Montag, 5. Dezember 2016

La Palma - Sturm und Playa de Nogales

Gegen 6 Uhr weckt mich ein Sturm. Es blitzt, donnert, der Regen klopft laut auf dem Dach und die Windböhen stoßen die Eingangstür so stark, daß ich denke, da versucht jetzt gerade jemand reinzukommen. Aber außer unserer Hausmieze will niemand rein. Der Wecker war auf 6:30 heute eingestellt, da wir auf den höchsten Berg wollten, aber ich stehe schon auf, um nachzuschauen.
Wir planten heute schon um 9 Uhr bei dem Roque de Muchacos (2.426 m) oben zu sein, da (wie wir es auch von Teneriffa kennen) die unteren Teile der Insel meistens gegen 10 Uhr bereits mit Wolken bedeckt sind und so kann man von oben außer dem weißen Wolkenteppich nichts anderes sehen.
Es ist nicht nur ein Regen, es ist ein richtiger Sturm und ich habe Zweifel, ob wir überhaupt heute aus dem Haus können. Ich mache trotzdem unsere Tagessandwiches fertig und wecke dann M. Der schaut heraus und sagt, was will ich und grabbelt gleich ins Bett zurück. "Komm, lass uns weiterschlafen."
Aber ich habe schon gefrühstückt und könnte nicht mehr einschlafen. Schade. Es ist auch eiskalt.In einer Sturmpause, wo sogar der Wind aufhört und kurz die Sonne sich zeigt, sehe ich heute auch den Teide.






Unser kleiner Hauswächter spitzt ihre Ohren und warnt uns, wenn Gefahr käme.


Ich bin unruhig, kann mich allein nicht beschäftigen, so treibe ich M. doch aus dem Bett raus. Gegen Mittag hört der Sturm auf. Aber kurz vorher hat der Wind den Regen so stark von rechts auf unsere Hauswand getrieben, daß der Regen in Bächen durch Küchen- und Badfenster schon auf den Boden läuft. Auch im Schlafzimmer tröpfelt es an einer Stelle aus dem Dach. Kein Wunder, daß dieses Haus so feucht ist, daß unsere Handtücher nie trocknen, sogar unsere Klamotten, die im Schrank liegen, sind alle total feucht und schimmelig stinkig.Wir haben keine Wischlappen, womit wir das Wasser aufwischen könnten.

Als der Sturm endlich genügend nachlässt, entschlossen wir uns nach Santa Cruz zu fahren, wir wollen den Tag nicht verschwenden lassen und wollen nach frischem Fisch suchen, den wir im Lidl nicht bekommen haben. Das kann doch nicht sein, daß wir einen Kanarenurlaub ohne Fische verbringen.
Unterwegs sehen wir mehrere Steingerölle auf der Straße, sogar ist sie auf auf mehreren Stellen gesperrt, wo die Feuerwehr aufräumt. Ich kann mir es vorstellen, wie gefährlich es sein kann, wenn man mit dem Auto unterwegs ist und diese teilweise staubsaugergroßen Steine auf die Straße fallen. Ich möchte es nicht erfahren.

Die großen Geschäfte liegen auf der Avenida del Puente. Von oben kommend erst der mächtige HiperTrebol und kurz danach der HiperDino und zum Schluß die kleine Markthalle. In allen drei gibt es frische Fischtheke und wir kaufen für mehrmal Essen Fische ein.
Die Markthalle ist ein Witz, so klein ist sie und hat nur paar Stände, mit hauptsächlich für Touristen gedachten Waren.Unter der Halle und lang gezogen der halben Stadt liegt eine sehr erdrückende Tiefgarage.


Zu Hause essen wir die Reste von dem Kaninchen von gestern und gegen 14 Uhr entschließen wir uns für eine kleine Wanderung, direkt von unserem Haus aus. Auch hier laufen einige Wanderwege, die gut ausgeschildert sind.
Unser Haus liegt etwa 350 Meter über dem Ozean und die Straßen die hinab führen sind manchmal 45 Grad steil. So laufen wir zum Playa de Nogales los.Unsere Wege führen zwischen Bananenplantagen.








Als wir diese Häuser (unten auf dem Bild) erreichen, biegen wir links ein und aus dem Hof des nächsten Hauses, rennen auf einmal 6 Hunde gegen uns. Wir haben im grundegenommen beide Angst vor Hunden und diese sind diese kanarischen Jagdhunde, sog. podenco canario (klick auf das Wort und sehe Bilder davon in wikipedia). Flachhund :-) Die schauen aus als ob sie seitlich zusammengedrück wären, mit spitzen Ohren und Vampierzähnen und ihre Köpfe erinnern uns an Kampfhunde, die uns jetzt zerreisen werden. 
Es sind nicht alle diese Sorte, sind auch anderen dazwischen, aber ehrlich gesagt, ist es mir egal, ich weiß nicht, was passieren wird, ich stehe dort, meine Beine lassen Wurzel in den Boden wachsen und mein Herz hört fast zum schlagen auf. Ich stehe dort und sehe schon mein Ende vor meinen seelischen Augen. Als der erste mich angreifen will, schreie ich ihn völlig histerisch an, "Nein, stehen bleiben!" und zeige ihm meinen ausgestreckten Arm mit der nach oben und vorne schauenden Hand, wie ein Stoppschild. Dies alles läuft unbewusst so ab. Dann bleibt er stehen, knurrt und bellt mich an, steht noch in Angreiferposition, aber überlegt sich was. Währenddessen laufen schon die restlichen Hunde alle auf M. zu und er geriet völlig in Panik und wehrt sich mit kämpfendem Fußtreten ab. Ich habe Totesangst und ich will es gar nicht zusehen, wie dieses Rudel meinen Mann zerfetzen wird und danach mich. Ruhe! Ruhe bewahren! Denken!
Ich schreie M.an, er soll auf gar keinen Fall die Hunde treten, desto agressiver werden sie, er soll versuchen ruhig zu bleiben und langsam rückgehen. Es dauert einige Schreie von mir, bis es ihm durch die Wolken von Panik bis zu seiner Vernunft ankommt und er wird auch ruhiger. Ich schrei weiterhin die Hunde an und versuche es irgendwie denen zeigen, daß ich hier der Boss bin. Zum Schluß bleiben alle stehen, sie bellen und knurren uns sehr an und scheinen in jeder Sekunde auf uns zu springen, und wir fangen an, lagsam, paar Schritte rückzugehen, und als wir schon weit genug sind, drehen wir uns um und gehen erst langsam, dann schneller von der Stelle weg. Sie bellen noch lang nach uns. Unser Blut ist gefroren worden. Wir sterben fast vom Schreck, unsere Hände und Beine zittern noch sehr lang und unsere Herzen rasen so schnell, daß ich denke, ich bekomme bald Herzinfarkt. Gute halbe Stunde vergeht, bis wir uns wieder erholen und beruhigen können. Ich will nicht daran denken, was gewesen wäre, wenn die Hunde uns angreifen. Mit diesen Gedanken völlig aufgewühlt und ängstlich vor neueren Vorkommen gehen wir weiter und suchen ständig nach Ästen, die man als Stöcke, als Schutz benützen könnte.





Langsam bekommen wir Blicke auf die Küste:








Wir erreichen einen Aussichtspunkt:





Dann kommen wir über eine extrem steile Straße in einen Pakplatz an, von hier führt noch ein langer Pfad entlang der Felswand zu dem schwarzen Lavastrand. Auf dem Pfad liegt öfter Geröll, das macht uns unruhig, da wir Gedanken machen, daß es sich jede Zeit wiederholen kann und kann sich was aus der Felswand auslösen und auf uns fallen. Wir sind vorsichtig und gehen so schnell, wie möglich.





Es schaut aus, wie das Innere eines Kraters, viellecht war es auch. Unten kann man in einen Lavatunnel reinschauen.
















Die Brandung ist stark. Nur ein Surfer und ein badendes Paar sind im Wasser. Wir setzen uns hier auf einen Stein und schauen zeitlang die Wellen an. Während dessen fällt ein Meter neben mir ein Stein von der Felswand runter.



 


Auf dem Rückweg gehen wir sehr langsam vorwärts, er ist extrem steil. Wir wissen schon im Voraus, daß wir bei den Hunden vorbeigehen müssen und haben schon sehr große Angst, wie es wird. Wir haben zwei Zweige gefunden, die wir als Stöcke, als Schutz benützen können, zwar sind sie dünn und schwach, aber besser als gar nichts. Wir besprechen, daß wir dort an der Stelle sehr leise ohne ein Wort vorbeischleichen werden, dann merken uns die Hunde vielleicht gar nicht und wenn sie uns erneut angreifen, dann wehren wir uns mit den Stöcken. Wir haben Glück, wir sehen nur einen Hund auf dem Boden liegen, aber mit dem Rücken zu uns und der merkt uns nicht.

Öfter sehen wir solche Wespenspinnen, 
die große ist die Frau und die kleine ist der Mann :-)







Der Weg nach oben ist sehr anstrengend, wir werden garantiert großen Muskelkater bekommen. Aber die kleine Tour war sehr schön und wir freuen uns, daß wir was getan haben und den Tag nicht komplett verschwendet haben.



abends grillen wir natürlich wieder



aber keine Katze :-)


Kommentare:

  1. Schon mutig von euch nach solch einem Wetter und ja auch Warnung der Regierung (Aviso) dennoch so eine Wanderung zu unternehmen. Es kann nämlich wirklich viel und schnell was passieren, schon allein weil der Boden rutschig und unberechenbar ist. Ich persönlich würde es nicht machen und warne auch die Gäste immer. Selbst Tage danach gibt es noch Abgänge und es finden Rettungsaktionen statt.

    Zu den Podencos hatte ich ja schon etwas geschrieben, aber wenn ihr Beide dann auch noch ängstlich seid dann haben die es bestimmt auch gespürt.

    Mittlerweile auch sozusagen über Gespräche noch mehr "Auswanderer" von dort "kennengelernt" höre ich es immer wieder wie "relativ einsam" es dort ist. Mal hin und anschauen ja, aber leben möchte ich dort auch nicht, schon alleine aufgrund der Versorgung und des Angebotes nicht. Da ist Tenerife doch als Insel wesentlich angebotsfreudiger.

    Liebe Grüsse

    N☼va

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    1. Hallo Nova,
      das musst du aber wissen, daß wir von solchen Gefahren im Voraus nicht wussten. Wir wussten von keinerlei Warnung (darum haben wir uns am nächsten Tag sehr geärgert - späterer Bericht, warum die Bergstraßen zu sind). Für uns war es ein ausgiebeger Regen, wonach man ganz normal alles machen kann, wir kennen so was halt nicht, daß da die halben Berghänge runterkommen. Wurde es uns erst in den nächsten zwei Tagen bewusst, als wir mehrere solche Sachen geseen haben.
      Auf dem Schild war ein Schwimmender und Notruf, mehr Blick haben wir auch nicht darauf geworfen, da schwimmen wollten wir nicht, das wussten wir schon, daß es dort zu gefährlich wäre.
      Es kann schon gefährlich gewesen sein, sehe ich auch so, aber wie ich es schon öfter dir geschrieben habe in anderen Themen (wie Barranco Infierno), wir wollen was erleben und ein bißchen Risiko hält uns von bestimmten Sachen nicht zurück, sonst brauchen wir gar nicht mehr auf Urlaub zu fahren. ;-) Natürlich, wenn was ernstes passiert, wäre Scheiße, aber wer nicht wagt, erlebt auch nichts.
      Liebe Grüße

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  2. Ich bin froh, dass diese Wanderung gut für euch ausgegangen ist, denn ganz ungefährlich war sie ja nicht.
    Sicherlich gehört auch ein wenig Abenteuer zu einem Urlaub, aber wenn dann etwas passiert, bringt man auch andere in Lebensgefahr, wenn sie retten müssen.

    Das soll jetzt kein drohender Zeigefinger von mir hier sein! Aber man sieht und liest immer wieder, wie Leichtsinn sich auswirken kann.

    Trotz allem, hast wieder tolle Bilder im Gepäck. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

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    1. Hallo Christa,
      ich sehe es anders. Es war ein ganz normaler Weg und kein Wanderpfad oder so was. Wenn man ständig wegen alles Angst hat, dann darf man gar nicht aus der Wohnung gehen, weil auch dann kann was passieren und noch weniger auf Urlaub gehen, weil schon mit dem Flugzeug was passieren kann usw. Auf diesem Weg fallen Steine auch anderes mal runter, also, dann dürfte den Weg gar nicht geben und sollte gesperrt sein, oder gar nicht gebaut sein...
      Was wir immer machen, steht sehr weit weg von Extremitäten, es sind ganz normale Sachen, die auch andere ganz normalen Menschen machen.
      Man kann doch nich ständig in alles nur die Gefahr sehen. ;-)
      Liebe Grüße

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  3. Liebe Flögi,

    da ist jetzt aber ein kleiner Widerspruch..."nicht in allem gleich die Gefahr sehen", denn wie du selber schreibst waren ja doch auch Gedanken von dir vorhanden "was wäre wenn so ein Stein fallen würde...usw." Somit denkst du doch auch schon daran, und bezüglich des Barranco Infierno hast du ja mal geschrieben dass du trotz Absperrung auch den Weg reingehen würdest, wie es ja auch andere Urlauber leider immer wieder mal machen.

    Grundsätzlich gilt (wie schon oft in meinem Blog erwähnt): nach Regenfällen muss man immer mit Gefahren rechnen und es sollten Wanderungen vermieden werden, und wenn man schon Abgänge sieht sollte man nicht weitergehen und den Rückzug antreten.

    Klar, es kann immer was passieren, schon allein wenn ich auf eine Leiter steige, und Steine können immer fallen, aber man kann es schon ein wenig steuern und sollte abwägen.

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