Samstag, 24. Juni 2017

Seychellen - Teil 12. / Mit dem Fahrrad unterwegs auf La Digue

10. Tag

In der Nacht hat es viel geregnet, und heute früh ist die Luft so klar, wie noch nie in diesem Urlaub, man hat weite klare Blicke. Wir haben nicht eilig, machen uns erst gegen 10 Uhr mit dem Fahrrad auf dem Weg um die nördliche und östliche Seite der Insel zu entdecken. Der Weg hört dann in der Mitte des Ostens nach Süden auf. Es ist wieder extreme Ebbe.
















Wo der Weg aufhört, kann man nur Felsen besteigend weiterkommen. Einheimische haben weiße Pfeile auf die Felsen gemalt. Auf diese Weise könnte man irgendwann den Anse Cocos erreichen. Wir geben es aber schnell auf! Die Felsenkletterei ist für uns zu riskant und schwer, wir kommen während einer halben Stunde kaum 50 Meter weiter, dieses auch in Schweiß badend und ratlos, wo der Weg weiter gehen soll. Oft sind zu große Höhenunterschiede zwischen Fels und Fels, wir schaffen nicht da uns hochzuziehen, unter uns ist nur die tiefe Spalte. An einer Stelle geht gar nicht mehr, nicht nach vorne, aber auch nicht zurück. Ich bekomme richtige hysterische Panik, und wir brechen die Tour ab. Auch wenn wir es noch zu dem Strand schaffen würden, müssten wir den Weg zurück auch finden und schaffen, das scheint mir über meine Kräfte zu liegen. Wir grabbeln durch Felslöcher runter zum Meer und laufen verzweifelt schnell die 50 m zu unseren Fahrrädern im Wasser zurück, weil langsam die Flut kommt.

Danach meldet sich schon der Hunger und wir fahren zu dem Gala take away, dort kann man draußen im Garten unter Sonennschirmen essen. Beide essen Fisch. Das Essen schmeckt uns hier jedes Mal und ist auch billig. Dort schließen sich das andere deutsche Paar an uns an, die wir von dem letzten Tag von Praslin, von dem Bootsausflug kennen.



Danach entschließen wir uns für den höchsten Punkt der Insel, für den Belle Vue Aussichtspunkt. Aber vorher halten wir noch bei dem kleinen Naturschutzgebiet (Veuve Reserve) an, wo man außer paar interessanter Pflanzen und Bäumen mit Glück Seychellen-Paradiesschnäpper sehen kann. Und wir sehen auch welche, nur wir wissen noch nicht, daß es sie sind, sie sind so klein und unauffallend. Diese Vögel haben hier ihr letztes Brutgebiet auf den Seychellen, sonst sind sie schon wo anders ausgestorben. Der Park an sich ist nicht sehr interessant und wir flüchten schnell wegen den Mückenattacken weg.





Danach fahren wir entlang der Straße, die in der Inselmitte führt und sehen ständig haufenweise Flughunde, die wir lange beobachten.




Dann kommt der mörderisch steile Weg auf den Berg, wo wir die Fahrräder nur mit Qual schieben können und literweise Wasser verlieren, daß wir fast schon aufgeben wollen. Aber wir schaffen es nach oben. Nach dem Restaurant geht es aber nur noch auf schmalen Waldpfad weiter und da wir Flip Flops anhaben und es beginnt zu regnen, gehen wir doch nicht weiter bis zu dem Gipfel der Insel. Der Ausblick lohnt sich in so trübem Wetter sowieso nicht.






Als wir von dem Berg runterrollen, führt unser erster Weg zu einem Supermarkt, wo wir kalte Getränke kaufen. Danach gehen wir baden zu der Bucht, welche nach dem Friedhof liegt und in der früh kein Wasser drin war.  Die ist jetzt gut geeignet zum Baden. Eine Stunde bleiben wir noch, dann beginnt schon die Dämmerung. Auf dem Heimweg wollen wir Seybrew Bier kaufen, aber es gibt nirgends mehr, komplett ausverkauft, so ist es jeden Abend, wenn man zu spät kommt. Wir bekommen nur irgendwelches Malzbier, eine Dose für 5 Euro und es schmeckt schrecklich schlimm.


Hier oben der Strand, wo wir baden, und unten der selbe heute früh:





Nach dem Duschen gehen wir erneut ins Gala zum Abendessen und essen Hamburger.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Seychellen - Teil 11. (Tour Anse Marron - Eroberung des Paradieses)

9. Tag

Wir stehen um 6:45 auf und essen im Zimmer. Das Frühstück mussten wir am vorherigen Abend auf Tablett zusammengestellt ins Zimmer mitnehmen. Wir können aber kaum essen und packen zwischen Toastbrote Scheiblettenkäse zum mitnehmen.
Die Zeit rennt von uns, wir müssen uns beeilen, wir treffen uns mit dem Guide und der Gruppe um 8 Uhr bei dem Helikopterlandeplatz, welcher gut 10 Minuten weit von uns zu Fuß liegt.



Wir sind zu zwölft: 5 deutsche Paare und ein Paar aus Brasilien. Wir machen uns mit Andreas, Roberts kleiner Bruder auf den Weg. Er ist unglaublich höflich, er sagt sogar Sir und Madam zu uns.  ;-) Sein Erzählstil, sein Wissen, seine Vorsichtigkeit erzählen von einem Perfektionismus, was uns gut gefällt.
Ich habe schon viel über diese Tour gelesen und recherchiert, trotzdem soll es noch ein Geheimtipp bleiben und ich würde niemandem empfehlen es versuchen alleine zu machen. Aber darüber noch später. Ob man nur den Strand Source D' Argent besucht oder eben mit einer Gruppe dort durchwandert, man muß immer durch den Park L' Union Estate gehen (Eintritt 100 Rupien/6 Euro pro Person). Wir zwei gehen dort auf einer anderen Weise rein (darüber auch später) und treffen unsere Gruppe weiter hinten in dem Park. Drei lustige streunende Hunde folgen uns, die bei der Ebbe im Wasser rumhupfen und spielen.







Der L' Union Estate war eine Farm, die ein Deutscher in den 1970-er Jahren gekauft hat und es hat für etwa 350 Menschen Arbeitsplätze gegeben. Mittermayer hat viel Gutes für die Insel getan, so wie eine Hafenmole, Wasserleitungen und ein gut ausgerüstetes Inselkrankenhaus gebaut. Trotzdem hat der Ministerpräsident der Inseln ihn unerwartet enteignet und seitdem kann man in dem Park den Prozess der Kokosnussverarbeitung anschauen.

Es ist bewölkt und ab und zu nieselt es, ich habe Sorgen, daß der ganze Tag so verläuft und daß ich keinen blauen Himmel zu meinen Fotos haben werde.

Die Tour ist mit Worten unbeschreiblich und mit Bilder unwidergebbar. Was wir alles erleben, kann ich gar nicht alles zeigen, da ich nur bei den Pausen fotografieren kann und nicht auf den spannendsten Wegen.

















Wir gehen im Wasser, dann über Felsen rauf und runter, durch dick bewachsenen Dschungel, durch Felslöcher. Pures Abendteuer und ich kann es nicht oft genug sagen, es soll niemand auf eigene Faust versuchen, man würde sich verirren, verlaufen, oder noch schlimmer, vielleicht in Felsenspalten fallen und sich verletzen!











Wenn wir im Urwald laufen, halten wir oft kurze Pausen, wo Andreas alles erklärt, jede Pflanze, ihre physiologische Wirkung, ihre Heilwirkung, jedes Tier, alles. Sein Wissen ist unglaublich und das alles mit einer sehr höflichen Art. Auch beim Felsensteigen achtet er ständig auf jeden von uns, er frägt oft nach, ob alles in Ordnung ist, er macht auf Wunsch Fotos. Einmalig ist er!





Auf der Insel leben zwei Hundertfüsserarten. den einen sehen wir sehr oft.
Er ist der Riesen-Seychellen Tausendfüsser (Sechelleptus seychellarum), der bewegt sich langsam, frisst Früchte, die auf den Boden fallen und ist nicht gefährlich oder giftig. 

Der andere ist der Orthomorpha coarctata, (seinen Namen finde ich gar nicht auf Deutsch) ist flink, und sein Biss ist giftig, verursacht große Schmerzen, Entzündung und Fieber, aber nicht tödlich. Ich sehe so ein Vieh, wie gerade er unter Laub klettert, fotografieren kann ich ihn nicht mehr, deshalb ein Bild aus Wikipedia. Den kann man in den Tropen überall finden, deshalb Achtung, nicht zu nah gehen!

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Orthomorpha_coarctata




Wir kommen zu einem versteckten Strand an, zum Anse Marron und bis dahin sind die Wolken weg. Als wir aus dem Grün des Waldes raustreten, empfängt uns blendender weißer Sand, blauer Himmel und mächtige Granitblöcke. Dieser Moment ist wie ins Paradies anzukommen! - wo leider wir nicht alleine sind, eine Gruppe ist schon da und sie plantschen gerade in dem Naturbecken.
Ein Naturpool liegt vor uns, der von jeder Seite mit Felsen geschützt wird, nur die Wellen bringen zwischen den Felsen Wasser darein. Das Wasser ist azurblau und kristallklar, allerdings ist nur zum plantschen geeginet. Diesen Ort kann man nur mit einem einheimischen Guide erreichen! Alles anderes wäre mehr als unverantwortlich!














Die Gruppe teilt sich auf, jeder sucht sich einen Schattenplatz, jeder geht auf Entdeckung und jeder fotografiert alles und jenes. Es ist unmöglich ein Bild ohne fremde Menschen drin zu bekommen.
Wir baden und genießen die Schönheit des Ortes, währenddessen Andreas unser Mittagessen zubereitet. Unglaublich, was für Mengen von Obst er mit sich geschleppt hat und unglaublich, was er davon zaubern kann. Jedes Paar bekommt einen mächtigen Teller mit frischem Obst und zwei so reiberdatschiähnlichen Dingen aus Banane und vier Teigtaschen vegetarisch gefüllt (ähnlich wie Frühlingsrollen). 





Vor paradiesischen Kulissen, währenddessen riesige Fregattvögel über unseren Köpfen kreisen, essen wir die Früchte des Paradieses und ich habe ja schon solche Momente im Leben erlebt, aber dieser hier gehört erneut dazu, welcher für immer in mir fest stecken wird, welcher zu den schönsten im ganzen Leben gehört und welchen ich will, daß er nie aufhört.










Jedes Paar zieht sich in sein Schattenloch zurück und verzehrt mit Genuß seinen Obstteller in dem Paradies. Danach brechen wir zusammen Kokosnüsse auf und lernen, wie man sie aufmacht, wie man das Fleisch ausschneidet. Wir waren hier vielleicht zwei Stunden und ich will nie mehr weggehen. Zwischendurch kommt schon die Flut und langsam wird das Wasser wilder und immer mehr in dem Becken, daß man sogar schon schwimmen kann.








Als wir zum Weitergehen bereit sind, erscheint auf einmal Robert mit einem Freund und so gehen wir verstärkt weiter. Als ob die Götter es wüssten, daß wir das Paradies verlassen, geben uns strömendes Wasser aus dem Himmel. Innerhalb Sekunden wird es bewölkt und fängt an stark zu regnen und hört gute halbe Stunde lang nicht auf. Wir fühlen uns wie nasse Hunde. Alles an uns ist nass, in alle unsere Löcher läuft Wasser rein und wir spucken Wasser, aber es stört uns trotzdem nicht. Es ist geil, es ist abenteuerlich, und der Regen ist warm. Hier freue ich mich erneut über den wasserfesten Seesack, da der Rucksack trotz Schutzhülle komplett innerlich nass wird, solang bleiben unsere Sachen, die Kamera in dem Seesack gut geschützt.





Ab hier wird die Tour kein Spielchen mehr. Wir müssen hart über Felsen steigen. Oft sind Stellen, wo man allein gar nicht schaffen kann runterzukommen. Hier herrscht eine tolle Teamarbeit. Einer lässt den einen von oben runter, der andere stützt von unten, der dritte hebt den Rucksack über Felsen. Oft müssen wir durch Löcher kriechen, worein die Wellen reinspülen. Ab und zu wird ein Schienbein oder Knie abgeschürft, manche Hosen zerreisen und manche Sonnenbrillen landen in Felsenlöchern.  Pures Abenteuer und wir genießen es! Es soll wirklich niemand allein probieren! Er würde die Wege, die Schritte nie finden, er würde sich verirren, oder abrutschen und in ein Felsenloch landen. Es ist schon passiert, daß hier Menschen gestorben sind, die es versucht haben.




die Frucht von Schraubenpalmen (Vacoa)





Als der Regen aufhört und die Sonne wieder scheint, trocknen wir schnell. Robert klettert auf Palmen, wie es nichts wäre, wie er nur über eine Leiter laufen würde und holt uns Kokosnüsse runter, die professionell aufgemacht werden. Wenn wir Pause machen, bekommt jedes Paar eine frische Kokos, deren Saft wir austrinken und deren Fleisch wir mit einem schnell improvisierten Holzlöffel auskratzen und essen können. 













Zum Schluß kommen wir zum Grand Anse an. Es ist gegen 16 Uhr, es war eine lange Tour, trotzdem würden wir nie aufhören wollen, weil solche Erlebnisse bekommt man nicht jeden Tag und vielleicht nie mehr im Leben!

Wir haben es tierisch genossen! Es war der schönster Tag unseres Urlaubes und dazu kommt noch, daß wir heute Monatswende haben, was wir nach 15 Jahren noch immer jedesmal feiern, für diesen Tag hätten wir kein schöneres Geschenk bekommen können. Am liebsten würden wir es morgen nochmal mitmachen, aber dafür sind unsere Tage auf der Insel zu kurz.

Bei dem Grand Anse warten wir noch zeitlang auf ein Taxi, was letztendlich ein Pick up LKW ist und wir alle auf seinem Plateau, wie Rindviecher bei dem Transport sitzen. Und es ist auch lustig und cool! Jeder ist euphorisch und glücklich! Wir werden diesen Tag im Leben nie vergessen! Danke für Robert und Andreas!!!

Andreas und Robert

Homepage  von Robert Agnes: www.sunnytrailguide.net
Die Tour hat pro Person 40 Euro gekostet, was wirklich preiswert ist.
Die Jungs haben diese Tour jahrelang herausgedacht, ausgearbeitet, sie haben jeden Schritt in dem Kopf und sie erklären bei jedem schweren Abschnitt im Voraus, wie es weitergeht, wie man treten muß, und sie helfen mit sehr großer Professionalität, damit kein Unfall passieren kann. Jeder, wer sich nicht an diese Ratschläge festhält, ist selber schuld, wenn was passiert. trotzdem fühlen die Jungs sehr große Verantwortung für ihre Gäste und ich kann nur sagen, sie sind fantastisch. Es war fantastisch! Und ich kann die Jungs und die Tour nur weiterempfehlen!