Dienstag, 22. September 2015

Island - 14. Tag - Landmannalaugar/Teil 1.

Der Wecker geht um 6:20 Uhr. Ich habe nicht viel schlafen können, da hier die Nachbaren schon in der Nacht abgereist sind und vorher länger großen Krach gemacht haben. Unser Bus fährt um 7:45 Uhr nach Landmannalaugar.
Diese ganz einzigartige Berglandschaft  - dank der Erosion unterschiedlichsten Vulkangesteine - spielt in ganz bunten Farben. Es wäre ein großer Fehler gewesen, so von Island heimzureisen, daß wir diese Naturwunder nicht gesehen hätten. Da man in dieses Gebiet nur mit 4-Rad-Antrieb fahren kann, haben wir uns schon weit voraus für eine organisierte Gruppenreise entschieden.
(bei der Internetseite trek.island für 130 Euro pro Person) 
Daß unsere Unterkunft so nah zu dem Treffpunkt ist, war nur ein Zufall. 
Wir erwarten einen Mikrobus mit einem Guide, stattdessen kommt ein ganz normaler großer öffentlicher Bus ziemlich pünktlich, aber ohne irgendwelchen Hinweis, daß es wirklich unserer wäre. Ein 15-16 jähriges Mädchen ist die Begleiterin (öfter haben wir das Gefühl, daß hier Schulkinder in Ferien solche Arbeiten machen), dem zeigen wir unseren Voucher und sie sagt, ja, wir sind hier richtig, sollen einsteigen. Der Bus hält danach bei etlichen Stellen an, daß wir kaum voran kommen und weil kein Mensch uns einen Begrüßungsspruch macht, wird die Sache immer komischer. Es scheint ein ganz normaler Pendelbus zu sein und keine Spuren sind von unserem versprochenen Guide. aber kein Mensch sagt mehr, nicht daß wir nicht öfter nachfragen täten, aber die Antwort ist immer das gleiche, wir sind hier richtig. 

im Hintergrund der Vulkan Hekla von dem Bus unterwegs fotografiert

In der Nähe von Selfoss wird die Hälfte unseres Buses in so einen Geländebus umgruppiert, nur wir sollen wieder hier bleiben. Hier fangen wir an, echt schon Gedanken zu machen, daß wir verarscht worden, niemals kann doch dieser Bus in das Gebiet mit uns reinfahren. Außerdem, wir fahren schon zwei Stunden lang und wie soll davon bitteschön noch auf einmal warmes Mittagessen mit einem Guide werden und danach noch eine 5-stündige Wanderung??? Irgendwas stinkt hier und wir sind sehr unruhig.
Dann fährt unser Bus tatsächlich in dieses Gebiet rein, wo nur sonst Geländewägen fahren, der Weg besteht von weichem Lavasand und mächtigen Schlaglöchern. Irgendwann nach 4-stündiger nierensteinentfernender Reise kommen wir in Landmannalaugar an. Das Mädchen sagt, wann der Bus wieder losfährt, bis dahin kann jeder machen, was er will und wir sind echt verzweifelt, wofür wir so viel Geld ausgegeben haben. 

Nörgelnd steigen wir aus dem Bus und auf einmal steht ein junger Kerl vor uns und sucht nach seiner Gruppe, d.h. nach uns und nach zwei anderen. Den erkennen wir, er hat während der ganzen Busfahrt zwei Sitzreihen vor uns komplett durchgeschlafen. also, er ist unser Guide. Jippi, wir sind doch nicht verarscht. Megasuper Organisation! Wir sind mit einem jungen Paar aus London zu viert für diese Tour. 
Wir fangen mit dem versprochenen Mittagessen an, was nichts anders ist, als was wir schon seit zwei Wochen essen, lauter kalte Sachen aus einer Plastikbox: Aufschnitt, Käse, Nutella, Marmelade, abgepacktes Brot.

Nach dem Essen gehen wir wandern. Ich habe hier irgendwie oft so ein Gefühl, als wenn ich irgendwo in Nepal wäre, aber auf jeden Fall im Himalaya. Diese kieseligen Rinnsale, die von dem schmelzenden Gletschereis entstehen, die kargen schneeigen Berge und der Zeltplatz, erinnern mich alle an Bergsteigerfilme, als wenn es ein Basislager einer großen Bergbesteigung wäre. 






Als erstes schleppen wir uns auf den roten Vulkan, Brennisteinsalda rauf. Am Anfang gehen wir durch Lavafelder und dann über steile Pfade, zwischen stinkenden Fumerolen auf den Berg rauf.  

Ich habe von der Tour so viel Fotos gemacht, daß ich den Bericht auf zwei Teile teilen muß. 





































Unser Rhytmus ist nicht gleich. Der Guide und die zwei Engländer rasen direkt aufwärts, wir zwei bekommen schwer Luft, keuchen viel und haben Herzrasen, daß wir immer anhalten müssen. Außerdem, ich bin hier hauptsächlich um diese Naturwunder zu fotografieren, letztendich bin ich nur ein einziges Mal hier im Leben und es ist mir total egal, was die Anderen machen, ich habe für diese Tour auch einen Haufen Geld bezahlt, so bin ich auch berechtigt soviele Fotopausen zu machen, wie ich will. Das gefällt den anderen natürlich nicht, aber ist mir egal.
Es war absolut ein Blödsinn für diese Tour zu bezahlen. Wir hätten mit dem selben Bus genau so selbständig hier herfahren können. Zum Essen haben wir das gleiche Zeug mitgenommen, als was der Veranstalter hier für Mittagessen genannt hat und diese kleinen Touren kann man hier, wie es auch die meisten machen, locker allein, ohne Guide machen.  Aber man weiß ja nie im Voraus, wie es genau wird. 


















Kommentare:

  1. Nur gut dass du auf dich gehört hast und deine Fotos geschossen hast Rücksicht kanns nicht sein bei diesem einmaligen Erlebnis dass ihr nicht mehr bekommt!
    Ich komme mir vor wie wenn ihr ein Jahrlang in Island ward das ist so viel was ihr jeden Tag erlebt habt .. Power pur .. was für eine Landschaft auf diesem roten Vulkan und ich kanns förmlich hören eure schwerer Atem in der dünnen Luft ....super Aufnahmen sind das!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Danke. :-)
      Gerade heute habe ich die selben Gedanken gehabt. Mir kommt es vor, als es ein wahnsinnig lange Reise gewesen wäre, weil ich eben mit dem Bericht so lange ziehe und kaum bis zum Ende schaffe, und ich möchte schon von so viel anderen Sachen berichten, aber erst eine nach dem anderem...
      Liebe Grüße

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  2. Mal wieder ein guter Tipp von dir die Finger davon zu lassen, also von der überteuerten gebuchten Tour. Finde ich persönlich schon eine Frechheit soviel Geld dafür zu verlangen. Wärd ihr alleine wirklich besser dran gewesen, gerade weil dann niemand hetzt. Ist ja leider immer so bei Touren...eine Zeit wird eingeplant und wehe es sind dann so "Fotoverrückte" wie wir mit dabei ;-) Mal gut dass du dich hast nicht stören lassen, denn die Fotos zeigen wie fantastisch, fast unwirklich die Region ist. Bei manchen Aufnahmen denkt man an Gemälde. Echt toll!!!!

    Liebe Grüsse

    N☼va

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    1. Wenn man im voraus zu wenig Infos hat und ein bißchen ängstlicher ist, wie wir sind, dann traut man sich oft nicht einfach irgendwo ohne Kenntnisse reinzufahren und auf eigene Faust Touren zu machen. Erst dort haben wir es erfahren, wie einfach es gewesen wäre. Wir hätten einfach ein Busticket uns gekauft und dann am Ort eine kleine Wanderkarte und so....Liebe Grüße

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  3. Man weiß halt im Voraus nicht, was solche geführte Touren wirklich zu bieten haben. Im Nachhinein ist man immer schlauer.
    Aber ein guide sollte, das ist meine Meinung, schon Rücksicht auf die Teilnehmer und auch auf ihre Bedürfnisse nehmen.
    Zum Glück hast du sie eingefordert, sonst wären diese tollen Aufnahmen wohl nicht entstanden.:-)

    In punkto Verpflegung war diese Reise ja nicht gerade das Gelbe vom Ei. Aber was soll man machen, wenn es nichts anderes gibt.

    Liebe Grüße
    Christa

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    1. Ja, es wussten wir auch im Voraus, daß mit Essen und insgesamter Verpflegung während dieser Reise nicht auf Lusxusnieveau gehen wird. Aber in einem Angebot ein Mittagessen reinschreiben und dann es eigentlich als ein Frühstück präsentieren finde ich einfach Frechheit.
      Liebe Grüße

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  4. Was für ne Tour! Ich weiß nicht, ob ich dafür nicht zu bequem wäre. Aber die Landschaft! Der Hammer! GlG Anne

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    1. Oh, die Wanderung selbst war nicht zu groß. Da machen wir viel größere und anstrengendere Touren in den Alpen, wenn wir da mal für Tagesausflug hinfahren. Liebe Grüße

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