Mittwoch, 9. August 2017

"Das schwebende Dorf"

Dieser Ort hat seine Geschichte...
Vor 3-4 Jahren erschienen die ersten, mit Fotoprogrammen stark bearbeiteten, wunderschönen Fotos von dem sogenannten schwebenden Dorf an dem Bokoder See (Bokodi-tó).
Schnell ging das Bild um die Welt und besuchten danach viele Fotografen den See und wurden soziale Netzwerkseiten, Magazine und Fotowettbewerbe voll mit traumhaft schönen Fotos von diesen Holzstegen, an deren Enden kleine Wochenendhäuschen von Fischern stehen. 

Der Bokoder See war als Kühlsee für das daneben stehende Bokoder Kohlenwerk hergerichtet. 
Solang, daß das Kohlenwerk funktionierte, fror sein Wasser im Winter nicht zu und zog der See viele Angler zu sich, die hier ein ganzes Dorf von Pfalbauten gebaut haben. 



Kaum ein Mensch kannte vor diesen ominösen Foto den See und schon ist er eine Touristensehenswürdigkeit geworden. Angeblich sind sogar Touristenbusse dahingefahren, 
viele Fotografen und frisch verheiratete Paare "tanzten" auf den Stegen herum, bis es für die Menschen, die dort ihre Ruhe suchten, zu viel geworden ist und haben sie dort eiserne Tore, Schilder mit "Privatgrundstück nicht betreten" und Kameras hergerichtet. 
Das alles wussten wir nicht, als wir den Weg zu diesem See suchten...
 






Wir parkten das Auto hinter einer Brücke, an dem Seeufer und gingen dort mit Hilfe des GPS des Handys auf einer staubigen Piste durch Kieferwälder los. Unser Ziel war noch gut 2 km weit weg, an der anderen Seite des Sees und kein Weg ging direkt an dem Ufer entlang. Eine nette Frau nahm uns mit ihrem Auto auf und fuhr uns ein Stück mit, sie war auf dem Weg ihren Mann nach dem Angeln abzuholen. 
Aber wo sie uns raustat, fanden wir wieder gar keinen direkten Weg zu den Stegen. 
Wir fragten Menschen in Gärten, die aber ziemlich unfreundlich waren und uns sogar falsche Hinweise angegeben haben. Man kann sich dort leicht verlaufen, die Wege sind wie ein Labyrinth. 
Schließlich fanden wir paar Stege mit Holzhäusern, aber nicht die, die auf den berühmnten Fotos sind, die waren von hier noch weit weg. 




Ich machte zwei Bilder mit dem ND-Filter und kam schon jemand.
Wir hielten es besser, hier wegzugehen, bevor jemand mit uns böse wird und bevor die Dunkelheit eintritt und wir uns verlaufen würden, da die Batterie im Handy bald leer war.  

Mein erstes Foto ist ziemlich nichts sagend, nicht vergleichbar, mit bekannten Bildern von hier. 
Jeder erzählt, die Fotos sind immer stark bearbeitet. 
Ich benütze Fotobearbeitungsprogramme wegen fehlenden Kenntnissen nicht oder kaum, 
das war hier mein erster Versuch, sowas zu erreichen, was ich mir vorgestellt habe.
Also, das zweites Bild ist identisch mit dem ersten, nur stark nachbearbeitet von mir:



Dann haben wir uns schnell auf den Rückweg gemacht, weil es schon gedämmert hat. 
Unterwegs hielten wir noch oft zum Fotografieren an, aber immer stand was im Weg, was den freien Blick nicht erlaubt hat.



























Es war abenteuerlich und interessant, aber auch Enttäuschung.

Und irgendwas muß ich noch erzählen.
Auf dem Weg nach Tata an einer sehr befahrenen Landstraße stand auf einmal ein riesiger Hirsch an dem Straßenrand. Er war so groß wie ein Pferd und hatte mächtiges Geweih.
Wir haben noch nie im Leben einen Hirsch überhaupt freilebend gesehen!
Es war Glück, daß er nicht vor unser Auto gesprungen ist,
er hat sich umgedreht und ist ins Gebüsch gesprungen.
So ein mächtiges schönes Tier zu sehen, war für uns schon allein ein großes Erlebnis.

Kommentare:

  1. Auch wenn sowas natürlich ärgerlich ist, man kann die Menschen auch verstehen wenn sie sich ihre Privatsphäre schützen wollen. Sind ja nicht alle Besucher immer rücksichtsvoll und ich könnte mir auch gut vorstellen dass sie einfach überall ebenfalls reingehen wollten bzw. durchs Fenster gucken. Sowas muss man nicht haben. Noch nie von gehört war es sehr interessant und klasse Aufnahmen hast du davon mitgebracht.

    Dein Erlebnis mit dem Hirsch war ebenfalls klasse. Ist auch einfach nur schön wenn man Tiere in der Freiheit erleben kann. In CDN habe ich es auch genießen können am frühen morgen mit Kaffee draussen zu sitzen und Deer und Co zu sehen, und mit mein beeindruckenster Moment war ein Braunbär in den Rocky Mountains.

    Hier würde ich ja gerne mal ein Mufflon sehen, aber bis dato noch kein Glück.

    Liebe Grüssle

    N☼va

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    1. Ja, von beiden Seiten ist Recht dabei, einer will es sehen und fotografeieren, anderer will seine Ruhe haben. Schwierig, da einen mittleren Weg zu finden. Liebe Grüße

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  2. Liebe Flögi, das ist die Gefahr, wenn man ein bekanntes, schönes Foto im Sinne hat und selbst ein ähnliches möchte...
    Ich kannte bisher keines dieser Bilder und mir gefallen Deine Fotos super! Vor allem finde ich, dass es wirklich sehr viele unterschiedliche Blickwinkel, Stimmungen, Ansichten und Aufnahmen sind.
    Würde der Wald nicht so "Europäisch" aussehen, könnte man fast meinen, die Hüttchen stehen irgendwo in Südostasien oder Südamerika über dem Wasser ;-)
    Liebe Grüsse, Miuh

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    1. Genau, auf den Bildern, die so bekannt sind, sehen die Holzhäuschen aus, wie in der Südsee wären.
      Liebe Grüße

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  3. Was für eine interesante Konstruktion. Besonders beim Sonnenuntergang. Tolle Bilder!

    Mersad
    Mersad Donko Photography

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  4. Mir gefallen die Bilder sehr gut, auch unbearbeitet!
    Und ich kann die Leute dort sehr gut verstehen. Schade, wenn sowas einfach zum Touri punkt wird.

    Liebe Grüße

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    1. Tja, schade für uns Fotografen, die dort hinmöchten.
      Liebe Grüße

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  5. Trotzdem hast du ganz fantastische Bilder mitgebracht!!!
    Es ist immer schade, wenn aus ein paar Touristen plötzlich ganze Busladungen werden. Da kann ich die Anwohner auch verstehen, besonders wenn unvernünftige Touristen auch noch ihren Müll zurücklassen oder sich sonst wie unmöglich benehmen. Schade, dass es so weit gekommen ist.
    Aber über die Bilder habe ich mich sehr gefreut.

    Liebe Grüße
    Arti

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    1. Danke Arti, ja klar, hat man Vertändnis, aber trotzdem total schade.
      Liebe Grüße

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  6. Liebe Andi,
    ich finde deine Bilder fantastisch - egal, wie die anderen Fotografien von dort aussehen, meiner Meinung nach hat sich euer Ausflug zu diesem Wasserdorf gelohnt! Ein wirklich schöner Ort ist das. Aber ich kann schon auch gut verstehen, dass die Menschen dort genervt sind, wenn ihr Rückzugsort plötzlich zu einer Touristenattraktion geworden ist...
    Das Erlebnis mit dem Hirsch kann ich auch gut nachvollziehen, denn uns ist mal in den USA etwas ähnliches passiert! Da hat der Hirsch nichtmal umgedreht, sondern ist majestätisch über die Fahrbahn stolziert - und wir haben ihm wie versteinert nachgeschaut und waren total fasziniert!
    Habt noch einen schönen Abend!
    ALles Liebe, Traude

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    1. Vielen lieben Dank Traude.
      Trotzdem ist es irgendwie absurd, daß Fotografen, die es ernst meinen und sich ja gut benehmen können ;-) nicht mehr die Möglichkeit haben da hinzukommen.
      Danke, euch auch einen schönen Abend und restliche Woche.
      Liebe Grüße, Andi

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  7. Liebe Flögi, Du hast eine wirklich schöne Ausbeute an unterschiedlichsten Perspektiven gewählt. Was mir bei den verlinkten Fotos aufgefallen ist: Die Perspektive ist oft ganz von unten, direkt auf dem Steg gewählt ... das gibt eine besondere Optik. Auffallend sind natürlich auch die Himmelsfarben und dass oft das Wasser ganz bewegungsarm ist. Ich denke, da muss man einfach auch Glück haben, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Die Leute kann ich natürlich verstehen. Wenn solch ein Bild im Internet kursiert und mit GPS-Daten verbunden ist, dann kann es passieren, dass in kürzester Zeit viele viele Menschen auftauchen, die schauen oder fotografieren wollen. Da würde ich vermutlich auch die Krise bekommen .... Alles in allem wunderbare Eindrücke, liebe Flögi. Viele Grüße von Marion

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  8. Bei den Massen von Touristen, die dort wohl mal auftauchten und auch weiterhin auftauchen, um die begehrten Fotos zu machen, kann man die Einheimischen verstehen, dass sie verärgert sind und ihre Privatsphäre gerne schützen. Ich glaube, das ginge uns auch so, wenn wir dort wohnen würden.
    Natürlich schade für dich, aber trotzdem hat sich die Reise dorthin gelohnt und du konntest viele tolle Bilder machen, liebe Andi. :-)

    Wenn plötzlich so ein großes Tier mit Geweih vor einem auftaucht, bekommt man erst einmal einen Schreck, aber es war ein tolles Erlebnis für dich.

    Liebe Grüße
    Christa

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