, wer immer sehr viel spricht und ich konnte es einfach nicht aushalten, nicht sprechen, also sprach ich, wie ich konnte. Komischerweise dort haben auch nur meine Freunde über mich gelacht, wie schief meine Aussprache ist, aber die Amis haben es geschätzt. Dann auf dem Mount Meru, als ich mit dem Guide früher und allein zurückgehen musste, weil es mir schlecht ging, da haben wir uns auf dem langen Weg ganz gut unterhalten. Aber grundsätzlich denken im Ausland die Leute, die englisch gut können, daß du als "Weltreisende" diese Sprache gut beherrschst, also sie haben Erwartungen meistens.

    @Inka: nein , Inder habe ich noch nicht gehört :-)
    @Nova: ich bin einverstanden, daß wenn man reist, muß man sich an das Land anpassen, also wir z.B. haben immer so ein mini Taschenwörterbuch dabei, mit dem seiner Hilfe wenigstens nach einer Fahrtrichtung oder so was fragen können.
    @carinzil: ich freue mich, daß ein neuer Leser auch zu dem Thema schreibt, ich grüße dich in meinem Blog und freue mich über jeden Kommentar
    @Planet Hibbel: schlimm war einfach nur das, daß man keine Sprache in der Schule wählen konnte oder privat in teueren Kursen lernen musste, wenn er wollte

    Liebe Grüße

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  6. Ich muss auch sagen, ich finds überhaupt nicht schlimm,,,,,,,,hey du kannst Deutsch und Ungarisch und Russisch......Hallo.....zwei davon kann ich schon mal nicht, noch nicht mal ein Wort! Englisch zieht sich allerdings wirklich wie ein roter Faden durch die Welt und ich kann verstehen, dass es dich beim Reisen behindert, nicht so kommunizieren zu können. Aber wie Nadine ja auch sagt: Schulenglisch wird so schrecklich überbewertet! Ich habe soviel Freunde...studierte intelligente Menschen! ...die drei Worte Englisch sprechen und sich kaum verständlich machen können...da biste mit deinem Satz auf Mauritius ganz weit vorne. Und du wirst ja noch viel reisen, da kommt das dann von ganz alleine, ganz langsam. Musst ja keine Vorträge auf Englisch halten oder sowas. Ach und wenn du noch mehr zu Dubai wissen willst, mail mich ruhig an, ja?! GlG Anne

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    1. Hallo Anne, ich kann nicht russisch! Sie habe es versucht beizubringen, aber an mir ist nichts kleben geblieben. :-)
      Dubai: ich denke, wir lassen es lieber, so bleibt es 4 Tage länger für den anderen Urlaub davor. :-)
      Liebe Grüße

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