Sonntag, 18. Januar 2015

La Réunion - Forȇt de Bebour, Bassin Hirondelles

Bei Burg Murat fahren wir jetzt auf der Straße N3 Richtung Col de Bellevue (1.606 m), Wo wir vor paar Tagen auf der Heimfahrt im Nebel verschwunden sind. 









Dann biegen wir bei dem Dorf La Petite Plaine auf den Weg ab, der in den Forȇt de Bebour führt. Es ist ein Primärwald, wo eine inseltypische endemische Vegetation vorkommt. In dem dichten, undurchgängigen Urwald wachsen auch Orchideen, von denen wir leider keine sehen. 

















Die Schönheit dieser Landschaft und Vegetation kann ich einfach mit Worten nicht beschreiben. Selbst meine Bilder geben nur einen kleinen Teil von dem Gesehenen zurück. Hier fahren wir ein Stück auf der kurvigen Waldstraße. Wir könnten hier zwischen 2-3 Wanderungen wählen, aber wir wollen nicht mehr stundenlang laufen (es ist höllische Hitze). Schließlich wählen wir eine Wanderung, die von hier zu dem Takamka Tal führen würde, aber als Alternative kann man bei der Hälfte zu einem See, zu dem Bassin Hirondelles die Abzweigung nehmen. Das machen wir. 





Hier besteht nur 200 m Höhenunterschied, was wir haben in einem extrem heißen, feuchten, dampfigen Wetter zu bekämpfen. In dem dichten Wald führt am Anfang ein Pfad, welcher mit Holzbretter "gepflastert" ist und von links und rechts begleiten uns bis zur Kopfhöhe wachsende blaue Hortensien und bis zur Hüfte ragende mächtige Callas. Wundervoll und märchenhaft ist es alles. Nach dem Holzbretterpfad wird der Weg extrem rutschig und steil, und geht ständig in Stufen runter, wie natürliche Treppen. Wir müssen uns ständig an Baumzweigen und Wurzeln festklammern, daß wir auf der matschigen Tonerde nicht ausrutschen. Trotzdem schaffe ich einmal richtig hinzuknallen, aber ich verletze mich nicht.  



















Wir gehen ziemlich viel abwärts, zeitlich genau ¾ Stunde. Wir erwarten einen größeren See mitten in einer Weide, irgendwie so haben wir es uns vorgestellt, aber wir finden einen ganz kleinen grünen See, besser gesagt eine Ausbreitung eines kleinen Baches. So sind wir etwas unsicher, ob es wirklich der See ist, wo wir hinwollten, aber kein Pfad führt von hier weiter.
Wir sind vollgeschwitzt und aufgekocht von der Hitze und nichts kann uns zurückhalten in diesem See zu baden - nackig. Badesachen haben wir nicht dabei und kein Menschenkind ist in der weiten Umgebung, also nichts spricht dagegen. Wir ziehen uns aus uns springen in das eiskalte Wasser, was in seiner tiefsten Stelle auch nur höchsten 2 m tief ist. Das Wasser ist kristallklar, nur unten die Steine sind mit einer ekeligen grünen schleimigen Algenschicht bewachsen, den Kontakt mit denen versuchen wir zu vermeiden und schwimmen auf die andere Seite rüber.










Wir schwimmen auf die andere Seite und dort ziehen wir uns auf einen Fels rauf. Das Wasser war schockierend eiskalt, zum Schluß dachten wir, wir halten gar nicht mehr aus, und bald bekommen irgendeinen Krampf. Der Fels ist sehr heiß und die heißen Sonnenstrahlen tun jetzt so gut. Ein wunderschönes Gefühl ist es. Hinter uns fließt der Bach in mehreren Wasserfällen weiter hinab. Platonische, märchenhafte, unbeschreibliche, unfassbare Extase ist es. Ein Gipfelpunkt in dem Urlaub! So einen Ort haben wir bis jetzt nur in Filmen gesehen und wir haben über so was nur geträumt. Und jetzt hier zu sein, und nackig, ungestört da stehen, ist einfach mehr als perfekt.
Als wir dann zurückschwimmen, hören wir Gerede von dem Wald. Bald kommt ein älteres französisches Paar an. Sie schauen total gestört um, sie wissen nicht, wo sie hinschauen sollten. Schämend drehen sie sich schnell in die andere Richtung. Uns stören sie nicht. Wir müssen aus dem eiskalten Wasser heraus und da wir nichts zum Abtrocknen haben, müssen die anderen den Anblick unserer nackigen Körper noch lang ertragen, weil wir uns mit der Sonne trocknen lassen und es dauert eine Weile. Danach ziehen wir erneut unsere vollgeschwitzten und nicht gerade gut riechenden Sachen an :-) und essen gemütlich unser Pausenbrot. Langsam müssen wir zurückwandern, wir würden aber gerne noch ewig lang hier bleiben. Das eiskalte Wasser hat unsere Körper so gut abgekühlt, daß es uns auf dem Rückweg in der dampfigen Hitze noch lange ein frisches Gefühl spendet und wir schwitzen kaum. Es war ein wundervolles Erlebnis!



Bald bekommen wir Bärenhunger und halten noch bei einem Picknickplatz an, unser zweites Brot zu essen.


Unser Abendessen ist wieder Pizza und Salat. Danach erscheint auf dem Balkon wieder die Riesenspinne, wie an dem zweiten Tag. Die Sorte heißt Babouk, wie ich es von meiner ungarischen Bekannte erfahre, die auf der Insel lebt. Sie soll nicht gefährlich sein, aber ekelig genug ist sie doch dazu, daß ich total einen Schock bekomme. M. muß sie mit seinem Flip-flop erschlagen. Sie hat auf dem Bauch eine große Eiertasche, woraus dann mini Spinnen ausgrabbeln und ich bekomme hysterische Panik, daß diese kleinen Wesen überall in unsere Sachen grabbeln würden und wir sie so mit nach Hause nehmen und irgendwann kommt so ein Monster aus meinem Kleiderschrank raus. Schon seit dem Skorpion kontrolliere ich täglich unsere geschlossenen Schuhe: ich schüttele sie, haue sie zu dem Boden, lange mit einer Gabel darein, ob ich einen Bewohner darin finde, bevor wir sie anziehen. Ich bekomme so den Schock, daß ich nachts von der Spinne träume, daß sie auf mir grabbelt und schreie in meinem Traum auf. 
Wir sitzen lang auf dem Balkon und genießen den Abend. Diese Abende sind wunderschön und unvergesslich.









Wir bekommen Besuch auch von anderem komischen Wesen, den finde ich aber lustig und stört mich überhaupt nicht:  

Kommentare:

  1. Wahnsinn, heute geht es wieder hinein in den Dschungel oder besser gesagt, du stehst mittendrin. :-)

    Die Vegetation dort ist wirklich unheimlich üppig und mich begeistert die Blütenpracht überall. Herrlich auch das aufgerollte Farnblatt. :-)

    Fantastisch sind deine Sonnenuntergangsfotos und diese Krabbler unten, die dürfen gerne draußen bleiben, lach.

    Liebe Grüße und dir noch einen schönen Abend, liebe Andrea
    Christa

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    1. Genau diese Blütenpracht hat mich so fasziniert, daß ich einfach alles kaum glauben konnte, daß es überhaupt so einen Ort auf der Erde gibt. :-)
      Liebe Grüße

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  2. Einfach nur herrlich und toll....und dann noch so ein schönes Badeerlebnis. Kann mir sehr gut vorstellen wie es euch gefallen hat, und wer schon einmal so frei baden konnte der weiß wie toll das ist :-) So kann man sich das Paradies vorstellen, gelle^^

    Nicht so schön natürlich das Erlebnis mit der Spinne, vor allem nach dem Zertreten^^ Die Wenigsten wissen ja auch dass man eine Kakerlake nie zertreten sollte, denn da können die Eier am Schuh festkleben und man trägt sie sozusagen von Raum zu Raum und sorgt für Vermehrung :-(

    Ganz ganz tolle Fotos wieder liebe Flögi.

    Hoffe ihr habt euer Wochenende genießen können.

    Liebe Grüssle

    N☼va

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    1. Wirklich, ich konnte mir vorstellen, daß ich so nackert im Dschungel lebe, wie noch manche Völker in Südamerika. Ich bin so ein Naturmenschen, ich kann in die Natur total verliebt sein und damit zusammenschmelzen. Solche Erlebnisse gebe dann für mich so viel innere Harmonie und so....
      Liebe Grüße

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  3. Einfach prächtig!!
    Die ersten Blumen sehen Hortensien ähnlich...vielleicht eine Art davon?
    Schmunzel... ja wenn es ums öffentliche nacktsein geht sind die Franzosen sind so frei wie man denken würde. ;-)
    Das es aber sehr schön war für euch...ein Gefühl von Paradies...ist nachvollziehbar.

    Schöne Bilderreise...danke.

    Liebe Grüessli
    Julia

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    1. Ja, die sind Hortensien, habe auch im Bericht geschrieben.
      Paradies war es pur, auf jeden Fall. :-)
      Liebe Grüße

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