Dienstag, 18. August 2015

Vogelbaby

Am Freitag (7.8.) kam ich abends vom Joggen, da saß auf dem Boden ein Vogelkind, gerade in der Mitte eines Ameisenhaufens und wollten es die Ameisen lebendig auffressen. Es kämpfte, hupfte und schrie, bis es sich befreite und über dem Asphalt einer häufig befahrenen Straße hupfte. Ich wollte ihn unbedingt retten. Hauptsächlich von dem Tod von einem Auto überfahren zu werden oder von einer Katze zerlegt zu werden. Ich war zu aufgeregt und wollte schnell was tun, ich war unüberlegt und lief schnell in die Wohnung raus, nahm paar Gummihandschuhe und deren leer Schachtel und legte den kleinen Kerl darein, der dort dann ganz gemütlich saß und brachte auf meinen Balkon. Mein Mann war nicht daheim. Ich war so ratlos. Ich gab erst dem Kleinen Wasser aus einer Spritze, er tank ganz viel, was kein Wunder in der Hitze war. Dann rief ich bei einem Jäger an, den ich kenne, was man machen kann. Er sagte, ich kann ihn nach Riem fahren, da ist eine Station für Vögel, oder ich kann ihn mühsam aufziehen und alle 2 Stunden füttern. Ich kochte ein Ei, wie er es vorschlug und fütterte mit dem auf mini Stückchen aufgeschnittenen Eiweiß das Vogelkind. Er hat es angenommen. Es war meiner Meinung nach ein Elsterbaby. 
Aber ich blieb verzweifelt, weil alle 2 Stunden füttern, ehrlich gesagt, ich war schon tot müde und wollte ins Bett und lange durchschlafen. Und was ist, wenn nachts mein Mann heimkommt und sieht das (mittlerweile stinkende Vieh) auf dem Balkon? Der kleine hat nämlich schon dreimal Kot entleert und es stank so unheimlich, wie in Island bei den Felsen, wo Möwen genistet haben. Also, erster guter Gedanke: retten, hin und her, es geht nicht so. 
Ich habe danach die Vogelklinik, die zufällig in unserem Ort ist, angerufen, was da zu tun ist und ich hoffte, die nehmen mein Vögelchen auf, dann hätte ich ihn noch dahingefahren. Aber nein. Die ganz nette Dame am Telefon sagte, ich soll den Kleinen dahin zurücklegen, wo ich ihn gefunden habe. Seine Eltern werden ihn auch auf dem Boden weiterfuttern. Okay, so habe ich auch getan, aber ich dachte, es ist der sichere Tod für ihn, denn wie schon früher geschrieben, dort viele Autos und viele Katzen unterwegs sind. 



Das war eine ganz aufregende Geschichte! Und am nächsten Tag traute ich mich nicht nachzuschauen, da er war so süß und ich wollte ihn auf keinen Fall an der Stelle tot liegen sehen. So wusste ich nicht, wie sein Schicksal geworden ist.

Aber zwei Tage später beim heimkommen vom Joggen habe ich schon von weitem gesehen, daß ein kleines schwarzes Ding auf dem Straßenrand liegt. Er war es, tot. :-( 

Kommentare:

  1. Oh wie traurig....
    Ich hätte ihn wahrscheinlich nach *Riem* gefahren. Keine Ahnung ob Vogelpubse so stinkt.
    Mein Herzallerliebster hätte sich mit mir auch Nachts auf den Weg gemacht.
    Meist sind es ja schon Tiere die Krank oder Verletzt sind, wenn sie so aus dem Nest fallen und sich die Eltern nicht mehr drum kümmern. Ja, die Natur kann schon grausam sein.
    Liebe Grüße sende und dir einen schönen Tag wünsche,
    Britta

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    1. Hallo Britta,
      ich kam von Joggen (in 37 Grad) und lief noch eine Stunde lang Wasser von mir runter. Riem ist auf dem gegenüberen Teil von München, als wo ich wohne, mindestens 45 Min. Autofahrt. Ich hätte gerne das Vögelchen gerettet, aber es wäre schon von mir zu für meine Verhältnisse in dem Moment zu viel verlangt und die Frau von Vogelklinik hat mich fast geschimpft, daß es nur so überleben kann, wenn ich zurück lege, also, habe es geglaubt und noch dazu gedacht, daß es Regeln der Natur gibt, die Schwachen schaffen es nicht und es ist so in Ordnung, ich kann doch nicht die ganze Welt retten. Auch wenn erst wollte. Es tat mir natürlich furchtbar leid. Liebe Grüße ;-)

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  2. Moin liebe Andi,
    da bekomme ich gleich Gänsehaut.... das arme kleine Vögelchen.... wie es da so in Deinem Karton sitzt, da möchte man es doch gleich in den Arm nehmen und trösten.
    Ich hätte auch gleich geholfen und es mit nach Hause genommen und dann rum telefoniert. Vielleicht wäre ich auch ins Tierheim gefahren und hätte es dort abgegeben.
    Aber wie Britta schon schreibt, vielleicht war es krank oder als es die ersten Flufversuche gemacht hat hat es sich verletzt... man weiß es nicht.
    Wir haben ja durch Christa schon so einiges trauriges erfahren ...

    Liebe Grüße
    Biggi

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    1. Wie oben für Britta geschrieben, die Natur selektiert selber aus, wer überlebt und wer nicht, da hätte ich mich eigentlich gleich am Anfang nicht einmischen dürfen, sondern alles so lassen, wie es ist.
      Ich habe als erstes eben Christa eine Mail geschrieben, aber sie hat es erst viel später gelesen.
      Liebe Grüße

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  3. Leider ist es in der Tierwelt so aber ich hätte ihn auch nicht da so einsam liegen gelassen nahja du hast es probiert!
    Nicht alle können überleben nur die Starken!
    Lieben Gruss Elke

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  4. Liebe Flögi,
    ich kann dir nachfühlen wie es dir ging. Wie oft haben mein Mann und ich versucht früher die Babyamseln welche fast flügge waren zu retten. Vor Katzen vor allem. Wenn Menschenhände die Vögel angefasst haben ist es schwer dass die Vogeleltern es noch annehmen und durchfüttern. Aber auch als wir Handschuhe anzogen und die Heunester auf den Balkon stellten blieben die Vogeleltern selten lange zum weiter füttern.
    Die Natur hat eben ihre eigenen Gesetze und vieles ist für den emotionalen Menschen unverständlich.

    Alles Liebe
    Julia

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    1. Ich habe den Kerl nur mit Gummihandschuh angefasst, er hat wirklich bestial gestunken. Aber die an der Leitung von der Tierklinik sagte, es wäre egal, die sind dafür nicht empfindlich.
      Liebe Grüße

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  5. :( der arme kleine Kerl. Ich kann Dich gut verstehen, ich habe vor einiger Zeit auch einen kleinen Vogel mitten auf der Straße gefunden, er wurde dann vor dem Haus abgesetzt und ich schaute dauernd nach, wegen der Katzen.

    Es dauerte lange und er rief eine Weile, aber irgendwann kamen die Eltern und er schaffte es tatsächlich wieder ins Nest :)

    Liebe Grüße und schöne alltagserinnerungen ;)
    Björn :)

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  6. Ach Mist. Wieviele Viehcher hab ich schon zu retten versucht....Mäuse, Vögel, meistens gehts nicht gut aus. Manchmal aber dann ja doch. Ich hatte z.B. 6 Jahre eine Feldmaus als Haustier, die ich als Baby bei uns im Waschkeller gefunden hatte. Der Typ von der Zoohandlung hat sich damals totgelacht und meinte die wäre eh in 2 Stunden tot, Wildemäuse könne man nicht im Käfig halten. Und mein Bruder...jahhhaa....der hat sogar mal ein Vögelchen in seiner Jackentasche aufgepäppelt. Kein Witz. Irgenwann flog er dann allerdings weg. Da waren wir dann auch traurig. Aber so solls ja sein. GlG Anne

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  7. Ja, das ist eine kleine Elster, liebe Andi und wir hatten uns darüber ja schon ausgetauscht.
    Immer schlimm, wenn man ein solches Tier findet und nicht weiß, was man damit machen soll. Du hattest nur 2 Chancen, entweder es dort wieder auszusetzen, wo du das Elsternkind gefunden hattest oder es selbst per Hand aufzuziehen.
    Die kleine Elster hätte auch keine Tierauffangstation wohl genommen, weil sie nicht mehr vom Bestand her bedroht ist.

    Oh ja, Vogelkot kann enorm stinken, ich kenne das von den Steinkäuzlein, die mir schon oft auf die Jacke gekackt (sorry*g*) hatten.

    Liebe Grüße
    Christa

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  8. Eine sehr traurige Geschichte die mir auch ans Herz geht, und vielleicht war der kleine tote Vogel ja nicht das Kerlchen. Es selbst aufziehen wäre wirklich sehr anstrendend gewesen, das hättest du nicht alleine schaffen können, gerade vom Job her.


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