Sonntag, 13. Oktober 2013

Über meinen Ursprung

Frau Hibbel hat mich inspiriert mit ihrem Blogeintrag bzw. mit persönlicher Anfrage bei mir, ob ich nicht über meine Herkunft schreiben möchte. Von einer Seite kann ich schon einiges erzählen, aber von der anderen Seite sind in dieser Geschichte auch sehr viele schwarze Räume.

Meine Großeltern (ja, man hat davon normalerweise vier Stück :-D, aber für mich zählen nur die Oma und Opa von Mutterseite, da ich von der Vaterseite die zwei kaum gekannt habe, wie auch meinen Vater, der kein Interesse an mir gehabt hatte und schon verstorben ist).  

Ich bin bei Oma und Opa aufgewachsen, meine Mutter musste arbeiten, daß wir nicht verhungern (Vater war abgehauen). Es waren die sg. sozialistische Zeiten, in den 70-er - 80-er Jahren, wo ich Kind war. 

Meine Großeltern kamen nach dem ersten Weltkrieg aus Siebenbürgen (heutigem Rumänien) nach Ungarn, in die Hauptstadt und bauten dort ein sicheres Leben auf. Oma hatte 11 Geschwister, von denen noch paar nach Ungarn gekommen sind. Danach durfte man als politischer Flüchtling sehr lang (ich glaube, 30 Jahre) nicht mehr in das Land zurückkehren, woher man weggekommen ist. Also, der Kontakt mit den Verwandten konnte sehr lang nur per Briefwechsel gepflegt werden. 

Meine Großeltern waren wunderbare Menschen, fleißig, hilfsbereit, der Opa war ein "Tausendmeister", er konnte alles bauen und reparieren, hatte ein Hobby, aus Kupfer und Messing hat er wunderschöne Dekosachen gebastelt. Jeder Mensch hat ihn gemocht und verehrt. 


Oma konnte auch alles, von Kochen, Backen, durch Häkel-und Strickarbeiten bis alles, was man sich vorstellen kann. Sie war eine wunderhübsche Frau. 


Die zwei, noch ganz jung, aus dem Jahr 1947:
ich habe sie über alles geliebt

Die damalige politische Lage hat viele Familien zerrissen und man konnte erst ab den 90-er Jahren diese Kontakte wieder richtig pflegen, aber dann starben schon alle von den 12 Geschwistern hintereinander und ihre Kinder, Enkelkinder, Namen, Wohnorte haben wir nicht mehr gekannt. So bin ich heute nur noch zu zweit mit meiner Mutter, währenddessen ich mindestens hunderte Verwandten auf dem Zweig Omas Geschwister habe. Ich habe schon versucht nachzurecherchieren, aber ohne hinzureisen, nur durchs Internet war es für mich unmöglich. 

Ich weiß noch Geschichten, als ich 3 Jahre alt war, wir sind mit unserem Lada Auto mit vollgeladenen Kofferraum nach Siebenbürgen gefahren, mir fallen noch "Erinnerungsscherben" ein, wie ich in Borszék (Bad Borseck auf Deutsch) von dem Haus Opas Schwester rausging und ich dachte die Tannen erreichen den Himmel...und überall konnte man Himbeeren pflücken, aber sie warnten mich, hier leben noch Wölfe und Bären...daß die Zollbamten an der Grenze uns alles weggenommen haben, was wir für die Verwandten schenken wollten, daß auf dem Rückweg den "Napoca" Kognac auf den staubigen Boden gießen mussten, daß wir eine Reifenpanne hatten und ein mächtig langer Nagel war in dem Gummi...ich kann mich an vieles erinnern. Auf jeden Fall es war meine erste und in einem auch meine letzte Reise nach Rumänien. 

Ich werde noch Kindheitserinnerungen erzählen und mit Fotos berichten, aber vorher muß ich noch die Geschichte von Siebenbürgen euch erzählen...in einem nächsten Post.

Mein Mann las es auch und er fand es sehr ungut, über meinen Privaten so viel ins Internet zu setzten. Ich finde es noch nicht so schlimm. 

Kommentare:

  1. Hallo Andrea...

    toller Beitrag, und ich finde es auch richtig klasse, dass Du das alles hier schreibst !

    Das mit Deinem Vater und den Großeltern tut mir wirklich sehr Leid....

    Ich hoffe Du hast einen schönen Sonntagabend..

    Ganz liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Timur, es freut mich, daß es dir gefallen hat. Ich schreibe gerne über mich, in meinem ungarischen Blog auch viel mehr persönliches. Hier habe ich daß Gefühl, es ist nicht so gewohnt und man wird auch ganz schnell verurteilt...Ich habe heute einen schönen Ausflugstag gehabt und werde in den nächsten Tagen mit schönen Fotos darüber berichten. LG

      Löschen
  2. Ich nehme mal an die Sachen auf den Fotos sind noch Handarbeiten von deinen Großeltern. Wunderschön kann ich nur sagen und sie waren ein hübsches Paar.

    Es müssen aber nicht nur solche Dinge Menschen "trennen", schon alleine eine Distanz kann sowas mit sich bringen. So habe ich auch noch viele Verwandte d.h. auch Cousinen, Cousins, Tanten und Onkel...aber glaube mir: ich könnte ihnen über den Weg laufen und würde sie nicht erkennen.

    Liebe Grüssle

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nova, ja es sind echte handgemachte Sachen von den Beiden. Es sind noch sehr schöne Sachen bei meiner Mutter, ich werde mal irgendwann die auch fotografieren. Liebe Grüße

      Löschen
  3. Hey hallo liebe Flögi,

    ich finde sowas sehr spannend, kommt doch meine Familie aus ganz unterschiedlichen Gegenden. Meine Eltern sind zwar schon fast ihr ganzen Leben lang in Österreich (mein Papa ist hier geboren und meine Mama kam mit 10 Jahren nach Ö.), aber meine Großeltern hatten es da schon viel schwerer.
    Auch wenn die Umstände, dass man sein Land verlassen musste, meistens immer sehr schlimm sind, finde ich es heute schön, so viele Orte zu haben, mit denen man etwas verbindet. So gehe ich heute noch immer liebend gern in das Südtirol oder nach Kroatien. :-)
    Liebe Grüße
    Christina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Christina, erstens vielen Dank, daß ich dich bei mir wieder sehe und daß due dich die Mühe nimmst bei google einzuloggen, ich kann es schätzen!!! ;-)
      Na ja, spannend wäre es, wenn ich mal recherchieren würde und die vielen Verwandten entdecken würde und Kontakt aufbauen würde. Aber ich will es gar nicht. Wir haben in dieser Welt kaum Zeit für uns und es fehlt irgendwie nicht, noch hunderte Beziehungen zu pflegen... Liebe Grüße

      Löschen
  4. Oh, liebe Flögi, ich kann Dich nur ermutigen, mehr zu erzählen! Auch wenn viele Geschichten traurig sind, oder gerade deshalb, sollten sie nicht vergessen und daher weitererzählt werden, und ich lese und lerne so gerne so viel, genau dafür sind persönliche Blogs da!
    Also lieben Dank für diesen Einblick und ich bin gespannt auf die weiteren. Und übrigens, Dir ist schon bewusst, dass Du Deiner Großmutter ziemlich ähnlich siehst, oder? Sowohl die Augenpartie und auch in der Mundpartie erkenne ich Dich wieder.
    Und falls Du noch mehr von diesen wunderschönen älteren Fotos hast bist Du natürlich herzlich eingeladen, bei meiner Blogparade mitzumachen (dort muss es nicht ums Reisen gehen, das haben wohl einige nicht verstanden). Deine Geschichten sind jedenfalls sehr spannend, und viele von uns Deutschen haben doch keine Ahnung darüber, wie es in Ungarn (& Rumänien) war.
    LG /inka

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Inka!!! Es hat mir jetzt sehr gut getan, sogar mein Husten wird von deinen Worten besser! ;-) Ich wollte heute einen Eintrag mit alten Fotos aus meiner Kindheit basteln, mal schauen, ob ich es heute noch schaffe, da ich bald wieder in die Arbeit muß...Liebe Grüße

      Löschen
    2. Ja, habe vergessen, ich weiß (und freue mich sehr), daß ich zur Oma ähnlich bin (und nicht zu der anderen Oma von Vater, die nicht gerade schön war). :-) LG

      Löschen
  5. Hast Du deine Suche schon bei RadixForum.com versucht??? Da gibt es auch viele Leute, die leidenschaftlich Stammbäume machen und mit verschiedenen Familien auskennen. Da kann man ungarisch, deutsch und englisch auch schreiben und "Verbindungen" finden.
    Gruß Kavics

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, ich kenne es nicht und will will eigentlich mich nicht tief damit beschäftigen, aber danke dir! ;-) Liebe Grüße, Andi

      Löschen